SMITHSONIAN LIBRARIES ^^ ES"'SMITHS0N1AN~INSTITUTI0N NOIiniliSNI NVlNOSHilWS S3iava9n LIBRARIES SMITHSONIAN INSTITUt SNI NVINOSHillMS S 3 I d Vd 8 n_ ■- ' B R A R I ES SMITHSONIAN_ INSTITUTION NOIiniliSNI_NVINOSHilWS S3lbVa ES SMITHSONIAN INSTITUTION NOIifliliSNI NVINOSHilWS S3iavyan LIBRARIES SMITHSONIAN INSTI SNI NViNOSHims S3iavaan libraries smithsonian Institution NOiiniiiSNi nvinoshüws S3iava z (/> z , w ^ Z.W z <2 - >^^^ Es'^SMITHS0NIAN^INSTITUTl0N'^N0liniliSNI_NVIN0SHims'^S3l«Vaan L 1 B R AR I Es'^SMITHSONIAN^'lNSTITUT 4 sni~'nvinoshiiws^s3i avaan~'LiBRAR I ES smithsonian INSTITUTION NoiiniiiSNi~'NViNOSHiiws S3iava r- ^ <- z f" . . 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Alis den Abhandlungen der Königl. Akademie der Wissenschaften /u Berlin 1872. Mit 3 Tafeln. Berlin. Buchdrucljerei der Königlichen Akademie der Wissenschaften (G. Vogt). Universitätsstrasse 8. 1872. In Commission bei F. Dümmler's Verlags-Buchhandliin«. Gelesen in der Akademie der Wisstnsciialteu am 15. Februar 187-2. Die Seitenzahl bezeichnet die laufende Pagina des Jahrgangs 1872 in den Abhandlungen der physikalischen Klasse der Königl. Akademie der Wissenschaften. 0. 'bgleich ich während meiner Reise im Süden Brasihens keine Gelegen- heit, die niederen Wirbelthiere zu sammehi, ungenützt habe vorübergehen lassen, so hatte ich doch ein planmäfsiges und systematisches Sammeln derselben nicht beabsichtigt, i) Dagegen wurde ein solches in Bezug auf die Klasse der Säugethiere in's Werk gesetzt. Die vollständige Freiheit und Selbstständigkeit, deren ich mich während meiner Reise zu erfreuen hatte, erlaubten mir, den Versuch zur Ausführung eines Planes zu machen, den ich schon seit einer Reihe von Jahren wenigstens innerhalb der Grenzen Deutschlands zu verwirklichen bemüht war, und über dessen Bedeutung nachstehende Bemerkungen gestattet sein mögen. In der Geschichte der Säugethierkunde werden immer die Arbeiten G. Cuvier's den Beginn einer neuen, wissenschaftlichen Epoche bezeichnen. Es war das grofse Verdienst der „Recherches sur les ossemens fossiles^, dem Skelet diejenige Bedeutung für die Systematik verschafft zu haben, welche ihm mit Recht zukonnnt. G. Cuvier verdanken wir eine Begrün- dung der Genera durch osteologische Merkmale. Seinen Bemühungen jedoch, auch den Species das gleiche Fundament zu verschaffen, kann ein befriedigender Erfolg nicht zugeschrieben werden. Zu einem solchen bedarf es eines so reichen Materials, wie es weder die damalige Zeit noch bis jetzt die gegenwärtige zu bieten im Stande gewesen ist. Der ') Eine Bearbeitung der von mir gesammelten Fische und Reptilien Brasiliens ist in Troschel's Archiv für Naturgeschichte Jahrg. XXXIir, 1. Bd. p. 120— 162, XXXIV, 1. Bd. p. 323 — 375 und XXXVI, 1. Bd. p. 50—91 erschienen, die hier mitgetheilte Bearbeitung der Säugethiere ist als eine Fortsetzung zu den citirten Publicationen zu betrachten. Abhdl. der phys. Kl. 1872. Nr. 1. 1 Zukunft nuifs es vorbehalten bleiben, dem Zoologen die Mittel zu ge- währen, auch die Species der Säugethiere auf das Skelet und zwar spe- ciell auf den Schädel zurik-kführen zu können. Der Grundsatz, von dem künftig die Arbeiten im Gebiete der Säugethiere ausgehen werden, wird lauten müssen: der Schädel ist das Thier! oder um nicht unnötliiger- weise Mifsverständnisse hervorzurufen: die Säugethiere müssen so behan- delt werden, als wäre der Schädel das Thier I Der Schädel ist nicht blofs darum von so grofser Wichtigkeit fi'ir die Systematik, weil er uns die sichersten und am besten zu controliren- den Merkmale für die Unterscheidung der lebenden Arten liefert, sondern vorzugsweise, weil bei weitem der gröfste Theil der Säugethiere uns nie- mals anders als durch den Schädel bekannt werden wird. Eine wissen- schaftliche Verwerthung dieses aber zum Zwecke der Umgrenzung der Species ist gegenwärtig immer noch als Ausnahme zu betrachten. In den meisten Fällen findet er dabei keine andere Verwendung als nur die einer Illustration. Die Ursachen aber, durch welche sehr häufig die Systeniatiker von der Benutzung des Schädels abgehalten wurden, sind nicht blofs in dem Mangel an Material, sondern auch in den Schwierigkeiten zu suchen, die der weite Kreis seiner Beziehungen einer allseitigen Erforschung entgegen- stellt. Wir haben an dem Schädel nicht blofs Altersdifferenzen, sondern auch die Unterschiede des Geschlechts und des individuellen Variirens streng von einander zu sondern. Die Veränderungen, welche am Schädel als Folge des Lebensalters auftreten, sind so bedeutend, dafs man nur Schädel von nahezu gleichem Alter mit einander vergleichen sollte, natürlich nur da, wo es sich um Feststellung der Species handelt. Die Nichtbeachtung dieser Vorsichts- mafsregel, namentlich bei ungenügender Orientirung des Autors, hat schon vielfache Irrthümer hervorgerufen, die, wenn auch später erkannt und widerlegt, dennoch immer als unnützer Ballast in der Literatur mitgeführt werden müssen. *) ') Hätte nicht Hr. Gray (Proc. zool. soc. 1867, p. 180) junge und alte Fischotter- schädel ohne Rücksicht auf die Altersdifferenzen mit einander verglichen, oder hätte Der- selbe nur das gekannt, was v. Nathusius und IJerthold darfilier gescliriebcn haben, so würde violleicht die Aufstellung einer neuen Gattung .Lutronectes'^ unterblieben sein. Die Unterschiede In der Form des Schädels, welche von dem Ge- schlecht bedingt werden, sind vielleicht in der Mehrzahl der Säugethiere so grofs, dafs man ohne Uebertreibung behaupten kann, Schädel verschie- denen Geschlechts sollten stets wie Schädel verschiedener Species behan- delt werden. 1) Das gilt namentlich von denjenigen Thieren, bei denen das Maximum in der Gröfse des weiblichen Schädels noch nicht an das Minimum des männlichen heranreicht, wie bei vielen (oder allen?) Aifen, den Otarien etc. Hier könnte leicht die Construction eines Mittelschädels aus einer Anzahl gemessener Exemplare ohne Berücksichtigung des Ge- schlechts zu einer Form führen, die in Wirklichkeit gar nicht existirte. Bei Nagern, Edentaten etc. ist es mir noch nicht gelungen, eine Ge- schlechtsdifferenz im Schädel aufzufinden. Bei Ersteren habe ich öfters geglaubt, dafs dickere Schnauze und breitere Schneidezähne ein beson- derer Character des männlichen Geschlechts seien, dann aber kamen mir wieder Formen voi", welche eine solche Unterscheidung als Illusion erscheinen liefsen. Bei denjenigen Säugethieren, Avelche sich durch kräf- tiges Gebifs und starke Kaumuskeln auszeichnen [Quadrumanen, Chi- ropteren, Carnivoren, Marsupialien (Didelphys)], ist der weibliehe Schädel, abgesehen von der stets geringeren Gröfse, an den schwächeren Eck- zähnen und weniger entwickelten Muskelansätzen so leicht zu unterschei- den, dafs man über sein Geschlecht selten im Zweifel sein kann. Er behält immer eine jugendlichere Form, kann daher, auch wenn die Eck- zähne verloi'en würden, mit Berücksichtigung der Alterschai'aktere in Bezug auf das Geschlecht richtig gedeutet werden. Unter den Land- raubthieren finden sich die gröfsten GeschlechtsdifFerenzen bfei der Gat- tung Nasua: sie haben hier sogar zur Unterscheidung zweier Species, N. socialis und N. solitaria, geführt. le gröfser die Unterschiede des Geschlechts sind, um so gröfser pflegen auch die Altersdifterenzen zu 1) Hr. H. Wankel (die Slouper Höhle und ihre Vorzeit. Wien 1868) wäre viel- leicht bei seinen Untersuchungen über Hyaena spelaea nicht zu dem Resultat gekommen, dafs von dieser Species zwei verschiedene Formen gleichzeitig neben einander existirt haben, die von ihm als major und minor bezeichnet werden, wenn ihm bekannt gewesen wäre, dafs bei den meisten lebenden Säugethieren zwei durch die Gröfse verschiedene Formen neben einander existiren, die man aber nicht als „major'- und „minor", sondern als „männlich'' und „weiblich" zu unterscheiden pflegt. 1* sein: es eignet sich daher der Nasiiaschädel ganz besonders, um Beides zu denionstriren. Eine Betrachtung ganzer Reihen solcher Schädel, wie ich sie gesammelt habe, dürfte vohl geeignet sein, alle Diejenigen zur Vorsicht zu mahnen, die geneigt sind, auf die geringfügigsten Abweichun- gen im Bau des Schädels neue Arten zu gründen. Am gefährlichsten jedoch für die Systematik, weil am schwersten zu vermeiden, sind diejenigen Irrthümer, welche aus einer ungenügenden Berücksichtigung der Grenzen des individuellen Variiren hervorgehen. Dieses äufsert sich entweder in solchen rnterschieden, für welche wir keine bestimmte Ursache anzugel^'U vermögen, z. B. Abweichungen in dem Umfange einzelner Schädelthcile, ^\■rlauf einer Naht, Lage eines Foramen, und die sich durch ein hinreichendes Material leicht auf ihren wirklichen Werth zurückführen lassen, oder das Variiren ist von einem bestimmten Momente, der absoluten Gröfse des Individuums, abhängig und unterliegt daher einer leicht zu ermittelnden Gesetzlichkeit. Um zu einem richtigen Verständnifs des Schädels zu gelangen, dürfen wir nicht vergessen, dafs an demselben zwei ganz verschiedene Elemente, der Hii"n- und Gesichtsschädel, zu unterscheiden sind. An dem ersteren müssen in der Betrachtung innere und äufsere Oberfläche stets gesondert gehalten werden. Die innere Oberfläche hängt bei Säuge- thieren nur von dem Umfange des Gehirnes ab und kommt Itei der Unterscheidung einzelner Spocies nicht weiter in Ik'tracht. Seine äufsere Oberfläche dagegen ist wesentlich das Product der Einwirkung des Ge- sichtsschädels, abgesehen von den Beziehungen zu den N;>ckenmuskeln, zu dem (iehürorgane u. s. w. Hierbei ist das Gesichts- und Geruchs- organ von geringerer Bedeutung für die Schädelform, und betrachten wir vielmehr den Gesichtsschädel als vorzugsweise von den Kauwerk- zeugen gebildet. Diese beanspruchen aber nur den Werth der Bewegungs- organe und sind als solche abhängig von Nahrungs- und Lebensweise und ohne nähere Beziehung zu intellectuellen Eigenschaften. Der Umstand, dafs die Gröfse des Schädels zum Theil vom Ge- hirn abhängt, und dafs der Gesichtsschädel wohl als Bewegungsorgan nicht aber als Organ der Ortsbewegung aufgefafst werden mufs, macht es erklärlich, dafs der Schädel nicht in demselben Verhültnifs variirt wie der Körper, dafs zu dem Kör^ser eines kleinen Individuums ein grofser, zu dem eines grofsen ein kleiner Schädel gehört, oder um mehr den Schädel als das Constante hervortreten zu lassen, dafs zu einem grofsen Schädel, d. h. zu dem Schädel eines grofsen Individuums, immer ein zu grofser, zu einem kleinen Schädel immer ein zu kleiner Körper gehört. So ist der Körper eines grofsen Hundes viel schwerer als der eines Wolfes mit gleich grofsem Schädel, während andererseits kleine Hunde, deren Hiimschädel oder Hirnvolumen etwa dem eines Fuchses gleicht, an Körpergewicht noch nicht die kleinste Hundespecies, den Canis zerda, erreichen.!) Aehnlich ist das Verhältnifs zwischen den beiden Haupttheilen des Schädels selbst. Ein grofser Schädel ist niemals das Abbild eines kleinen, nur in vergrüfsertem Mafsstabe gedacht. Hier ist der Hirnschädel das Constante und der Gesichtsschädel das Variable. Das Volumen des Gehirnes variirt bei den Individuen desselben Geschlechts einer wilden Species so wenig, dafs es fast als ganz constant angenommen werden kann. Die Unterschiede in der Gröfse des Schädels kommen vorzugs- weise auf Rechnung des Gesichtsschädels, daher grofse Schädel scheinbar wenig, kleine aber viel Gehirn besitzen. Fügen wir zu den Differenzen in der Gröfse des Gesichtsschädels auch noch diejenigen hinzu, welche als Folge davon an der äufseren Oberfläche des Hirnschädels zur Er- scheinung kommen, wie Entwickelung der Sinus frontales und der Muskel- ansätze, so ist damit eine solche Fülle von Merkmalen gegeben, dafs man schon in der Werthbestimmung derselben sehr genau orientirt sein mufs, wenn man nicht bei ihrer Anwendung auf die Umgrenzung der Species in die folgenschwersten Irrthümer verfallen will. Für jenen Zweck müssen wir uns stets ein Urtheil darüber bilden können, ob wir es mit einem grofsen oder kleinen Schädel zu thun haben. Alsdann stellt sich heraus, dafs der grofse Schädel der einen Species mit dem kleinen einer anderen nur unter ganz gewissen Cautelen verglichen werden darf, dafs es also vor allen Dingen nothwendig sein wird, für jede Species erst den Schädel von mittlerer Gröfse, den ich den „Normalschädel" nennen will, zu ermit- ^) Eine Berücksichtigung dieser Verhältnisse verbunden mit einer sorgfaltigeren Beobachtung des Zahnsystemes dürfte wohl geeignet sein, den Phantasien über die Ab- stammung unseres Haushundes von mehreren Species ein Ende zu machen. teln. Erinnert man sich dessen, was oben über die Geschlechtsdifferenzen bemerkt wurde, so ist es selbstverständUch, dafs in den meisten Fällen zwei Normalschädel für eine Species festgestellt werden müssen, der niännüche und der weibliche. Es fragt sich ferner, in welchen \'erhältnissen des Schädels wir einen Ausdruck für seine Gröfse linden wollen. Man könnte vielleicht die Schädel abwägen und die Gröfse im Gewicht ausgedrückt finden, allein wenn auch theoretisch wenig dagegen zu sagen wäre, so bietet doch die Praxis der Ausführung so gröfse Schwierigkeiten, dafs man wohl besser thun wird, ganz darauf zu verzichten. Bedenkt man, dafs es sich hier nur um Vergleichung der Schädel innerhalb einer Species oder ganz nah verwandter Arten handelt, indem es zoologisch ohne Zweck wäre, z. Jj. den Schädel des Canis vulpes mit dem der Felis catus zu vergleichen, so werden wir von selbst auf das Längenmafs des Schä- dels als auf einen Ausdruck für seine Gröfse geführt. Man hat zwar schon seit langer Zeit die Länge der Schädel ge- messen, allein es hat bisher immer noch an der Feststellung eines ge- wissen Princips dafür gefehlt. Gewöhnlich wird der gröfste Längsdurch- messer des Schädels, das heifst, die Entfernung von dem vordersten Punkte des Interraaxillare bis zum äufsersten Punkte des Hinterhauptes, als seine Länge angesehen. Allein wissenschaftlich verwerthen läfst sich ein solches Mafs nicht, denn es kommen Verhältnisse dabei in's Spiel, die ohne Einflufs auf die übrigen Dimensionen des Schädels sind. Abge- sehen von der grofsen Variabilität dei- vorderen Partien des Intermaxil- lare, läuft bei vielen Thieren das Hinterhaupt in eine Spina aus, so dafs zwei Schädel scheinbar eine gleiche Länge haben können, wenn der kleinere mit einer sehr langen spina occip. versehen ist. Theoretisch berechtigt würde jedenfalls eine Linie sein, welche der Basis des Hirntheiles entspricht, die also z. B. von dem unteren (vorderen) Rande des Foram. occip. magnum bis zum centralen Ende der Nasenbeine gezogen wäre. Allein dieser letztere Punkt entspricht nicht bei allen Thieren so wie bei dem Menschen dem vorderen Ende der Basis des Hirnschädels, ist auch überall da, wo die Nasenbeine frühzeitig mit ihrer Umgebung verwachsen, nicht mit Sicherheit zu ermitteln. lahrelange Bemühungen auf diesem Felde haben mich zu der Ueberzeugung gebracht, dals eine Linie von dem unteren Rande des Foram. occip. magn. bis zum hinteren Rande der Alveole eines der bei- den mittleren Schneidezähne gezogen am besten den Anforderungen ent- spricht, die man an ein Längenmafs für den Schädel stellen darf. Ich nenne diese Linie „die Basilarlänge" (Bas.lg.). Sie hat ihre Fehler, denn die Endpunkte sind nicht absolut constant, allein sie hat unter allen hierbei in Betracht zu ziehenden Dimensionen des Schädels die wenigsten Fehler und besitzt den grofsen Vorzug, dafs ihre Endpunkte leicht auf- zufinden sind, so dafs man auch die Mafse, welche andere Autoren ge- wonnen haben, verwenden kann. Vergessen dürfen wir dabei nicht, dafs bei diesen Betrachtungen, wie schon oben bemerkt wurde, immer nur die Unterscheidung der Species oder ihrer Unterabtheilungen in's Auge gefafst ist, und dafs es in der systematischen Zoologie niemals darauf ankommt, Thiere verschiedener Familien oder Ordnungen in Bezug auf die Schädellänge mit einander zu vergleichen. Man könnte vielleicht zweifelhaft sein, ob nicht der vordere Rand der Alveole der mittleren Schneidezähne oder das vordere Ende des Intermaxillare als Endpunkt der Basilarlänge vorzuziehen seien; allein ich glaube mich überzeugt zu haben, dafs diese Theile noch weniger constant sind als der hintere Rand der Alveole, auch sind sie bei fossilen Schädeln viel häufiger beschädigt als dieser. Der wichtigste Einwand, den man gegen die Basilarlänge als Aus- druck der Gröfse des Schädels erheben kann, läfst sich meines Erachtens aus dem entnehmen, was oben über das Verhältnifs des Gesichtsschädels zum Hirnschädel bei grofsen und kleinen Schädeln gesagt wurde. Da an der Basilarlänge Gesichtsschädel und Hirnschädel ihren bestimmten An- theil haben, die Gröfsenzunahme des Schädels jedoch vorzugsweise auf Rechnung des Gesichtstheiles zu bringen ist, so ist das Verhältnifs dieses Antheiles bei grofsen Schädeln nicht das gleiche wie bei kleinen. Die daraus hervorgehende Ungenauigkeit läfst sich nicht läugnen. Sie gehört zu jenen Unvollkommenheiten, die uns überall da entgegentreten, wo es sich nicht um geometrische Formen handelt. Sind sie auch gewöhnlich nicht zu vermeiden, so ist es schon ein Gewinn, sie richtig erkannt zu haben. Unter dem NormaUehädel einer Species, resp. eines bestimmten Geschlechtes derselben, verstehe ich nun einen solchen Schädel, der die normale oder mittlere Basilarlänge besitzt. Diese aber gewinne ich niclit durch eine arithmetische Operation; sie wird vielmehr durch eine Zahl ausgedrückt, welche als Basilarlänge einer grölseren Menge männ- licher oder weiblicher Schädel einer Species am häufigsten wiederkehrt. Es kann hierbei die Frage aufgeworfen werden, wie grofs die Zahl der zu messenden Schädel-Individuen sein soll, um den Normalschädel zu ermitteln. Die Antwort ist leicht zu geben. Nach einer gewissen Anzahl der Messungen wird sich bald eine Majorität für die normale Basilarlänge ergeben. Von ihr aus wh-d die Zahl der Fälle nach beiden Seiten hin abnehmen, bis dann das Maximum und Minimum noch durch je einen Fall ausgedrückt werden kann. So lange sich nun hierin noch eine Lücke findet, oder diese Abnahme nicht eine regelmäfsige ist, su lange ist die Zahl der gemessenen Schädel noch nicht hinreichend grofs. Obgleich jedes Lebensalter seinen eigenen Normalschädel besitzen wird, so kann hier zunächst nur von demjenigen voUwüchsiger Individuen die Rede sein. Nimmt man an, dafs mit der Vollwüchsigkeit des Schä- dels auch die des Individuums gegeben ist, so wird man die Frage nicht umgehen können, wann ist der Schädel als voUwüchsig anzusehen? oder wie es für den bestimmten Fall hiiii-eicht, wann ist das Längenwachsthum des Schädels beendet? Ich nuilV i-s mir versagen, hier auf dieses so überaus wichtige Capitel genauer einzugehen, das zu den Fundamenten der Systematik der Säugethiere gehört, und dessen Bedeutuug nicht immer richtig gewürdigt wird. Es mögen daher nur folgende Andeu- tungen genügen. Das Längenwachsthum des Schädels findet vorzugsweise in den- jenigen Theilen statt, in denen Gesichtsschädel und Hirnschädel mit ein- ander in \'erbindung treten. Der Erstere verlängert sich zwar auch am vorderen Ende, allein hier ist sein Wachsthum früher beendet. Die Ver- gröfserung des Hirnschädels ist, was die innere Oberfläche betrifft, mit der Entwickelung des Gehirnes vollendet. Sie findet nur so lange statt, als die Nähte noch nicht geschlossen sind. Eine Vergröfserung der Schädelhöhle bei geschlossenen Nähten, also blofs durch Resorption der Sc-hiuk'lkapselwand, köinite nur so unbedeutend sein, dafs sie nicht weiter in's Gewicht fiele. Aber der Sclilufs der Nähte findet zu sehr verschie- denen Zeiten statt, bei vielen Säugethieren niemals, so dafs im Allge- meinen das Oifensein der Nähte z. B. der satur. sphen. basil. noch kein Beweis für fortdauerndes Wachsthum ist. Die äufsere Oberfläche des Hirnschädels hängt in der Vollendung ihres Wachsthums von der Ent- wickelung der Sin. front, des Supraorbitalrandes, der Muskelansätze u. s. w. ab, und diese kann viel später eintreten, hat auch keinen Einflufs auf das Längenwachsthum. Sind die Nähte, welche den Gesichtsschädel mit dem Hirnschädel verbinden, ganz oder partiell verschwunden, so ist dies ein Beweis, dafs das Längenw^achsthum vollendet ist. Nicht aber ist der umgekehrte Schlufs erlaubt. Bei manchen Säugethieren verschwinden sie niemals. Für die Beobachtung empfiehlt sich ganz besonders die sut. zygom. temp., die Naht, welche das Jochbein mit dem Schläfenbein ver- bindet. Ist sie geschlossen, so hat das Längenwachsthum des Schädels aufgehört, ist sie offen, so kann es gleichwohl aufgehört haben. Bei Sus scrofa z. B. verwächst diese Naht niemals, auch nicht im höchsten Lebensalter, bei Dicotyles mit der Vollendung des Längenwachsthums des Schädels. In dem ersteren Falle mufs man sich an das Aussehen der Oberfläche der Schädelknochen halten. Das Dickenwachsthum der Knochen wird bekanntlich durch Ver- knöchefung eines am Periost gelegenen Bildungsgewebes unter Erschei- nungen der Resorption und Apposition bewirkt. i) Diese Zustände sind mit einer gewissen Rauhigkeit der Oberfläche des Knochens verbunden, der an den betreffenden Stellen wie angefressen aussieht und auch einen Einblick in die Haversischen Kanälchen gestattet (Howship's Lacunen). Schliefslich ti*itt aber das Periost oder ein Theil desselben selbst in die Verknücherung mit ein und erst dadurch wird das Wachsthum des Kno- chens vollendet. Seine Oberfläche erhält dann ein eigenthümliches glattes Aussehen und selbst da, wo sie eine Rauhigkeit zeigt, hat diese nichts gemein mit der des wachsenden Knochens, denn die Oberfläche ist gleichwohl geschlossen und gestattet keinen Einbhck in die Haversischen Kanälchen, obschon natürlich einzelne Oefl'nungen sichtbar sind. Da, 1) Von einem interstitiellen Wachsthum der Knochen, welches gegenwärtig von mehreren Autoren angenommen wird, habe ich mich niemals überzeugen können. Abhdl. der pliys. Kl. 1872. Nr. 1. 2 WC) die I'llemcnte des Periost's besonders entwickelt sind, wie an den Epi]>hysen der langen Knochen, am Kamme des Beckens u. s. w., kann man schon mit blofsem Auge den Uebergang der Periostfasern in das Knochengewebe erkennen. Wo sich Sehnen und Bänder ansetzen, wie an der Kniescheibe, am tub. calc, gehen aucli sie in die Verknöcherung ein, was sich durch das Microscoj) leicht nachweisen läfst. Wo Muskeln mit fleischigen Partien entspringen, wie in der Schläfengrube, erhält die Oberfläche des vollendeten Knochens ein eigenthümliches netzartiges Aus- sehen durch erhabene Linien, welche die Verknöcherung der Scheidewände der Muskelbündel vorstellen. Es gehört nur wenig Uebung dazu, aus allen diesen Zeichen auf die Vollwuchsigkeit der Knochen und somit auch des Schädels zu schliefsen. Aus dieser gedrängten Uebersicht der Bedeutung des Schädels für die Systematik lassen sich nun leicht die Principien entnehmen, welche mich bei dem Sammeln der Säugethiere während meiner Reise geleitet haben. Auf die Conservirung der Felle zum Zwecke des Ausstopfens habe ich ganz verzichtet. Nur dann wurden sie aufbewahrt, wenn es sich um die Bestimmung unsicherer Species handelte, und wenn ich zu- gleich die zu ihnen gehörigen Skelete meiner Sammlung einvei-leiben konnte. Kleinere Species wurden in Spiritus conservirt. Die Skelete jeder Species wurden womöglich von mehrfachen Individuen männlichen wie weiblichen Geschlechts gesammelt. Den Hauptwerth aber legte ich auf die Schädel, indem ich bemüht war, ganze Reihen derselben und zwar von möglichst vielen Altersstufen zu erhalten. Ein ganz besonderer Vorzug dieser Schädelreihen liegt auch darin, dafs bei dem gröfsten Theile der Schädel deren Geschlecht bekannt war, so dafs es in manchen Fällen möglich gewesen ist, für jedes Geschlecht eine solche Reihe vom Foetus bis zum greisen Individuum aufzustellen, und bei grofser Ge- schlechtsdift'erenz alter Thiere auf das Deutlichste zur Anschauung zu bringen, um wio viel ähnlicher die Schädel verschiedenen Geschlechts einander sind, aus je jüngeren Lebensaltern sie herrühren. Es Ijedarf kaum der Bemerkung, dafs bei einem so vollständigen Materiale auch die Kenntnifs des Gebisses wesentlich gefördert wird, da sich dieses bei den zahlreichen Altersstufen auch in verschiedenen Graden der Abkauuuif darstellen mufs. Für das Studium mancher Zahnformen, 11 z. B. der Hufthiere und Nagethiere, ist es aber unerläfsliche Erlbrdernifs, dafs man auch solche Zähne zur Vergleichung benütze, welche noch nicht durch Abkauung ihre wesentlichen Eigenthümlichkeiten verloren haben. Alle von mir in Süd -Amerika gesammelten Schädel und Skelete der Säugethiere sind dem Anatomischen Museum der Universität zu Berlin einverleibt worden. Die in nachstehender Arbeit mitgetheilten Mafse wurden mittelst sogenannter Calibermafsstäbe gewonnen, deren parallel zu einander ver- schiebbare Schenkel nach Art der Zirkelspitzen zugespitzt waren, und zwar bediente ich mich dreier verschiedener Mafsstäbe, eines gröfsten, der blol's eine Eintheilung in ganze Millimeter zeigte, eines mittleren, der durch einen Nonius eine Ablesung von -J^ Mm. gestattete, und eines kleinsten (von Gundlach in Berlin), der vermittelst seines Nonius noch Jg- Mm. ablesen liefs. Es ist aber für die Verwerthung der Mafse nicht gleich, mit welchem der Mafsstäbe sie gewonnen sind. Um dieses nun auszudrücken, dient die Zahl der Decimalstellen. Wenn dieselben fehlen, so ist es ein Zeichen, dafs das Mafs durch den gröfsten Mafsstab erhalten wurde; so ist z. B. zu unterscheiden zwischen 5 Mm., 5,oMm. und 5,ooMm. Die Zwanzigstel Millimeter habe ich nämlich der bequemeren Vergleichung wegen in Hundertel verwandelt, da es doch keinen Zweck hat, macrosco- pische Gegenstände mit noch feineren Eintheilungen zu messen. Für den Werth einer Messung würde es natürlich sonst einen bedeutenden Unter- schied machen, ob der Mafsstab Zwanzigstel oder Hundertel Millimeter ablesen läfst. Um also einem Mifsverständnifs vorzubeugen, theile ich mein Verfahren ausdrücklich mit. Oft ist aber bei einer Eintheilung in ganze Millimeter noch sehr leicht ein halber Millimeter mit dem Augen- mafs zu schätzen; um nun durch dessen Weglassen den Grad der Ge- nauigkeit nicht unnfithigerweise zu beeinträchtigen, ist er durch „4^" aus- gedrückt, dadurch unterscheidet sich also auf leicht verständliche Weise z. B. 5|- Mm. von 5,5 Mm. und 5, so Mm. In welchem Falle nun einei- der drei Mafsstäbe anzuwenden sei, darüber lassen sich keine bestimmten Regeln aufstellen. Im Allgemeinen wird man dabei wohl von der Länge der Dimension abhängig sein, oft aber entscheidet auch die Bestimmtheit ihrer Endpunkte, denn selbst bei Q-::- 12 kurzen Dimensionen können sie so unbestimmt sein, dals es rein illusorisch wäre, hier mit Zwanzigstel Millimeter messen zu wollen. Man darf blofs in einem solchen Falle die Messungen mehrmals wiederholen, um zu sehen, wie wenig dann die gefundenen Mafse unter einander übereinstimmen. Die von mir in der brasilianischen Provinz Rio Grande do Sul gesammelten Säugethiere sind in der folgenden Bearbeitung aufgezählt. Ueber Lebensweise und Vorkommen derselben, so weit sie von allge- meinem Interesse sind, habe ich im Zoolog. Garten, Jahrg. 1867 u. flg., berichtet. Eine genauere Untersuchung der Skelete ist nicht ausgeführt worden, da es noch nicht möglich war, dieselben in einem dazu noth- wendigen Umfange zu präpariren. Quadriimana. 1) Mycetes w'sinus Desm.') Unter allen von mir gesammelten Säugethiercn ist wohl keines so geeignet einen Beweis von der grenzenlosen Verwirrung zu geben, die gegenwärtig noch in der zoologischen Bestimmung oft der häufigsten Säugethiere herrscht, wie der genannte Brüllaffe. Obgleich mir von die- ser Species ein Material zu (lebote steht, wie es wahrscheinlich keine einzige Sammlung Europa's aufzuweisen hat, so bin ich doch vollständig im Unklaren, um welche der bekannten Species aus der Gattung Mycetes es sich hier handelt, und nur deshalb habe ich den oben genannten Namen gewählt, weil man den M. ursinus aus S. Paulo anführt und diese Provinz Brasiliens nur durch die Provinz St. Cathai'ina von Rio Grande do Sul getrennt ist. Ich habe trotz aller Bemühungen aus der Literatur nicht entnehmen können, wie sich M. ursinus, seniculus, bicoloi-, caraya, barbatus, fiiscus etc. von einander unterscheiden, und nur eine noch- malige Untersuchung der Originalexemplare kann Licht in dieses Dunkel ') In im'inen Mittlieilungpn über die Lebensweise dieses Affen (Zool. Gart. 1867, p. 3G2) habe iili denselben als ,M. seniculus bezeichnet. 13 bringen. Auch die neueste Bearbeitung dieser Gattung i) mufs als ganz verfehlt betrachtet werden, da sie auf feste osteologische Merkmale keine Rücksicht nimmt. Gesammelt wurden von mir 217 Schädel, zu 5 derselben, 2 d" und 3 2 , auch die Skelete, aufserdem eine nicht unbedeutende Menge von Foetus verschiedenen Alters in Spiritus. Ferner ist mir von allen Exem- plaren Geschlecht und Farbe bekannt gewesen. Ein scheinbar so über- reiches Material ist gleichwohl noch nicht hinreichend, um die Grenzen festzustellen, innerhalb deren die Charaktere einer Species variiren können, und dadurch einen Mafsstab zu gewinnen für die Beurtheilung aller anderen Affenarten. Dies kann aber nur geschehen, wenn man die Ge- schlechter, die bei den Affen so verschieden von einander sind, vollstän- dig trennt und wie besondere Species behandelt. Aufserdem kann man nur an völlig ausgewachsenen Exemplaren die Grenzen des Variirens ermitteln. Unter jenen 217 Schädeln befinden sich aber 117 männliche und 100 weibliche, und unter den Ersteren blofs 47 vollständig erwachsene, d. h. solche, bei denen Veränderungen in Folge des Wachsthums vor- aussichtlich nicht mehr auftreten. Diese Summe ist aber noch nicht in allen Fällen hinreichend, um die Grenzen des Variirens zu ermitteln. Jene 47 erwachsenen männlichen Schädel zeigen nun Folgendes: das Maximum der Bas.lg. ist 111 Mm., das Minimum 97 Mm. Eine nahezu gleiche Majorität zeigt die Länge von 104, 103 und 102 Mm., so dafs man wohl eine Bas.lg. von 103 Mm. als die normale ansehen kann. Unter den 100 weiblichen Schädeln befinden sich 55 vollständig erwachsene. Ihre Länge variirt zwischen 75 — 85 Mm. Die normale Länge beträgt 80 Mm. Man sieht, dafs das Maximum der Gröfse im weiblichen Geschlecht dem Minimum im männlichen noch durchaus nicht gleichkommt, dafs also bei Mycetes wie bei allen Affen ganz bedeutende GeschlechtsditFerenzen vorkommen. Es ist daher ganz werthlos, aus mehreren Schädeln beider Geschlechter auf arithmetischen! Wege ein Mittlei'es zu gewinnen, welches *) Catalogue of Monkeys, Leniures, and Fruit -eating Bats in the coUection of the British Museum by A. E. Gray. London 1870. 14 als diu normale Länge gelten solle, da dies müglichenveise einen Normal- pchädel ergeben könnte, der in Wirklichkeit gar nicht existirt. Die Farbe der alten Männchen ist roth, wie bei Sciurus vulgaris, zuweilen, aber keineswegs bei sehr alten Exemplaren, fast gelb. In der Tiefe sind die Haai-e etwas dunkler, so dafs besonders ihre Spitzen das rothe oder röthlichgelbe Colorit verursachen. Der Scheitel, der hintere Thell des Rückens, d. h. die Lenden- und Sacral-Gegend, sowie die End- hälfte des Schwanzes sind am hellsten gefärbt, die Hände und Fiifse, sowie der Bart sind nicht selten etwas dunkler als der übrige Körper. Die erwachsenen Weibchen sind schwarzbraun, die Spitzen der Haare, namentlich an der Oberseite, sind etwas gelblich. Oft ist die Farbe der Sjiitzen so wenig deutlich, dafs die Thiere ganz schwarz aussehen. In den Tiefländern, an den Ufern der grofsen Flüsse haben die Haarspitzen bei den Weibchen zuweilen einen mehr röthlichen Ton, und einige Male wurden weibliche Exemplare erlegt, die ihrer rothen Farbe wegen für Männchen waren gehalten worden, und erst die Untersuchung des ge- tödteten Thieres liefs den Irrthum erkennen. In Gebii-gen, wo nicht selten starker Frost eintritt, waren die Haarspitzen sehr stark gelblich, so dafs die sonst schwarzbraune Farbe einen entschieden graugelben Ton hatte. Doch erschienen auf der Höhe eines Baumes die Männchen immer roth, die Weibchen immer schwarz, daher auch die Colonisten des Ur- waldes die Männchen als .rothe" und die Weibchen als „schwarze Aflfen- bezeichnen. In der Jugend sind beide Geschlechter gleich gefärbt und unter- scheiden sich in Nichts von den alten Weibchen, höchstens ist der gelbliche Schimmer der Haarspitzen nicht so deutlich. Die rothe Farbe der Männchen entwickelt sich erst dann, wenn sie die Weibchen an Gröfse schon übertreffen, und zwar ist sie zuerst ziemlich dunkel, fast braunroth. Doch nuifs dieses Stadium ziemlich schnell vorübergehen, da man solche braunrothe Exemplare der Männchen nicht häufig antrifft. Dabei mufs man freilich berücksichtigen, dafs die hellsten Männchen sich in den Baumkronen zuerst dem Auge des Jägers verrathen, daher wohl auch liäiifigvr geschossen werden. Als besondere Merkmale des M. ursiiins müssen hervorgehoben werden : schwacher Zwischenkiefer mit schwachen Schneidezähnen, deren 15 innere stärker sind, als die äufsereii (im Unterkiefer umgekehrt), grofse Eckzähne, hoher Unterkiefer. Zur Bildung einer ci'ista sagittalis kommt es auch bei dem männlichen Geschlecht niemals; 8 Mm. ist der geringste Abstand der lin. semicirc. von einander, den ich beobachtet habe. Mycetes semculus f 2 männliche eigenthümliche SchädeP) eines Mycetes, die ich ver- gleichen konnte, untei-scheiden sich von allen Schädeln des M. ursin us und scheinen mir einer besonderen Species anzugehören. Ihre Stirn ist flach gewölbt bis an die Augen, der obere Orbitalrand wenig entwickelt. Bei M. ursinus ist dieser selbst bei jüngeren männlichen Exemplaren so stark entwickelt, dafs die Stirn darüber immer vertieft erscheint. Ihre Zwischenkiefer sind viel kräftiger, ebenso die Schneidezähne und zwar bei den oberen die seitlichen etwas stärker als die inneren. Das wichtigste Merkmal jedoch liefert der Unterkiefer. Dieser ist an der Symphyse und den vorderen Prämolaren wohl ebenso hoch wie bei M. ursinus, allein nach dem Angulus hin nimmt die Höhe des horizontalen Astes so wenig zu, dafs dieser viel niedriger erscheint als bei dem Brüllaflen von Rio Grande do Sul. Folgende Mafse von dem Schädel des Berhn. zool. Mus. und einem ungefähr gleichgrofsen Schädel des M. ui'sinus entnommen werden das Gesagte bestätigen: M. iirsin. M. sc-iii Mm. Mm. 8 in 3,5 4,3 3,0 4,7 26 23 28 23^ 32 261 44 31 1) Durchmesser des Zwischenkiefers von vorn nach hinten am zahntragenden Theile in der Mittelnaht gemessen 2) Breite eines mittleren oberen Schneidezahnes . 3) , „ seitlichen „ „ . . . 4) Höhe des Unterkiefers zwischen pi und mi . . . 5) „ „ „ ., mi ^ m2 . 6) „ „ „ ,, m2 ., ms . 7) „ „ „ hinter ms ') Berl. Anat. Mus. 13893 und Zool. Mus. Dieser Schädel ist als M. seniculus mas. A 154 bezeichnet, der dazu gehörige ausgestopfte Balg als M. ursinus, Guiana, Schoinburgk. IG Die liier ausgedrückten Unterschiede könnten ohne ein hinreichen- des Vergleichiingsniaterial a priori immer noch als individuelle Variationen angesehen werden, allein unter allen mir vorliegenden Schädeln des M. ursinus befindet sich nicht ein einziger, der den beiden von Schom- burgk in Guiana gesammelten ähnlich wäre. Der oben erwähnte Balg im Berlin, zool, Mus., zu einem der ge- messenen Schädel gehörig, unterscheidet sich von dem des Brüllaffen aus Rio Grande do Sul durch eine sehr kurze schwache Behaarung. Dieser Charakter kann -specifisch sein, ist aber auch vielleicht nur eine Folge des Klima's, welches im äufsersten Süden Brasiliens schon ziemlich kalt ist. Welcher Species nun jene beiden in Rede stehenden Schädel zu- zuschreiben sind, das zu entscheiden dürfte vorläufig ohne Vergleich der Original-Schädel unmöglich sein. Ich habe sie nur deshalb dem M. seni- culus zugeschrieben, weil der Brüllaffe Guiana's bei den meisten Autoren unter diesem Namen aufgeführt wird, und die verschiedenen Affenarten wahrscheinlich einen beschränkteren Verbreitungsbezirk haben, als man ihnen gewöhnlich zutheilen will. Ein einzelner Unterkiefer eines alten männlichen Mycetes, den ich von Hrn. v. Martens erhielt, und der angeblich von Kappler in Surinam gesammelt worden ist, zeigt alle die Eigenthümlichkeiten, welche oben für den M. seniculus angegeben wurden. Dieser Unterkiefer mifst vom vorderen Rande der Alveole des Eckzahnes bis zum hinteren Rande des aufsteigenden Astes längs des Alveolarrandes gemessen 106 Mm. und ist somit länger als der Unterkiefer des gröfsten oben gemessenen Schädels des M. ursinus. Gleichwohl ist er niedriger als dieser und, auf einer Ebene aufgestellt, erreichen seine Gelenkköpfe nicht die Horizontale der Gelenkköpfe jenes: die Höhe seines horizontalen Astes beträgt hinter ma nur 37 Mm. Auch sind seine Schneidezähne deutlich dicker, der Processus coronoideus etwas höher und der ganze aufsteigende Ast mehr nach hinten gerichtet. Einen zweiten eigenthümlichen Schädel besitzt ebenfalls das Berlin. Anatom. Mus. (Skelet 17442) und zwar von dem bereits verstorbenen Naturalienhändler Edmüller, also wahrscheinlich aus Venezuela oder Central -Amerika. An diesem Schädel, der einem crofsen männlichen 17 Exemplare angehört, ist die Stirn flach, der obere Eand der Orbita schwach, fast gar nicht entwickelt, der Zwischenkiefer stark, die oberen Schneidezähne sind sehr kräftig, also wie bei M. seniculus, allein der Unter- kiefer ist hoch und unterscheidet sich in Nichts von dem des M. ursinus.. Welcher Species dieser Schädel zuzuschreiben ist, darüber wage ich keine Vermuthung. Der Schädel, den Blainville, Osteographie. Tom. I. Cebus. PI. V und IX als Cebus seniculus abbildet, scheint hierher zu gehören. Endlich verdanke ich noch Hrn. Dr. v. Frantzius die Gelegenheit, einen Schädel des M. palliatus Gray aus Costarica vergleichen zu können. Derselbe rührt von einem alten männlichen Individuum her und doku- mentirt sich gleich als von einer besonderen Species herrührend. Er ist klein und rundlich, seine ßas.lg. beträgt nur 96 Mm., erreicht also kaum das Minimum des M. ursinus. Eine so geringe Gröfse könnte nur indivi- duell sein, allein ein weiblicher Schädel, den das Berlin, zool. Mus. be- sitzt, steht ungefähr in demselben Verhältnifs zu den weiblichen Schädeln des M. ursinus, so dafs die geringere Gröfse bei M. palliatus mehr den Charakter eines unterscheidenden Merkmales gewinnt. Der Zwischenkiefer (11 Mm.) und die Schneidezähne sind kräftig, die Choanen sehr schmal, erreichen nicht eine Querlinie, welche man von dem hinteren Rande des letzten oberen Mahlzahnes nach der andern Seite ziehen kann. Der Unter- kiefer ist ziemlich niedrig und schwach, der aufsteigende Ast desselben steht senkrecht zum horizontalen. An der Selbständigkeit dieser Species ist nach dem Schädel nicht zu zweifeln. Eine andere Frage ist die, ob sie nicht identisch ist mit ii'gend einer anderen der vielen nominellen Arten, mit denen die Gattung Mycetes bereits versehen ist, z. B. M. caraya. Diese Art, hei der beide Geschlechter gleichfalls schwarz sind, findet sich in Paraguay und ist offenbar dem Laufe der grofsen Ströme folgend aus Mattogrosso dorthin gelangt, so dafs sie sich möglicherweise auch im Innern Brasiliens und am oberen Laufe des Amazonas findet. Nach Slack (Proc Ac. Nat. Soc. Philadelph. 1867 p. 36) soll M. palliatus Gray eine junge Aluatta nigra sein, die Gray 1. c. wieder mit M. bicolor identificirt. Erst eine vergleichende Betrachtung der Schädel wird uns Auf- schlufs geben über die Zahl der Arten in der Gattung Mycetes. Abhdl. der phijs. Kl. 1872. Nr. 1. 3 18 2) Cebiis fatuellns Erxl. Es wäre ein entschieden günstigerer Fall gewesen, wenn die^e Art ein so reiches Material meinen Sammlungen geliefert hätte wie der briill- affe, da die Gattung Cebus als typisch für die südamerikanischen Affen angesehen werden kann und auch für die allgemeinere Kenntnifs des Affen- schädels überhaupt ein nutzbareres Material liefert. Gesammelt wurden 26 männliche Schädel inclus. 4 Skelete und 19 weibliche inclus. 1 Skelet. Aufserdem einige Foetus und 1 junges Individuum in Spiritus. Unter den männlichen Schädeln befinden sich nur G vollwüchsige. ihre lias.lg. beträgt 70, 69, 69, 67, 65^ und 64 Mm. Unter den weib- lichen Schädeln befinden sich ebenfalls 6 vollwüchsige, deren Bas.lg. h^\, .094^, 59. 581, 57.1 und 56 Mm. beträgt. Eine so geringe Zahl gestattet nicht, die normale Gröfse der Species nach dem Schädel festzustellen. Doch sieht man wenigstens so viel, dafs der weibliche Schädel den männ- lichen in der Gröfse schwerlich erreichen wird. Die Betrachtung des Cebusschädels ist von aufserordentlicheni all- gemeinem Interesse, da er uns die Alters- und Geschlechtsverschiedenheit des Affenschädels in aller Reinheit kennen lehrt. Es besitzt nämlich der weibliche Schädel niemals eine crista sagittalis, und nur ln^'i rinein der oben gemessenen Schädel berühren die lin. seniicirc. einander und zwar auf der Stirn, bei den 5 anderen, die gleichfalls sehr alte Exemplare vorstellen, bleiben sie überall weit von einander entfernt. Am männlichen Schädel entwickelt sich aber nach erlangter Vollwüchsigkeit eine hohe crista sagittalis, die sonderbarerweise dicht hinter den Augen beginnt und auf der Stirn am höchsten ist. Damit ist eine sehr bedeutende Ent- wicklung des Randes der Orbita verbunden. Der junge männliche Schädel dagegen gleicht in allen Stücken ganz dem alten weiblichen. Hierin liegt nun an und für sich noch nichts Besonderes, denn diese Erscheinung wederholt sich bt-i allen Säugethieren mit starken Kaunniskehi. AlK'in hirr fragt es sich iiini. nach welchen Merkmalen wir die Voilwüclisigke'it des Schädels beurtln'iliMi. Die Ausbildung der Cristei:, das Verschwinden der Nähte haben nur eine beschränkte Bedeutung, da die Schädel vieler Säugethiere niemals deutliche Cristen erhalten, und bei anderen z. B. den Nagethieren die Nähte am Schädel oft niemals ver- 19 wachsen. In solchen Fällen ist der Zustand des Gebisses das Mafs- gebende. Sind die Zähne nicht blofs vollständig entwickelt, sondern haben sie auch noch einen gewissen Grad der Abnutzung erreicht, so glaubt man im Allgemeinen, die Schädelbildung mit Recht als definitiv ansehen zu können. Wie unser Cebus aber zeigt, hat diese Annahme nicht allgemeine Gültigkeit. Bei ihm tritt nämlich das Stadium der de- finitiven Bildung des Schädels, bestehend in Entwicklung der Orbita, der crista sagittalis etc. erst dann ein, wenn das ganze Gebifs nicht blofs vollständig ausgebildet ist, sondern auch schon einen merklichen Grad der Abkauung zeigt. Man verfällt daher sehr leicht in den Irrthum. männliche Schädel mit schwach abgekauten Zähnen, aber noch fehlenden Cristen als voUwüchsige anzusehen. Auch der weibliche Schädel zeigt ähnliche, wenn auch natürlich nicht so auffallende Altersverschiedenheit, denn statt der Entstehung einer crista sagittalis findet hier nur eine immer gröfsere Annäherung der lin. semicirc. an einander statt. Die Entwicklung der Orbita ist nur unbe- deutend. Wir erhalten somit bei dem Cebus fatuellus selbst nach schwacher Abkauung des vollständig ausgebildeten Gebisses scheinbar 4 voUwüchsige Schädelformen: 1) den alten männlichen Schädel mit grofsen Eckzähnen, starker Crista sagittalis und aufgetriebenem Rande der Orbita; 2) den jungen männlichen Schädel mit starken Eckzähnen, ohne Crista sag. und mit schwacher Orbita; 3) den alten weiblichen Schädel mit kleinen Eck- zähnen, schwacher Orbita und geringem Abstände der lin. semicirc. von einander und 4) den jungen weiblichen Schädel mit kleinen Eckzähnen, schwacher Orbita und weit von einander entfernten lin. semicirc. Wem sollten nicht hierbei die Streitigkeiten einfallen, zu denen die Frage nach der Einheit oder Mehrheit der OrangafFen Veranlassung gegeben hat? Sollten nun gar jene 4 Schädelformen als fossil aufgefun- den werden, so kann es für Niemanden zweifelhaft sein, dafs wenigstens zwei Species und zwar nach 2 Richtungen hin darauf würden gegründet werden. Der eine Autor, welcher die Geschlechtscharaktere mehr in der Ausbildung der Cristen sucht, wii'd zwei Species bilden und zwar aus den männlichen Schädeln eine gröfsere mit starken Eckzähnen, wobei die jungen Schädel als weibliche gelten, und aus den weiblichen Schädeln 20 eine kleinere mit kleinen Eckzähnen, wobei die alten Weibchen als Männ- chen figuriren, also beide Geschlechter keine crista sagittalis entwickeln. Für den andern Autor, der den Geschlechtscharakter des Gebisses mehr berücksichtigt, werden ebenfalls zwei Arten vorhanden sein, nämlich eine gröfsere aus den alten Schädeln beider Geschlechter und zwar mit rich- tiger Verwendung der Geschlechter, und eine kleinere Art aus den jün- geren Schädeln, ebenfalls mit richtiger Erkennung der Geschlechter. Dafs es sich hierbei nicht um eine blofse Fiction handelt, wird Der erkennen, welcher sich die Mühe nimmt, die Beschreibungen zu ver- gleichen, die A. Wagner vom Affen von Pikermi gegeben hat. Was die andern Arten der Gattung Cebus betrifft, so bin ich aus Mangel an Ma- terial leider aufser Stande, ein Urtheil über ihren Werth zu gewinnen. Nur so viel will ich bemerken, dafs ich einige Schädel verglichen habe, die durch den Mangel einer crista sagittalis auch bei dem alten Männ- chen und durch einen niedrigen Unterkiefer sich als specifisch verschieden von C. fatuellus herausstellten. Leider war in diesem Falle die Bestimmung der Species zu unsicher, um von ihr Gebrauch machen zu können. Über die Lebensweise des Cebus fatuellus vergl. Zool. Gart. 1867 p. 372 u. flg. Cliiroptera. 3) Chrotopterus anritus Peters. Vampyrus auritus Peters. Diese Art, die gröfste Fledermaus, welche mir in Kio Grande do Sul begegnet ist, findet sich, ziemlich häufig im Urwalde. Einige Exem- plare wurden in einer Felshöhle gemeinschaftlich mit Desmodus rufus ge- funden, ein euizelnes Exemplar flog am Abend in ein ei-leuchtetes Zimmer. 4) Glossophaga sorieina Pallas. Vespertilio soricinus Pallas 1766. Glossophaga sorieina et amplexicaudata Geoffr. 1818. Diese Art findet sich stets gemeinschaftlich mit 5) Lonchoglossa caudifera Geoffr. Glossophaga caudifer et ecaudata Geoffr. 1818. Lonchoglossa caudifera Peters 1868. in Höhlen unter Felsen oder auch unter Baumwin-zehi. Es ist merk- 21 würdig, dafs diese beiden Arten immer nur vereint von mir angetroft'en wurden. 6) Sturmra lilium Geoffi-. Diese Art erhielt ich, jedoch nur in wenigen Exemplaren, in Porto Alegre, im Urwalde von Rio Grande do Sul und in Rio de Janeiro. Sie ist vielleicht nicht selten, macht sich aber wenig bemerkbar. 7) Desmodus rufns Pr. zu Wied. Diese Art ist von besonderem Interesse, da sie, wie ich bereits an einem anderen Orte (Zoolog. Garten X. p. 136) angegeben habe, nebst der nahe verwandten Gattung Diphylla Spix die einzige ist, welche wirklich das Blut gröfserer Säugethiere besonders der Pferde und Maulthiere saugte). Sie findet sich immer in gröfseren Gesellschaften in Felshöhlen und seltner auch in hohlen Bäumen. Es haben lange Zeit viele Zweifel über die Verbreitung dieser Art bestanden, da sie jedenfalls in der Farbe durch klimatische Einflüsse ziem- lich variirt. Die zahlreichen von mir gesammelten Exemplare stimmten alle in der Farbe mit einander überein und hatten folgendes Aussehen : die Flughäute, Ohren und das Gesicht, so weit es nackt ist, sind rauchgrau. Auf der Oberseite des Körpers sind die Haare an der Basis hellgrau, darüber bräunlich rauchgrau mit silbergrauen Spitzen, und zwar in der Vorderhälfte der Oberseite deutlicher, in der Kreuzgegend w^enig bemerk- bar. Durch diese hellen Spitzen wird die Oberseite ähnlich gefärbt wie bei unserem Vesperus discolor. Auf dem Scheitel neben jedem Ohre befindet sich ein silbergrauer, undeutlich begrenzter Fleck, der manchmal halb- mondförmig zu sein scheint. Die ganze Unterseite des Thieres ist hell- grau und seidenglänzend, hinten etwas heller als vorn. Der vordere Saum der Flughaut ist weifslich. 1) Herr Reinhardt ist, wie ich später gesehen habe, zu derselben Ansicht gelangt. Vidensk. Meddel. fra den naturhist. Forening. Kjöbenhaven 1866 p. 243. Huxley hat (Proceed. Zool. Soc. London 1865 p. 386) an dem eigenthümlichen Bau des Magens nach- gewiesen, dafs sich Desmodus nur von Blut nährt, und hat diesen Magen abgebildet. Die am ."1. Juli, also im Wiiilcr. in einer Höhle auf der C'olonie St. Cruz gefangenen Weibchen waren alle mit je einem Foetus schwanger, zeigten aber alle Stadien der Schwangerschaft bis zur Geburtsreife den Foetus. 8) Noctilio leporinKs L. Diese durch Gröfse und Schönheit der Farbe leicht aullallende Fledermaus ist mii- nur ein einziges Mal begegnet, und zwar gelang es mir, in Porto Alegre in einem engen Räume unter dem Dache eines hohen Hauses eine Gesellschaft von 12.") Stück zu fangen. Diese Fleder- mäuse waren Allen unbekannt, und auch später habe ich Niemanden in der ganzen Provinz gefunden, der sich erinnert hätte, jemals solche Thiere gesehen zu haben. Sie müssen also wohl als selten zu betrachten sein. In der Farbe stimmten alle Exemplare ziemlich mit einander über- ein, nur waren die jungen Thiere mit Milchgebifs im Ganzen etwas heller als die alten. Die Oberseite war helllederfarben mit einem weifslichen Strich längs der Wirbelsäule. Die Unterseite hell gelblichgrau bis zum schönsten Orange namentlich an den gröfsten und vielleicht auch ältesten Exemplaren. Jiesonders nach Ihuist und Hals hin war das Orange sehr deutlich. Die Flughäute waren hell fleischfarben oder weifslich und sahrn ganz weifs aus, wenn die Thiere in der Dämmerung umherflogen. Es ist wohl selbstverständlich, dafs bei den Chiropteren wie bei allen Säugethieren mit starken Kauwerkzeugen am Schädel sich deutliche Geschlechtscharaktere finden werden. Allein bei den meist kleinen For- men sind sie wenig in die Augen fallend und nur bei den gröfsten scharf ausgeprägt. Namentlich bei Noctilio leporinus kann man sich davon genau überzeugen. Der männliche Schädel ist namentlich viel stärker und kräf- tiger entwickelt als der weibliche, seine Eckzähne sind viel länger und stehen bei gröfserer Breite der Schnauze weiter von einander ab. In Folge dieses Verhältnisses ist lici dem Männclu-n auch die crista sagittalis viel stärker entwickelt und fast doppelt so hoch wie bei dem Weibchen, Weniger ausgeprägt ist der Geschlechtscharakter in der Lände des Schä- dels, der bei dem Männchen um 1 Mm. oder wenig darüber länger ist, als der des Weibchens. N. lep orinus N. IIK stivHS c^ 1 2 cf 9 1) Basilarlänge Mm. 22,5 22 7 Mm. 21,5—22,0 Mm. 20,8 Mm. 20,3 2) Länge eines oberen Eckzahnes vom vorderen Rande der Al- veole bis zur Spitze gemessen 6,80 5,75 5,95 4,85 3) Entfernung der Spitzen der obe- ren Eckzähne von einander . 9,10 7,95 7,35 G,40 4) Höhe der crista sagittalis . . 3,8 2,1 1,8 0,5 Eine eigenthümliche Art der Gattung Noctilio ist als Vespertüio mastivus von Vahl (Skrifter af Naturhistorie-Selskabet. Kjöbenhavn 1797. IV. 1. p. 132. Taf. 7. fide Peters) aus Westindien beschrieben worden. Durch Herrn Peters ist diese Art mit N. leporinus L. vereinigt und der Schädel eines männlichen Thieres von der Insel Cuba abgebildet worden (Monatsber. der Berlin. Akad. d. Wiss. 1865, p. 570. Fig. la. Ib). Ich verdanke Herrn Peters die Gelegenheit, diesen Schädel und einen anderen weiblichen von ebendaher mit den zahlreichen von mir gesammelten Schä- deln des N. leporinus vergleichen zu können, und finde, dafs er nach den in obiger Tabelle angegebenen Mafsen sich specifisch unterscheidet, so dafs N. mastivus Vahl wohl als besondere Species anzuerkennen ist. Der Schädel des N. mastivus ist entschieden kleiner als der des N. leporinus, und der des Männchens gleicht auffallend dem weiblichen Schädel dieser Art und zwar so täuschend, dafs man ihn unbedingt dafür halten könnte, wenn man nicht auch den weibHchen Schädel des N. masti- vus zum Vergleich daneben hat. Dieser hat statt der crista sagittalis nur einen an der höchsten Stelle etwa 0,5 Mm. hohen Kiel und gleicht in (4röfse und Gestalt ganz dem jugendlichen Schädel des N. leporinus aus der Zeit, wenn die Nasenbeine desselben noch deutlich erkennbar sind. Dazu kommen noch andere nicht unwesentliche Merkmale, so z. B. sind bei dem männlichen N. mastivus die Backenzähne immer kleiner, als bei einem ungefähr ebenso grofsen weiblichen Schädel des N. leporinus. Auch in dem Vei'hältnifs der beiden vorderen Backenzähne des Unterkiefers zum Eckzahn und in der Form des Choanen-Ausschnittes finden sich ziemlich ausgeprägte Differenzen. Ich glaube daher, dafs der N. mastivus Vahl von 24 Wcstindiei) als eine besondere Species zu betrachten ist. Über seine Le- bensweise hat Gosse berichtet (Ann. of nat. hist. XX. 1847. p. 424). 9) Nyctinomiis hrasiliensis C4eoffr. Diese häufigste aller sQdbrasilianischen Fledermäuse lebt in zahl- losen Schaaren uuter den Dächern der Häuser. Daher ich auch grofse Mengen derselben sammeln konnte. Unter mehreren hundert Schädeln wurden 2G männliche und 27 weibliche genauer verglichen. Es ergab sich das überraschende Resultat, dafs die beiden Geschlechter in der Länge des Schädels nicht von einander differii-en, dagegen sich leicht durch das GebiTs unterscheiden, da die oberen Eckzähne bei den Männchen immer stärker sind als bei den Weibchen. Natürlich werden es auch die unteren sein, allein es fällt bei ihnen nicht so in die Augen. Bei einem Männchen, dessen Bas.lg. 13, 15 Mm. betrug, war der obere Eck- zahn, d. h. der aus der Alveole hervorragende Theil, an der Vorderseite gemessen 2,55 Mm. lang. Bei einem Weibchen, dessen Bas.lg. 13,75 Mm. war, hatte derselbe eine Länge von 2,20 Mm. Unter den 6 Schneidezähnen des Unterkiefers ist der äufsere sehr klein, fehlt auch bisweilen, aber verhältnifsmäfsig selten. Unter jenen 26 männlichen Schädeln waren nur zwei, denen er fehlte, und zwar dem einen rechts, dem andern links. Unter den 27 weiblichen Schädeln fehlte er dreimal auf beiden Seiten und einmal rechts, obgleich in eini- gen dieser Fälle von ihm noch ein kleiner Rest in der Alveole zu sehen war. Unter solchen Umständen muls der betreffende Zahn in die Zahn- formel aufgenommen werden, da sein vollständiges Fehlen nur als eine ziemlich seltene Ausnahme zu betrachten ist. 10) Molossus obscurus Geoffr. Er ist weder häufig noch selten und wurde von mir zweimal an- getroffen, einmal in einem hohlen Baume, das andere Mal unter dem Dache eines hohen Hauses. 11) Ilistiotus velatus Geoffr. Ist nicht häufig, da von mir nur einige Exemplare gesammelt wor- den sind, die des Abends während des Umherfliegens erlegt wurden. 25 12) VespertHio leticogaster Pr. zu Wied. Ist häufig unter Dächern und zwar in Gesellschaft mit Nyctinomus brasiliensis. 13) Vesperus Dutertrei Gerv. Ist selten, nur ein einziges Exemplar wurde unter dem Dache eines Hauses im Urwalde gefunden. 14) Vesperus Hilarii GeofFr. Ist nicht selten. Fliegt des Abends um die Dächer der Häuser, wobei auch mehrere Exemplare erlegt wurden, doch konnte ich ihren Aufenthaltsort nicht entdecken, wahrscheinlich befindet sich dieser unter den Dächern selbst. 15) Atalapha cinerea Pal. de Beauv. Ein ausgestopftes Exemplar dieser schönen Fledermaus erhielt ich in Montevideo, ein anderes sah ich daselbst in Spiritus. Es wurde als eine besondere Seltenheit betrachtet und konnte auf keine Weise von mir erworben werden. 16) Atalapha Frantzü Peters 1870. Zwei rothbraune, fast rothe Exemplare einer Fledermaus, deren eins ich auf der Colonie von Sta. Cruz in Rio Grande do Sul, das andere in Spiritus in Montevideo von Herrn v. Gülich erhielt, ist Herr Peters geneigt, für diese Art zu halten. Über die Lebensweise brasilianischer Fledermäuse vergl. Zool. Gart. 1869. p. 135 u. flg. AhhdL der plajs. Kl. 1872. Nr. 1. 26 Rosores.') 17) Scmriis aestuans L. Dieses Eichhorn ist das einzige, welches den Urwald von 8üd- Brasilien bewohnt. Es variirt in der Färbung, indem die gelbliche Unter- seite in's Weifsliche oder in's Röthliche übergeht. Gesammelt wurden 1 Skelet ( 2 ), 24 Schädel und 3 Thiere in Spi- ritus, zufälligerweise nur voUwüchsige Exemplare. An allen Schädeln ist die sut. sphen. bas. verwachsen, obgleich das Verhalten der übrigen Nähte am Schädel auf verschiedenes Alter hinzudeuten scheint. Nicht von allen Schädeln ist das Geschlecht bekannt. Bei den vollständigen männlichen Schädeln beträgt die Bas. lg. 38,0 — 37,8 — 37,7 — 37,2 — 3G,4 und 35,5 Mm., bei den weiblichen: 38,9 — 38,3 — 38,0 — 37,7 — 3G,7 — 36,ö — 36,4 — 36,3 und 35,s Mm. Der erste Backenzahn des Unterkiefers ist viel kleiner als die darauf folgenden. Die pars fac. des Thränenbeins ist lang und schmal, weit herabsteigend. Wichtig ist das Verhalten des vordersten Prämolarzahns p'j im Oberkiefer 2). Dieser Zahn ist nämlich bei den meisten Sciurusarten ein kleines rudimentäres Stiftchen, welches bei manchen Arten ganz fehlt. Dieses Verschwinden ist aber ein allmähliches, und wenn es vielleicht auch Arten giebt, bei denen p2 niemals vorkommt, so wii'd dieser Zahn bei anderen Arten nur bei gewissen Individuen fehlen. Bei S. aestuans >) Über die Lebensweise der hier aiiffjezälilten Nager vergl. Zoolog. Giirl. XIII p. 76—87. ^) Bei S. vulgaris geht diesem Zahn p2 ein noch kleineres Stiftchen d2 voran. Es wird also als Übergang auch solche Sciurusarten geben, bei denen nur ein einmaliges Stiftchen auftritt, dafs dann als pa und nicht als d2 zu deuten ist, da nach einer allge- meinen Regel, die nur wenige Ausnahmen hat, dem Verschwinden oder Rudiraentärwerden des Prämolarzahnes dieselbe Erscheinung des entsprechenden Milchzahnes vorangehen mufs. Es wird daher ein Wechselzahn ohne Wechsel von vorn herein als Prämolarzalin und nicht als Milchzahn zu deuten sein, wie dies unzweifelhaft bei dem ersten Backen- zahn des Hundes der Fall ist und bei dem sogenannten Wolfszahn des Pferdes, der als p4 und nicht als d« zu deuten ist, wie Rütimeyer will (Beiträge zur Kenntnifs der fossilen Pferde u. s. w. Basel 1863. p. 96). 27 verhält es sich aber damit folgendermafsen : Kein Schädel zeigt den Zahn selbst, in 17 Schädeln findet sich beiderseits nicht einmal die Andeutung einer Alveole für denselben, an 4 Schädeln findet sich auf einer Seite die Spur einer verwachsenen Alveole, bei ebenso vielen sieht man jedoch auf beiden Seiten eine solche. Da die mir vorliegenden Schädel alle alt sind, so wäre es möghch, dafs S. aestuans in der Jugend immer oder oft p2 im Oberkiefer besitzt, und erst später verliert. 18) Mvs decumanus L. Die Wanderratte findet sich aufserordentlich zahlreich in Süd- Brasilien, namentlich in den Hafenstädten, und ist den Colonisten folgend selbst in den Urwald eingedrungen. Doch verläfst sie hier nicht die Ge- höfte, wenigstens habe ich sie niemals aufserhalb derselben angetroffen. Bei Porto Alegre lebt sie auch an den Ufern und auf den Inseln des Guahyba, wie dieses auch bei uns vorkömmt. Dagegen fehlt sie durch- aus auf der Serra, wenigstens im östlichen Theile derselben, wohin keine fahrbaren Strafsen führen, und nur der Transport auf Maulthieren statt- findet. Dagegen soll sie sich im westUchen Theile der Hochebene zeigen, bis wohin von Süden her Wagen fahren, in deren Ladungen sie wahr- scheinlich verschleppt wird. 19) Mus muscuhts L. Die Hausmaus bewährt ihren Namen auch in Süd -Amerika, da sie den Menschen in ihre Ansiedlungen überall hin gefolgt ist. Sie findet sich auch auf der Serra, wie mir erzählt wurde, da sie sich ihrer Klein- heit wegen auch in den Ladungen der Maulthiere verschleppen läfst, und in Passo fundo bemerkte ich ihre Gegenwart an dem Schaden, welchen sie den für die Maulthiere bestimmten Maiskörnern zufügte, während keine der eingeborenen Hesperomysarten in bewohnte Häuser kommt. Auffallend war die gelbgraue Färbung, welche die Mäuse auf den Colo- nien des Urwaldes hatten. In Porto Alegre hat man auch singende Mäuse beobachtet, und ich habe deren eine in Spiritus zurückgebracht. Von Mus rattus habe ich Nichts bemerkt oder gehört. 4* 28 Ilesperomys Waterh. Bekanntlich giebt es in Süd-Amerika keine ächten Mäuse, sondern die mit ihnen verwandten Arten daselbst smd von Waterhouse in die Gattung Hesperomys zusammengefafst worden. Bald entdeckte man unter den hierzu gerechneten Arten manche besonders charakterisirte Gruppen und errichtete zahlreiche Untergattungen mit besonderen Namen, die, wie dieses gewöhnlich der Fall ist, in der Folge nicht anders wie als Gattun- gen behandelt wurden. Die Charaktere dieser Gruppen sind zum Theil dem Gebifs und Schädel entlehnt, zum Theil den Verhältnissen des ganzen Thieres. Doch leiden sie an einer Unbestimmtheit, die das Erkennen der Arten selbst bei reichlichem Materiale aufserordentlich schwiei-ig macht. Es herrscht daher in der Systematik der Hesperomys-Arten wie der Mu- rinen überhaupt eine VerwÜTung, welche vielleicht nur von der in der Classification der Chiropteren übertroffen wird. Ich wenigstens mufs offen meine Unfähigkeit bekennen, mich in diesem Theile der Mammalogie mit einiger Sicherheit zu orientiren. Zum Theil rührt die Unsicherheit von der Schwierigkeit her, dem Schädel die Merkmale der Vollwüchsigkeit zu entnehmen. Die drei Backenzähne jedes Kiefers erscheinen sehr früh, oder vielmehr wenn sie erschienen sind und schon der Abkauung unterliegen, so ist das Thier noch keineswegs voll- wüchsig, und namentlich hat der Schädel noch nicht seine definitive Ge- stalt angenommen. Das einzige sichere Kennzeichen von dem Alter des Schädels, dessen Nähte gewöhnlich nicht verwachsen, besteht in dem Vor- handensein der Naht zwischen pars basil. und part. condyl. des Hinter- hauptes. Ist diese sichtbar, so ist der Schädel unzweifelhaft jung, ist sie geschlossen, so kann die definitive Entwicklung des Schädels abgeschlossen oder auch noch nicht vollendet sein. Um das zu entscheiden, können wir uns nur ;ui das Gebifs halten, d. h. wir können aus einem hohen Grade der Abkauung bei den Backenzähnen auf die bereits vorhandene Vollwüchsigkeit des Thieres schliefsen. Dann sind aber auch zugleich alle die Merkmale, welche der Faltenbildung der Zahnkronen entlehnt werden, vollständig verschwunden. Denken wir dabei an die Verände- rungen der Färbung z. B. bei Mus silvaticus und M. agrarius je nach dem Lebensalter des Thieres, so werden wir wohl mit Recht zu der An- nahme gedrängt -werden, dafs die Systematik der Murinen dringend eine Refoi'm erheischt. Doch wird eine solche nur dem Forscher möglich sein, dem es einst vergönnt sein wird, nicht blofs alle Originalexemplare der hierher gehörigen Arten, sondern auch die Schädel aus den aus- gestopften Bälgen in seiner Hand zu vereinigen. Ich habe wenigstens 10 sicher unterschiedene Arten aus der alten Gattung Hesperorays im weiteren Sinne gesammelt und diese meist in so zahlreichen Exemplaren, dafs mir bei einzelnen Arten Schädel aus allen Lebensstufen vorliegen und ich ein vollständiges Bild des Zahnbaues er- halten konnte. Bei anderen Arten ist es mir leider nicht gelungen, jugend- liche Exemplare zu erhalten, da gewöhnlich nur die alten in den Fallen gefangen werden; bei noch anderen Arten wiederum habe ich nur solche Individuen erhalten, welche noch nicht als vollwüchsig zu betrachten sind. Will man bei der Unterscheidung und Gruppirung der Hesperomys- Arten mehr Gewicht auf die Bildung der Zähne legen, so ist es noth- wendig, neben vollwüchsigen Individuen auch solche zu vergleichen, deren Zahnkronen noch nicht abgekaut sind, denn die Höckerbildung derselben verschwindet sehr bald, und die darauf entstehenden sogenannten Falten sind Nichts als in jedem Moment wechselnde Zustände der Kaufläche, die durchaus nicht den Falten der Zähne anderer Thiere entsprechen, und also auch nicht für die Classification benutzt werden können. Das von mir gesammelte Material hat mich nun zu folgenden Re- sultaten gebi'acht: In der Gattung Hesperomys Waterh. ist der mittlere Backenzahn jedes Kiefers, also nach der gewöhnlichen Annahme m2, als typisch zu betrachten, mi wiederholt diesen Zahn mit Hinzufügung eines neuen Ele- mentes am vorderen Ende und in m3 erleidet gewöhnlich der Typus am hinteren Ende eine Verkümmerung mit oder ohne Hinzufügung eines neuen Elementes an diesem Ende. Das einfachste Gebifs |iat Hesperomys vulpinus (Mus vulp. Lichtst. Holochilomys vulp. Brdt.). Fig. 13 das ganze Gebifs und Fig. 23, m2 a) im Oberkiefer, b) im Unterkiefer. Bei dieser Art findet noch keine Spm' einer Höckerbildung statt, sondern die Backenzähne, deren Kronen im Oberkiefer auf eigenthümliche Weise nach hinten zu, im Unterkiefer nach 30 vorn umgelegt sind, haben blofs Faltenbilcluiig aufzuweisen, und zwar finden sich bei ms zwei V förmige Falten, welche zusammen ein ^ vor- stellen und mit den beiden Scheitelpunkten im Oberkiefer, Fig. 23 a, nach innen, im Unterkiefer, Fig. 236, nach aufsen gerichtet sind. Die einander zugekehrten Schenkel der beiden Winkel gehen an ihrem freien Ende in einander über, wie auch obige Figur zeigt. In weiterer Ausbildung des Gebisses, trennen sich die einander zugekehrten Schenkel der Winkel, ^, und zwar entwickelt im Oberkiefer der hintere Schenkel jedes Winkels, im Unterkiefer der vordere an seinem freien Ende einen spitzen Höcker, indem dieses sich verdickt und in das Innere des Winkels hinein umschlägt. Doch löst sich der Höcker noch nicht von seinem Schenkel. Diese Form findet sich bei H. squamipes (Mus squam. Brts., Nectomys squam. Pet.). Fig. 14 das ganze Gebifs, Fig. 24, m2 a im Oberkiefer, b im Unterkiefer. Das Gebifs dieser Art ist von der gröfsten morphologischen Bedeutung, da es den Übergang zu den entwickelten Zahnformen bildet und die Entstehung der Höcker der Zahnkrone kennen lehrt. Leider ist es mu- niemals gelungen, jugend- liche Exemplare dieser Art zu erhalten, daher Manches in der Form der Zahnkrone nur muthmafslich gedeutet werden kann. Endlich in der vollendetsten Form löst sich jeder Höcker von seinem Schenkel ganz los und steht nun frei in dem Innern des Winkels zwischen dessen beiden Schenkeln, s. Fig. 15 u. 25, Fig. 18 u. 28. Jetzt gewähren die Zähne des Unterkiefers (wenigstens ma) abgesehen von der Richtung der Kauflüchen und der Stellung zur Achse des Thieres genau dasselbe Bild wie die des Oberkiefers dei-selben Seite, nur dafs sich bei diesen der isolirte Höcker von dem hinteren, bei jenem von dem vor- deren Schenkel jedes Winkels losgelöst hat. Zugleich haben sich die ein- ander zugekehrten Schenkel der Winkel mit ihren freien Enden wieder vereinigt, und es beginnt auch die Entwicklung einer zweiten Höckerreihe, indem sich die Scheitelpimkte jedes Winkels ebenfalls in der Form von Höckern zu erheben beginnen. Auch der Zusatzpfeiler am vorderen Ende des Zahnes mi theilt sich durch eine mediane Furche in eine innere und eine äufsere Spitze. Hierher gehören im Allgemeinen die Arten, welche man zur Untergattung Calomys gezählt hat, z. B. C. (Eligmoduntia) typus oder eine nahe verwandte Art. Von dieser typischen Form gelangen wir durch zwei mir vor- liegende Arten H. arenicola(?), Fig. 17 u. 27, und H. dorsalis, Fig. 16 u. 26, dadurch dafs sich die Backenzähne zwischen den Höckerpaaren stärker einschnüren, die Nase sich mehr entwickelt und die Unterkiefer immer niedriger werden zu dem einen Extrem, dem H. (Oxymycterus) nasutus Wagn., Fig. 19 u. 29. Ein anderes Extrem wird von H. (Scapteromys) tumidus Waterh., Fig. 20 u. 30, gebildet, bei welchem die Kronen der Backenzähne sehr hoch werden, und sich nach oben zu von beiden Seiten her stark ver- schmälern, so dafs hier die äufsere und die innere Höckerreihe einander sehr nahe stehen. Zugleich entwickeln sich an der Aufsenseite der un- teren Backenzähne an der Basis ihrer Krone, entsprechend den Einschnü- rungen zwischen den Höckerpaaren, eigenthümliche kleine, spitze Höcker- chen , welche an die accessorischen Pfeiler an den Backenzähnen der Wiederkäuer erinnern. Vermittelt wird dieses Extrem mit der typischen Form durch einen kleinen arvicolaartigen Herperomys (Acodon Meyen, Habrothrix Wagn.) mit sehr verkürztem Gesicht, dessen Backenzähne, Fig. 21 u. 31, auch hohe nach der Spitze zu verschmälerte Kronen haben, jedoch ohne die accessorischen Höckerchen an der Aufsenseite der Basis. Da diese Art viel kleiner ist als der H. tumidus, so hängt der Mangel dieser Höcker- chen vielleicht nur von der geringeren Entwicklung der Körperformen ab, ohne gerade typisch zu sein. Diese Skizze des Zahnbaues, die in ganz allgemeinen Umrissen gehalten ist, soll nur zur vorläufigen Verständigung über die Formver- hältnisse der Hesperomyszähne dienen, keineswegs bezweckt sie eine Mor- phologie derselben darzustellen, zu der mir alles Material fehlt. Daher will ich auch durchaus nicht behaupten, dafs die genealogische Entwick- lung des Hesperomyszahnes in der aufgeführten Reihenfolge gedacht wer- den müsse, indem die Entwicklung der Höcker aus der Faltenbildung ab- zuleiten sei. Es kann ebenso gut der umgekehrte Fall stattfinden. Das zu entscheiden vermag nur die Paläontologie durch Auffinden der älteren Zwischenformen. Zu den besonderen Eigenthümlichkeiten aller Hesperomys- Arten gehört, dafs die Nasenbeine schon in früher Jugend mit einander ver- 32 wachsen, höchstens bleibt bei älteren Thieren eine feine, etwas vertiefte Linie als Andeutung der Naht übrig. Ferner sind die Ohren eigenthüm- üch behaart. An der convexen oder Aufsenfläche der Ohrmuschel findet sich nämlich eine etwas gröfsere Behaarung nur als ziemlich schmaler Saum nach dem Innenrande zu, während der übrige Theil sehr schwach behaart, fast nackt ist. An der concaven oder Innenfläche der Ohrmuschel ist dagegen ein schmaler Streifen an dem Innenrande wenig oder gar nicht behaart, während der übrige Theil der Innenfläche eine reichlichere Behaarung aufweist. Es zeigt sich nun, dafs die Thiere den Innenrand nach der Innenfläche zu umschlagen können, und zwar so weit, als er auf der Aufsenfläche behaart ist. Dadurch wird der kahle Streifen der Innenfläche verdeckt, und die ganze Innenseite der Ohrmuschel erscheint nun behaart, die Aufsenfläche aber nackt. a) Backenziihne ohne Höcker, schniclzfaltig. 20) Hespercnnys viäpimis. Fig. 13 u. 23. Mus vulpinus Lichtst. Holochilus brasiliensis A. Wagn. Herperomys brasi- liensis Waterb. Holochilomys brasiliensis Brdt. Mus brasiliensis Desm. Der zweite Backenzahn, m2 , im Oberkiefer in Form eines ^ , die Scheitelpunkte nach innen gerichtet. In mi am Vorderrande ein beson- derer Pfeiler, welcher eine grofse Querlamelle bildet und vorn flach ab- gerundet ist. In m3 die vordere > deutlich, die hintere weniger deutlich ausgebildet und mit einem Ansatz am hinteren Ende des Zahnes, wo- durch dieser länger wh"d als m2. Länge der ganzen Zahnreihe 7,4 Mm.*), mi 3,35 — m2 1,90 und ms 2,i5 Mm. lang, mi ist 2,25 Mm. breit. *) Die Länge der ganzen Zahnreihe ist durchaus nicht nach den Längen der ein- zelnen Zähne corrigirt, sondern alle diese Dimensionen sind selbständig gemessen. Eine absolute Übereinstimmung dieser Mafse ist daher nicht zu erwarten, da es oft schwer ist, bei dem Messen des einzelnen Zahnes einen bestimmten Punkt für das Ansetzen des Mafs- stabes zu wählen. Man ist oft in Verlegenheit, weil man nicht weifs, soll man die Kau- fläche allein messen oder vielleicht auch die am meisten vorstehenden Funkte in der Peri- pherie der Krone. Bei den hier beschriebenen Hcsperomys-Arten sind die gemessenen Zähne immer aus denselben Schädeln, deren Mafse später ebenfalls mitgetheilt werden. 33 Im Unterkiefer hat mi ebenfalls einen besonderen Pfeiler am Vor- derrande, der an seiner Spitze trichterförmig vertieft ist. Bei ms ist statt des hinteren Winkels nur eine einzige Querlamelle vorhanden, die viel- leicht der vordere Schenkel des zweiten Winkels ist. Die ganze Zahnreihe ist 8,8 Mm., mi 3,oo — m2 2,i5 und ms 2,i5 Mm. lang. Die starken Nage- zähne sind gelb. Die Breite der oberen Schneidezähne zusammen genom- men, dicht an der Schneide gemessen, beträgt 3,55 Mm. Am Schädel reichen die Nasenbeine so weit nach hinten wie die Proc. front, der Oberkiefer. Beide sind hier in so lange und spitze Zacken aufgelöst, dafs sich das hintere Ende schwer bestimmen läfst. Die Stirn ist sehr schmal, ihre geringste Breite zwischen den Augenhöhlen gleich der Länge von mi und m2 im Oberkiefer. Der obere Rand der Orbita scharf hervortretend. Das Interparietale grofs, wie bei Mus decumanus. Die Foram. incis. werden nach hinten zu schmäler und enden spitz dicht vor der Querlinie der ersten Backenzähne. Im Unterkiefer ist der Proc. coron. hoch, überragt den Gelenk- kopf, die Incis. sigm. ziemlich tief. Bas.lg. des gröfsten Schädels 35,o Mm. Länge des Foram. incis. 8,1 Mm., der Nasenbeine 16,7 Mm. Geringste Breite der Stirn zwischen den Augen 4,8 Mm. Länge (sagittaler Durchmesser) des Interparietale 3,3 Mm., Breite (frontaler Durchmesser) desselben 10,o Mm. Dieser Schädel hat verhälfnifsmäfsig kleine Backenzähne, die bei den meisten auch kleineren Schädeln etwas länger sind, z. B. bei einem Schädel von 32,4 Mm. Bas.lg. 7,8 Mm. lang. Ein Skelet besitzt 12 Rippenpaare, 6 rippenlose Lendenwirbel, 28 Schwanzwirbel, doch sind deren einige augenscheinlich bei der Prä- paration verloren worden. Die Ohren sind etwas mehr behaart, aber kürzer als bei der fol- genden Art, sie erreichen bei gut conservirten Exemplaren in Spiritus angedrückt das Auge nicht und bleiben um dessen ganzen Durchmesser hinter ihm zurück. In den Beschreibungen jedoch, die ich nach frischen Exemplaren angefertigt habe, linde ich angegeben, dafs sie bis zur Mitte des Auges reichen. Der Schwanz ist etwas feiner beschuppt als bei H. squamipes, oben fein und dunkel, unten stärker und heller behaart. AhhdI. der phjs. Kl. 1872. Nr. 1. 5 34 Alle Fiifse sind auf der Ober- oder Vorderseite hell behaart und deutlich schuppig. Die Ballen am Tarsus wie bei H. squam., nur ist die Sohle nach der Ferse zu weniger runzlig und erscheint dem blofsen Auge fast glatt. Die Bildung der Schwimmhäute ist wie bei H. squam. Die Ober- lippe finde ich nicht anders als bei allen Hesperomys-Arten. An einem Exemplar in Spiritus messen Kopf und Rumpf 175 Mm. der Schwanz 210 Mm., der Tarsus (wie auch in den folgenden Fällen ohne die Kralle) 47 Mm. Ich habe das Thier nur in der Gegend um Porto Alegre an den Ufern des Guahyba und auf den Inseln desselben beobachtet. Wie es scheint, entfernt es sich nicht weit vom Wasser und soll zuweilen am Mais Schaden verursachen, indem es an den Stengeln in die Höhe klettert, um zu den Kolben zu gelangen. In die Fallen wollte diese Art wie alle Hesperomys nur dann gehen, wenn Fleisch als Köder benutzt wurde. Gesammelt wurden 2 Skelete, 4 einzelne Schädel und f) Exemplare in Spiritus. h) an Jen J^ förmigen Falten der Backenzähne des Oberkielers hat sich der hintere Schenkel jedes Winkels, im Unterkiefer der vordere, an seinem freien I'>nde zu einem spitzen Höcker entwickelt. 21) Hesperomys squamipes. Fig. 14 u. 24. Mus squamipes Brts. Mus aquaticus Lund. Hesperomys robustus Burm. Nectomys squamipes Peters. Wie schon oben bemerkt wurde, sind hier an den Backenzähnen die einander zugekehrten Schenkel der Winkel an ihren freien Enden nicht vereinigt, mi am Vorderende mit einem besonderen, imgetheilten und an seiner Spitze vertieften Pfeiler. m3 im Oberkiefer mit undeutlicher Faltenbildung und ohne hinteren Anhang, daher kürzer als ms, im Unter- kiefer dagegen sind beide Winkel ausgebildet, wenn auch nicht so deut- lich vrie bei ma. Obere Backenzahnreihe 7,i Mm., mi 3,3o — iw2 2,oo — m3 l,G6ÄLn. lang. Untere Backenzahnreihe 7,5 Mm., mi 3,io — ms 2,i5 — ms l,9o Mm. lang, mi im Oberkiefer 2,oo Mm. breit. Die oberen Schneidezähne an der Schneide zusammen 3,io Mm. breit. 35 Am Schädel gehen die Nasenbeine deutlich über die Proc. front, der Oberkiefer hinaus. Die Stirn zwischen den Augen breit. Ihre ge- ringste Breite an dieser Stelle beträgt so viel wie die Länge der ganzen oberen Backenzahnreihe. Die Supraorbitalleisten deutlich entwickelt. Die Foramina incis. werden nach hinten zu breiter und enden ausgerundet unmittelbar vor der Querlinie der ersten Backenzähne. Im Unterkiefer ist der Kronenfortsatz klein, überragt den Gelenkkopf wenig oder gar nicht, die Incis. sigm. ist sehr flach. Am gröfsten Schädel (2) ist die Bas.lg. 34,o Mm., die Nasenbeine 16,5 Mm., die Foram. incis. 7,8 Mm. lang. Die geringste Breite der Stirn zwischen den Augen beträgt 7,i Mm. Ein Skelet zeigt 12 Rippenpaare, 7 rippenlose Lendenwirbel, 3 Sa- cralwirbel und 31 Schwanzwirbel, der 17te Wirbel der diaphragmatische. Die Ohren erreichen bei Exemplaren in Spiritus angedrückt das Auge nicht, bei frischen Exemplaren gehen sie dagegen bis zum vorderen Augenwinkel. Die ganze Sohle des Tarsus bis zur Ferse beschuppt, die Beschuppung erstreckt sich auch auf die Ballen der Sohle und der Zehen, selbst der Ballen der Nagelphalange ist wenigstens mit Querfalten ver- sehen. Am Schwänze ist die Beschuppung so ausgebildet, dafs sie mehr in's Auge fällt als dessen Eingelung. Im Allgemeinen sind die Sohlen- ballen sehr klein, mit Ausnahme des grofsen, aber flachen Ballen an der Innenseite. An einem Exemplar in Spiritus messen Kopf und Rumpf 190 Mm., der Schwanz 210 Mm., der Tarsus 48 Mm. Gesammelt wurden 3 Skelete, 3 einzelne Schädel und 3 Exemplare in Spiritus. Das Thier wurde von mir an denselben Localitäten wie H. vul- pinus gefunden. Es schwimmt und taucht gut und lebt nach Art des Arvicola amphibius. Daher ist auch das Fell sehr dicht und schon durch das Gefühl von dem der vorigen Art zu unterscheiden. 36 e) Kleinzälinige Arten. An den ^ förmigen Sclimelzfalten der Backenzahne haben sich die Höcker von den hinteren (vorderen) Schenkel der Winkel losgelöst und stehen im Innern der Winkel zwischen beiden Schenkeln. Die einander zugekehrten Schenkel der Winkel haben sich an ihren freien Enden wieder mit einander ver- einigt und bilden am äufseren (inneren) Rande der Zahnkrone ein kleines Höcker- chen zwischen den isolirten grofsen Höckern. Da sich auch die Scheitelpunkte der Schmelzfalten als Höcker erheben, so zeigen alle Zähne deutlich zwei Höckerreihen. 22) Ilesperomys ratticeps n. sp. Fig. 15 u. 25. Im Oberkiefer hat mi den Gipfel des Pfeilers am vorderen Endi- durch einen flachen, medianen Einschnitt in zwei Spitzen getheilt, die weniger deutlich sind als die Höcker der Zahnkronen. Bei nvs ist blofs das vordere Höckerpaar deutlich entwickelt, der hintere Schmelzwinkel ist verkümmert, seine Höcker sind kaum angedeutet. Schneidezähne an der Schneide zusammen 2,40 Mm. breit. Im Unterkiefer ist bei mi der vordere Pfeiler deutlicher in zwei Spitzen getheilt und die Furche ist selbst auf der Vorderseite des Zahnes zu bemerken, bei ms ist das hintere Höckerpaar verkümmert und in einen stumpfkegelförmigen Pfeiler mit einer Vertiefung auf dem Gipfel ver- schmolzen. Ik'i m-.' lüid ms wii-d vor dem Aufsenhöcker des vorderen Höckerpaares durch einen basalen NN'ulst eine schmale Furche gebildet, die das Querthal repräsentirt, diu-ch welches in mi der vordere Pfeiler von dem folgenden Höckerpaare getrennt wird. Obere Backenzahnreihe 6,o Mm. — mi 2,60 — m2 1,80 — ms 1,öo Mm. lang. Untere Backenzahnreihe 6,o Mm. — mi 2,45 — m2 1,90 — ms 1,85 Mm. lang. Die Nasenbeine reichen so weit wie die Proc. front, der Ober- kiefer. Die Breite der Stirn zwischen den Augen etwas kleiner als die Länge der oberen Backenzahnreihe. Das Interparietale grofs, wie bei Mus decuraanus. Der Supraorbitalrand ohne scharfe Kante, aber auch nicht abgerundet. Foramina incis., dicht hinter der Mitte am breitesten, enden unmittelbar vor der Querlinie der ersten Zähne etwas spitz, aber stumpfer als vorn. Bas.lg. des gröfsten Schädels (altes 2) 31,o Mm. Nasenbeine 14,4 Mm. Foram. incis. 8,o Mm. Breite der Stirn zwischen den Augen 5,0 Mm. Sagittaler Durchmesser des Interparietale ?>.u Mm. Frontaler Durchmesser desselben 10,e Mm. 37 An einem Skelet 12 Rippenpaare, 7 rippenlose Lendenwirbel, 3 Sa- cralwirbel, der dritte ohne alle Verbindung mit dem Becken. 39 Schwanz- wirbel, der I7te Wirbel der diaphragmatische. Die Ohren sind grofs, bei frischen Exemplaren reichen sie bis an den vorderen Augenwinkel, bei den in Spiritus erhärteten Exemplaren nicht bis an das Auge. Oberlippe gespalten. Am Daumen der Hand ein stumpfer Kuppennagel. Die Sohle des Tarsus kahl. Das Tuberkel an der Innenseite der Sohle lang und stark. Der lange Schwanz sehr fein und schwach behaart, am Ende mit einem schwachen Haarpinsel, fein aber deutlich beschuppt. Die Farbe ist ähnlich der des Mus decumanus. Die ganze Ober- seite gelblich grau. Die Grundwolle in der Tiefe mäusegrau, an der Spitze gelb (rehfarben), die Grannen schwarz. Auf der ganzen Unter- seite ist die Grundwolle gelblich weifs, an der Kehle fast weifs. Die Ohren auf der Aufsenseite nach dem Rande zu mit feinen Härchen be- deckt. Der Schwanz einfarbig. An dem gröfsten Exemplar in Spiritus messen Kopf und Rumpf 155 Mm., Schwanz 210 Mm., Tarsus 34 Mm. Das Thier wurdQ nur im Urwalde gefunden, wo es zuweilen auf Bäumen angetroffen wird, aber auch die Vorrathshütten in den Plantagen besucht. Gesammelt wurden 2 Skelete, 1 Schädel, 6 grofse Exemplare und ein Foetus in Spiritus. 23) Hesperomys flavescens Waterh. Fig. 18 u. 28. Im Allgemeinen erhalten die Höcker der Zahnkronen, welche aus den Scheitelpunkten der Schmelzwinkel entspringen, das Übergewicht über die anderen. Im Oberkiefer der unpaare Pfeiler am Vorderrande des Zahnes mi deutlicher als bei H. ratticeps in zwei den anderen gleich- artige Höcker getheilt, deren innerer jedoch der kleinere ist, da hier der Zahn etwas an Breite verliert. Oft steht vor diesem ersten Höckerpaar noch ein ganz kleines unpaares Höckerchen, welches sich aber dann immer dem äufseren Höcker des ersten Paares anschliefst. Dieses nimmt deutlich den Charakter der folgenden Höckerpaare an, indem sein innerer 38 Höcker eine kleine Leiste in die darauf folgende Qiierfiirche schickt, die sich mit dem hier verlaufenden vorderen Schenkel des nächsten (ersten) Schraelz- ■winkels vereinigt. Er erscheint als der Scheitelpunkthöcker eines sich ent- wickelnden vordersten Schmelzwinkels. Am Aufsenrande der ersten und zweiten Querfurche in mi ein deutliches und in der Querfurche bei m2 ein undeutliches kleines Höckerchen. In n« das vordere Hückerpaur noch ziemlich deutlich, das hintere verkilnmiert. Im Unterkiefer ist der vordere unpaare Pfeiler bei mi scheinbar ungetheilt, wahrscheinlich stellt er aber nur den inneren Höcker vor. und der äufsere ist wegen einer Verjüngung des Zahnes rudimentär geworden. In ms A'on dem zweiten Höckerpaare nur der äufsere deutlich, der iimere verkümmert. Obere Backenzahnreihe 3,C5 Mm. — mi 1,05 — m2 l,oo — ms 0,85 Mm. lang. Untere Backenzahnreihe 3. so Mm. — mi 1,55 — m2 l,i5 — ms 1,10 Mm. lang. Die Nasenbeine reichen so weit wie die Proc. front, der Oberkiefer. Die Breite der Stirn zwischen den Augen gleich der Länge der oberen Backenzahnreihe. Interparietale grofs, sein frontaler Durchmesser etwa 3|mal so grofs wie der sagittale. Foram. incis. fast parallel, erreichen die Front der ersten Zähne. Bas.lg. des gröfsten Schädels 20,4 Mm. Nasenbeine 9,2 Mm. Foram. incis. 5,1 Mm. lang. Breite der Stirn zwischen den Augen 3,8 Mm. Der sagittale Durchmesser des Interparietale 2,8 Mm., der frontale 9,4 ^Mm. Höhe des Unterkiefers hinter mi 3,o Mm. An einem Skelet finden sich 12 Rippenpaare, 7 rippenlose Lenden- wirbel, 3 Sacralwirbel , 36 Schwanzwirbel, an einem andern 35 Schwanz- wirbel. Der 17te Wirbel ist der diaphragmatische. Die Ohren sind grofs, bei Spiritusexemplaren erreichen sie den hinteren Augenwinkel. An der Hand der Daumen mit einem Kuppen- nagel. Die Sohle des Fufses hat an der Innenseite einen langen schmalen, gegenüber dessen vorderem Ende einen kleinen runden Ballen. Von der Ferse bis zu diesem ist sie nackt und glatt, von hier aus chagrinartig gerunzelt. Die Oberseite aller Füfse ist deutlicher beschuppt als der Schwanz, bei dem die Ringelung deutlicher, die Schuppenbildung aber sehr undeutlich ist. Er ist weniiz behaart, seine Unterseite etwas mehr. die Spitze stärker behaart. Schwimmhaut ist nicht zu bemerken. Die starken Ballen der Handwurzel sind offenbar zum Klettern eingerichtet. An einem grofsen Exemplare in Spiritus messen Kopf und Kumpf 92 Mm., der Schwanz 115 Mm., Tarsus 25 Mm.; an einem andern 91, 129 und 24 Mm. Die Oberseite ist graulich gelb, wie bei Mus silvaticus, nach den Grenzen der Unterseite zu reiner gelb, die Unterseite ist weifsgrau, mehr oder weniger hell. Die Ohren sind aufsen sehr wenig, innen etwas mehr behaart. Diese Maus ist die häufigste in Süd-Brasilien. Sie findet sich an den Ufern und auf den Inseln des Guahyba, wo sie unter den Wurzeln der Sträucher oder in dem hier aufgehäuften Pflanzenmoder lebt, durch Hunde aufgestört aber mit Leichtigkeit auf die Sträucher klettert und hier ohne Schwierigkeit erlegt werden kann. Sie findet sich auch ebenso zahlreich im ürwalde, doch, wie es scheint, vorzugsweise in den Plan- tagen, wo sie die alten vermoderten Baumstümpfe bewohnt. Gesammelt konnte eine beliebige Anzahl werden, und es liegen mir gegenwärtig aufser zahlreichen Exemplaren in Spiritus 30 — 40 prä- parii'te mehr oder weniger vollständige Schädel jedes Lebensalters vor. Die Plantagenmaus gleicht sehr dem H. longicaudatus Benn. Doch hat sie ein viel gröfseres Interparietale. Auch gleicht sie dem H. elegans Waterh. (Eligmodontia typus Fr. Cuv.), doch hat dieser nach Waterhousei) ein noch kleineres Interparietale als H. longicaudatus. Auch ist bei der Plantagenmaus im Unterkiefer ms so lang wie m2, nur schmäler, bei H. elegans dagegen nach Waterhouse 1. c. Plt. 34 fig. 2 c viel kürzer (?). H. bimaculatus Waterh. hat einen sehr kurzen Schwanz, würde aber nach Waterh. 1. c. fig. 3 a in Betreff des Interparietale am besten passen, doch ist der Gesichtstheil des Schädels sehr kurz(?). 24) Hesperomys arenicolaf Waterh. Fig. 17 u. 27. Eine Maus, nächst H. flavescens die häufigste im Urwalde, kann ich nur mit grofsem Zweifel für obige Art halten. Leider habe ich nie- mals ein junges Exemplar derselben erhalten können, so dafs das jüngste 1) The Zoology of the Voyage of Beagle. Part. II. Mammalia. London 1839. Plt. 34. fig. 2 a. 40 mir vorliegende Gebifs sich schon in einem Zustande ziemlich bedeutender Abkauung befindet. Das Gebifs ist im Allgemeinen von der typischen Form, doch ist im Oberkiefer bei mi der vordere unpaare Pfeiler durch eine deutliche mediane Furche in zwei gleich starke Höcker getheilt, auch befindet sich kein kleiner Basalhöcker an seiner Vorderseite, wie bei H. flavescens. Im Vergleich mit dem Gebifs dieser Art macht sich eine stärkere Einschnü- rung der Krone in den Querfurchen zwischen den einzelnen Höckern bemerkbar namentlich im Unterkiefer. Hier ist in mi der Pfeiler am Vorderende durch eine tiefere me- diane Furche in zwei Höcker getheilt, die Furche geht auch an der gan- zen Vorderseite herab, und in ihrem Ende an der Basis der Krone sitzt genau in der Mittellinie ein kleines stumpfes Basalhöckerchen. Obere Backenzahnreihe 4,2 Mm. — mi 2,oo — m2 L25 — ms 0,9o Mm. lang. Untere Backenzahnreihe 4,5 Mm. — mi 1,80 — m2 1,:;ö ms 1,35 Mm. lang. Die Nasenbeine überragen deutlich die Proc. front, der Oberkiefer. Die Breite der Stirn zwischen den Augen übertrifft etwas die Länge der oberen Backenzahnreihe. Das Interparietale, aufserordentlich kurz und sehr breit, erscheint wie ein langer, schmaler Knochenstreifen zwischen den Scheitelbeinen und dem Os occip. Der Supraorbitalrand stumpf, ohne deutliche Kante. Die Foram. incis. sehr lang, sie reichen bis zur Mitte des Zahnes mi. Am Vordertheil der Schnauze ist schon eine Hin- deutung auf H. nasutus nicht zu verkennen. Dies ist auch im Unter- kiefer der Fall, der schon bedeutend niedriger ist als bei H. flavescens. Bas.lg. des gröfsten Schädels 23,6 Mm. (Totallänge 30,o Mm.). Nasenbeine 12,3 Mm., Foram. incis. C,s Mm. lang. Breite der Stirn zwi- schen den Augen 4,8 Mm. Sagittaler Durchmesser des Interparietale 1,0 Mm., der frontale 7,4 Mm. Die Höhe des Unterkiefers hinter mi 3.oo Mm., hinter m2 2,7ö Mm. rippenlose Lendenwirbel, 28 Schwanzwirbel. 28 29 29 Unter 4 Skeleten 1 lat las Ite r 2te 12 Rippenpaare, 13 7 6 _ 3te _ 4te 13 14 6 5 41 Der ganze Habitus ist noch der eines Hesperomys, erinnert aber etwas an Arvicola. Die Ohren erreichen bei frischen Exemplaren den hinteren Augenwinkel. An der Innenseite der Ohrmuschel hat der untere Rand ein Haarbüschel. Der Daumen der Vorderfüfse mit einem Kuppen- nagel. Der Rücken der Hände und Füfse ist hell, aber dunkler als bei H. flavescens, da sowohl die feinen Haare wie auch die ganz deutlichen Schuppen dunkler sind, oder die Letzteren wenigstens in der Mitte einen grauen Fleck haben. Der Tarsus ist wie bei H. flavescens, nur ist der gi-ofse Ballen an der Innenseite der Sohle kürzer aber stärker. An einem grofsen Exemplare in Spiritus messen Kopf und Rumpf 96 Mm., der Schwanz 89 Mm. und der Tarsus 23 Mm. Die Farbe ist gi'au, am Bauche etwas heller. Der Schwanz ist deutlich geringelt, undeutlich beschuppt, einfarbig oder die Unterseite etwas heller, aber gegen die Farbe der Oberseite nicht scharf abgesetzt. Diese Maus wurde von mir nur im Urwalde beobachtet und zwar sowohl im Innern desselben, wie an seinem südlichen Rande in der Tief- ebene. Sie scheint sich vorzugsweise unter den Wurzeln alter hohler Bäume aufzuhalten und nicht zu klettern, womit auch die Kleinheit der Ballen an der Handwurzel übereinstimmt. In der Form des Interparietale stimmt die Art mit H. arenicola, aber dann müfse man annehmen, dafs dessen Schädel bei Waterhouse 1. c. Plt. 34 fig. 7a namentlich im Gesichtstheil ganz verzeichnet ist, auch die Zähne des Unterkiefers 1. c. fig. 7c würden unnatürlich schmal sein. Hält man die Zeichnungen bei Waterhouse für mafsgebend, so ist an eine Identität mit H. arenicola gar nicht zu denken. Habitus und Farbe wür- den allerdings auch für eine solche sein, aber auch der H. magellanicus Benn. bei Waterhouse 1. c. Plt. 14 fig. 6 dürfte dann wenigstens sehr nahe verwandt sein. Unwahrscheinlich ist, dafs eine Art, die im Innern des Urwaldes häufig ist, auch in offenen Gegenden auf Sandhügeln vor- kommt. Wie sich H. micropus Waterh. und H. obscurus Waterh. verhalten, läfst sich aus den vorhandenen Beschreibungen dieser Arten nicht mit genügender Sicherheit ermitteln. In Buenos Aires erhielt ich das getrocknete Exemplar einer Maus, welche grau von Farbe, in ihrem Habitus etwas an Arvicola erinnerte. Der alte Schädel ist jedoch kleiner, als die von Süd -Brasilien, mit ver- AbMl. der phys. Kl. 1872. Nr. 1. 6 42 hältnirsmäfsig kürzerem Gesicht, stimmt aber im (Tcbifs. im Interparietale. in den Foram. incis. und im ganzen Habitus mit ihnen überein. Viel- leicht ist diese Maus der wahre H. arenicola. 25) Ilesperomys doi'salis n. sp. Fig. 16 u. 26. Das Gebifs, welches nur in etwas abgekautem Zustande vorliegt, scheint die allgemeine, typische Form zu haben. Von den 3 Höcker- paaren in mi ist bei dem vordersten der Innern Höcker etwas schwächer als der äufsern. In ms ist das zweite Höckerpaar sehr verkümmert, das erste wenig deutlich. Im Unterkiefer sieht man keine Spaltung des vielmehr unpaaren vorderen Pfeilers, da derselbe an seiner Spitze jedoch etwas abgekaut ist, so mag die Entwicklung eines vordersten Höckerpaares nicht bedeu- tend sein. In ms sind beide Schmelzwinkel entwickelt, an dem hinteren scheint jedoch keine oder nur eine sehr unbedeutende Höckerbildung stattzufinden. Obere Backeiizahnrelhe 4,5 Mm. — mi 2,io — nv2 1,30 — m:i l.ooMm. lang. Untere Backenzahnreihe 4,9 Mm. — ml 2,oo — m2 1,50 — ms 1,45 Mm. lang. Breite der oberen Schneidezähne an der Schneide 1,55 Mm. Die Nasenbeine überragen ein wenig die Proc. front, der Ober- kiefer und enden hier stumpf und breit, nicht spitz. Die Breite der Stirn zwischen den Augen etwas gi-öfser als die Länge der oberen Backenzahn- reihe. Interparietale grol's. Die Foram. incis. enden hinten stumpf aus- gerundet und erreichen nicht die Front der ersten Zähne. Der Supra- orbitalrand abgerundet. Der Schädel erinnert durch die Entwicklung der vorderen Nasengegend, die Schmalheit der Schnauze, den breiten und riachen Hirntheil an H. nasutus. Auch der T^nterkiefer ist verhältnifs- niäfsig niedrig. Bas.lg. des grüfsten Schädels 2,"), 5 Mm. Nasenbeine 13,3 Mm. Fo- ram. incis. 6,0 Mm. lang. Breite der Stirn zwischen den Augen 5,3 Mm. Sagittaler Durchmesser des Interparietale 4,o Mm., frontaler 10,4 Mm. Ein Skelet hat 13 Rippenpaare, 6 rippenlose Lendenwirbel. 32 Schwanzwirbel. Der 1 7 te Wirbel ist der diaphragmatische. Die Ohren grofs und nackt, überragen bei dem fi'ischen Thier das Auge um mehr als dessen Durchmesser, bei Exemplaren in Spiritus er- 48 reichen sie den hinteren Augenwinkel. Der wenig behaarte Schwanz ist geringelt, aber die Schuppen sind ziemlich deutlich. Die Sohle des Tar- sus ist im Allgemeinen wie bei den vorhergehenden Arten. Der Daumen der Hand mit einem Kuppennagel. An einem grofsen Exemplar in Spiritus messen Kopf und Rumpf 135 Mm., der Schwanz 124 Mm., der Tarsus 27 Mm. Die Farbe ist im Allgemeinen mäusegrau, am Bauche etwas heller. Längs des Rückens ein dunkler, bei alten Exemplaren fast schwarzer Strich, wie bei Mus agrarius. Der Schwanz deutlich zweifarbig, oben dunkelgrau, unten weifslich fleischfarben, gewöhnlich mit weifser Spitze. Das Vorkommen im Innern des Urwaldes wie bei der vorher- gehenden Art. Gesammelt wurden 1 Skelet, 1 Schädel und 5 Exemplare in Spiritus. 26) Hesperomys nasutus Waterh. Fig. 19 u. 29. Das Gebifs, welches mir nur im abgekauten Zustande vorliegt, zeichnet sich durch den höchsten Grad der Einschnürung in den Quer- furchen zwischen den einzelnen Höckerpaaren aus. Charakteristisch ist m3 im Oberkiefer, wo der vordere Schmelzwinkel nur einen einzigen grofsen Pfeiler mit undeutlicher Höckerbildung vorstellt, während der zweite Schmelzwinkel ein kleines unpaares und ganz isolirtes Höckerchen am hinteren Ende des Zahnes bildet. Im Unterkiefer ist die Einschnürung der Zähne noch gröfser. In mi ist das vorderste der 3 Höckerpaare viel schmäler als die anderen Paare. In ms ist der zweite Schmelzwinkal ebenfalls auf einen unpaaren ziemlich kleinen Höcker reducirt. Die obere Backenzahnreihe 4,i Mm. — mi 2,oo — m2 l,3o — ms 0,90 Mm. lang. Die untere Backenzahnreihe 4,3 Mm. — mi 1,80 — m2 1,40 — m3 1,10 Mm. lang. Diese Mafse rühren von einem kleineren Schädel (Bas.lg. 20,o Mm.) her. An dem gröfsten Schädel, der jedoch defect ist, mifst die obere Backenzahnreihe 4,5 Mm., die untere 4,7 Mm. Am Schädel fällt vor Allem die bedeutende Entwicklung der Nasen- beine auf. Sie überragen die Proc. front, der Oberkiefer deutlich und 6* 44 enden ziemlich spitz. Der Schnauzentheil ist aufserordentlich schmal und lang. Die Stu-n zwischen den Augen breit und der Supraorbitalrand ganz abgerundet. Der Hirntheil breit und flach. Das Interparietale sehr klein, nur wie eine lange schmale Knochenlamelle zwischen den Scheitel- beinen und dem Hinterhaupt. Die Foram. incis. erreichen die Front der ersten Backenzähne. Der Unterkiefer ist aufserordentlich niedrig. Bas. lg. eines grofseren Schädels 22,2 Mm. Nasenbeine 12,o Mm. Foram. incis. 5,3 Mm. lang. Breite der Stirn zwischen den Augen 6,i Mm. Sagittaler Durchmesser des Interparietale 1,4 Mm., frontaler 7,7 Mm. Hohe des Unterkiefers hinter mi 2,7o Mm„ hinter m2 2,3o Mm. Die oberen Schneidezähne sind an der Vorderseite flach, sogar etwas vertieft, so dafs man bei schiefer Beleuchtung einen schwachen Schatten bemerken kann. An einem Skelet finden sich 12 Rippenpaare, 7 rippenlose Lenden- wirbel, der unvollständige Schwanz besitzt nur noch 20 Wirbel. In Habitus und Farbe ähnelt die Art dem H. arenicola(?), ist aber gröfser und mehr gelblich, namentlich die Unterseite, bei dieser Art grau, ist deutlich graulichgelb. Die Filfse sind weifslich fleischfarben. Lebensweise und Aufenthalt wie bei H. arenicola(V). Gesammelt wurden 2 Skelete, 2 Schädel und 1 oder 2 vielleicht hierhergehörige Exemplare in Spiritus. Man hat für diese Art die Untergattung oder Gattung Oxymycte- rus errichtet, allein es läfst sich durchaus keine Grenze ziehen zwischen dieser Form und den vorhergehenden, welche unvermerkt zu den typi- schen Calomys-Arten hinüberführen. 27) Hesperomys subterrancus n. sp. Fig. 21 u. 31. Eine kleine schwarze Art mit dem Habitus eines Arvicola. Die Backenzähne sind etwas eingeschnürt. Ihre hohen Höcker verschmälern sich nach der Spitze zu von den beiden Seiten her und sind in jedem Paare mit ihi-en Spitzen nahe gegen einander gerückt, ms im Oberkiefer ist sehr verkümmert und zeigt nur Spuren der vorderen Höcker. Auch im Unterkiefer ist ms wenig ausgebildet, der hintere Schmelzwinkel ist in einen ziemlich unregelmäfsigen Höcker verwandelt. Obere Backenzahnreihe 4,o Mm. — mi l,7o — m2 1,20 — ms 0,8o Mm. 45 lang. Untere Backenzahnreihe 4,i Mm. — mi 1,50 — m2 1,40 — ms 1,00 Mm. lang. Vom Schädel liegen mir nur zwei Exemplare vor, ein sehr junges. an dem ms noch nicht hervorgebrochen ist, und ein älteres, welches aber gleichfalls noch nicht vollwüchsig ist, da die Pars basil. des Hinterhauptes mit den P. condyl. desselben noch nicht verwachsen ist. Gleichwohl sind die Zähne schon nicht unbedeutend abgekaut. An diesem Schädel fällt vor Allem das kurze Gesicht auf. Hängt dessen Kürze nun auch zum gröfsten Theile von dem jugendlichen Alter des Schädels ab, so sieht man doch , dafs das Gesicht dieser Art kürzer ist als das der vor- her beschriebenen Arten. Die Nasenbeine überragen den Proc. front, der Oberkiefer nur wenig und endigen ziemlich stumpf. Der Supraorbital- rand ist trotz der Jugend des Schädels schärfer ausgebildet, als bei den 3 vorhergehenden Arten. Das Interparietale ist kurz aber breit, also nur mäfsig entwickelt. Die Foram. incis. enden hinter der Front der ersten Zähne unmittelbar vor deren Mitte. Bas.lg. dieses Schädels 18,4 Mm. Nasenbeine 7,o Mm. Foram. incis. 4,8 Mm. lang. Sagittaler Durchmesser des Interparietale 2,4 Mm., der frontale 7,6 Mm. Die Ohren sind sehr klein und abgerundet, umgelegt decken sie an den Spiritusexemplaren wenig mehr als die Ohröflfnungen m. An dem Innern der Ohrmuschel die Aufsenseite ziemlich dicht aber kurz be- haart. Der Daumennagel an der Hand ziemlich grofs, aber doch nicht als „Ki-alle„ zu bezeichnen. Der Schwanz fein und sehr schwach behaart, seine Ringelung deutlich, die Beschuppung undeutlich. Der Tarsus wie gewöhnlich nur wenig beschuppt, bis zum Ballen des Daumens und dem kleinen Ballen der Aufsenseite glatt. Die Farbe schwärzlich, mit etwas Röthlichgelb untermischt, doch so dafs das Schwarze vorherrscht. An dem gröfsten Exemplare (in Spiritus) messen Kopf und Rumpf 77 Mm., der Schwanz 41 Mm., der Tarsus 17 Mm. Diese Art lebt im Innern des Urwaldes in Erdlöchern wie Arvi- cola arvalis und wird selten gefangen. Gesammelt wurden 4 Exemplare in Spiritus. 46 28) Ilesperomy^ tumidus Watcrli. Fig. 20 u. 30. Auf den hohen und ziemlich schmalen Zahnkronen f>ind die Spitzen jede.s Höckerpaares einander genähert, wie dies schon bei der vorher- gehenden Art angedeutet war. Dagegen macht sich auch eine gewisse Verwandtschaft mit H. squamipes dadurch geltend, dafs sich die äufsere (innere) Hiigelreihe nicht vollständig von dem zu ihr gehörigen Schenkel des Schmelzwinkels getrennt hat. Nimmt man eine solche Trennung nicht an, was sich vielleicht nur an ganz intacten Zahnkronen entscheiden liefse, so sind auch die vorderen (hinteren) Schenkel jedes Schmelzwin- kels zu deutlichen Leisten ausgebildet und bilden an ihrem freien Ende einen kleinen Zwischen- oder Nebenhöcker. Im Oberkiefer besitzt mi ein solches Höckerchen an seiner Aufsenseite in der ersten und in der zweiten Querfurche, ra-i an der Vorderseite und der Querfurche, ms ist rudimentär und läfst höchstens in seiner Vorderhälfte noch Andeutungen vom Schmolzwinkel und den Höckern erkennen. hu Unterkiefer ist das vorderste Höckerpaar in nii schmäler und schwächer entwickelt als die folgenden Paare, mi und m2 haben an der Basis der Aufsenseite entsprechend der hintersten Querfurche jenes kleine Basalhöckerchen, welches an die accessorischen Pfeiler bei den Zähnen der Wiederkäuer erinnert. In ms sind die beiden Höcker der Aufsenseite noch angedeutet, die Bildung der Schmelzwinkel ist dagegen sehr ver- kümmert, ms ist übrigens oben wie unten nicht bemei-kbar angekaut. Obere Backenzahnroihe 6,o Mm. — mi 2,5o — m2 1,90 — ms 1,35 Mm. lang. Untere Backenzahnreihe 6,5 Mm. — mi 2,35 — m2 2,üo — ms l,8o Mm. lang, mi im Oberkiefer l,7o Mm. breit. Die Breite der oberen Schneide- zähne an der Schneide l,(;o Mm. Der einzige vorliegende Schädel ist noch nicht vollwüchsig, da die Pars basil. des Hinterliauptes noch nicht mit den P. condyl. desselben verwachsen ist. Es bleibt daher zweifelhaft, welche Eigenthümlichkeiten dem Alter oder der Species angehören. Der Gesichtstheil ist kurz. Die Nasenbeine überragen die Proc. h\n\i. der Oberkiefer sehr bedeutend und enden ziemlich spitz. Die Breite der Stirn zwischen den Augen etwas kürzer als die obere Backenzahnreihe. Der Supraorbitalrand stumpf abgerundet. Das Interparietale klein. 47 Die Foram. incis. enden hinten spitzer als vorn und erreichen die Mitte der ersten Backenzähne. Die Bas.lg. des Schädels 26,8 Mm. Nasenbeine 13,oMm., Foram. incis. 7,0 Mm. lang. Breite der Stirn zwischen den Augen 5,3 Mm. Sa- gittaler Durchmesser des Interparietale 2,2 Mm., der frontale 9,o Mm. Die Ohren erreichen bei Spiritus-Exemplaren das Auge nicht und sind inwendig ziemlich kurz aber dicht, auswendig dicht und ziemlich lang behaart nach der Weise, wie dies schon oben für alle Hesperomys-Arten angegeben worden ist. Die Oberlippe wie bei allen Hesperomys-Ai'ten gespalten. Der Schwanz sehr deutlich beschuppt und undeutlicher ge- ringelt, verhältnifsmäfsig stark behaart, namentlich an der Unterseite, so dafs hier die Schuppen nicht gleich sichtbar sind. Doch scheinen die Haare daselbst nur wenig länger zu sein, dagegen aber viel dichter zu stehen als an der Oberseite. Alle Krallen sind lang, wenig gebogen. Der Daumen der Hand mit deutlicher, wenn auch nicht langer Kralle. Der Tarsus ist sehr eigenthümUch. Der Ballen an der Innenseite der Sohle ist kurz, auf einen ziemlich spitzen Höcker reducirt, der kleine Ballen der Aufsenseite fehlt ganz. Die Ballen der ersten und fünften Zehe sehr klein, die der zweiten, dritten und vierten Zehe etwas gröfser, aber auch klein. Zwischen der dritten und vierten Zehe der Spalt nicht so tief wie zwischen der zweiten und dritten. Die Beschuppung der Sohle wie bei H. flavescens. Bei einem Exemplar in Spiritus messen Kopf und Rumpf 116 Mm., der Schwanz 118 Mm., der Tarsus 32 Mm. Die Farbe ist fast schwarz oder besser dunkel eisengrau, da die Ringe an den Haaren nicht wie bei anderen grauen Mäusen gelb, sondern mehr hellgrau sind. Die Unterseite ist hellgrau, zum Theil weifslich, manchmal am Kinn und um das Maul herum fast weifs. Vorkommen und Lebensweise wie bei H. vulpinus und H. squami- pes. Ob eine schwarze Ratte aus dem ürwalde mit deutlicher Ki-alle am Daumen hiei-her gehört, wage ich noch nicht zu entscheiden. Gesammelt wui'den nur 3 Exemplare in Spiritus bei Porto Alegi-e, wo das Thier selten zu sein scheint. 48 29) Hesperomys Darwimi? Waterh. Ein einzelnes Exemplar einer Maus, das ich im Urwalde erhielt, kann ich nicht ohne grofses Bedenken zu dieser Art ziehen. Die Ohren sind sehr grofs und wenig behaart, sie erreichen bei dem Spiritusexemplare den hintern Augenwinkel. Die Füfse sind lang und fein, auf der Rückenseite ganz weifs. Der Daumen der Hand be- sitzt einen Kuppennagel. Die Krallen sind sehr kurz. Die Sohle des Tarsus im Allgemeinen wie bei H. flavescens. Der Schwanz ist fein und sehr wenig behaart, fein aber deutlich beschuppt, zweifarbig, oben dunkel, unten hell. Die Farbe der Oberseite ist ein ziemlich helles Röthlichbraun. die Unterseite ist weifs. Kopf und Rumpf messen 125 Mm., der Schwanz 145 Mm., der Tarsus 32 Mm. Eine Untersuchung des Schädels hat noch nicht statt- gefunden. Die Art gleicht sehr dem Mus gi-iseo-flavus Waterh. 1. c. Plt. 21 p. 62, doch messen bei diesem nach Waterhouse Kopf und Rumpf 6" 8"' engl., der Schwanz 5" 6'", also der Schwanz ist viel kürzer als der Rumpf. Bei M. Darwinii Waterh. 1. c. p. 64. Plt. XXIII messen Kopf und Rumpf nach Waterhouse 1. c. C" 0'" engl., der Schwanz 4" 9'", obgleich die Dia- gnose lautet: cauda caput corpusque fere aequante. — Man sieht, auch diese Verhältnisse passen nicht auf unsere Maus. Genauere Resultate lassen sich wohl erst aus gröfserem Materiale ziehen. Von derselben Localität, welche mir das oben beschriebene Thier lieferte, erhielt ich auch einen einzelnen defecten Schädel, welcher zu keiner der übrigen von mir gesammelten Arten gehört. Er ist ziemlich grofs und gleicht in der Gröfse ungefähr dem oben beschriebenen und gemessenen Schädel des H. tumidus, hat aber ganz eigenthümliche Merk- male. Die flachen und breiten, fast ebenen Nasenbeine überragen die Proc. front, der Oberkiefer nur sehr wenig und enden ziemlich spitz. Die Stirn zwischen den Augen ist verhältnifsmäfsig breit und der Supra- orbitalrand ist zu einer scharfen Leiste ausgebildet, die sich als deutliche Linea semicirc. bis an das Hinterhaupt erstreckt. Das Interparietale ist grofs, wie bei Mus decumanus. Die Foramina incis. erreichen nicht die Front der ersten Backenzähne. 49 Das Gebifs (Fig. 22) zeigt keine Eigenthümlichkeiten, sondern folgt dem allgemeinen Typus bei Calomys. Die obere Backenzahnreihe 4,7 Mm. — mi 2, 20 — m2 1,45 — ms 1,5 Mm. lang. Die untere Backenzahnreihe 5,o Mm. — mi 2,oo — m2 1,45 — ms 1,45 Mm. lang. Die Breite der oberen Schneidezähne an der Schneide l,6o Mm. Die Breite der Stirn zwischen den Augen 5,6 Mm. Der sagittale Durchmesser des Interparietale 3,4 Mm., der frontale 9,5 Mm. Die Forani. incis. 5,5 Mm. Der Unterkiefer bietet nichts Besondei*es. Es wäre vielleicht möglich, dafs dieser Schädel zu der erwähnten Hesperomys-Art gehörte. 30) Phyllomys dasythnx n. sp. Fig. 11 u. 12. Die Krone eines jeden Backenzahnes im Oberkiefer besteht von vorn nach hinten aus 4 Lamellen, die durch tiefe Einschnitte von einander ge- trennt sind. Der hintere Rand auf dem Querschnitte jeder letzten Lamelle ist rundlich convex, bei den anderen Lamellen, namentlich im Zahne pi und mi mehr winkelig gebogen. Der vordere Rand jeder ersten Lamelle ist mehr oder weniger convex, der der übrigen Lamellen schwach concav oder selbst in Form eines einspringenden Winkels, ms wendet sich mit seinem hinteren Ende etwas mehr nach aufsen. Im Allgemeinen werden die Zahnkronen bis zum Ende des Zahnes m2 etwas breiter, nur ms ist wieder schmäler. Die Einschnitte zwischen den einzelnen Lamellen sind so tief, dafs nur die durch ein sehr hohes Alter herbeigeführte Abnützung im Stande ist, eine Lamelle an irgend einem Punkte zum Zusammenfliefsen mit der benachbarten zu bringen. So zeigt sich bei einem alten Schädel mit stark abgekauten Zähnen bei pi eine Verbindung der dritten Lamelle mit der vierten fast in der Mittellinie des Zahnes, aber etwas mehr nach aufsen, ferner bei m2 und ms ebenfalls zwischen der dritten und vierten Lamelle und zwar bei m2 genau in der Mitte, bei ms dagegen am inneren Rande, so dafs hier die beiden letzten Lamellen nach innen eine einfache, nach aufsen aber eine doppelte Spitze bilden. Bei den Backenzähnen des Unterkiefers ist der Bau der Krone etwas complicirter. Man thut am besten, diese ebenfalls als aus queren Abhcll. der phys. KL 1872. Nr. 1. 7 50 Lamellen bestehend zu betrachten, die auch winklig gebogen sind, nur dafs hier im Gegensatz zum Oberkiefer der Scheitelpunkt des Winkels nac'li \orn gerichtet ist. Aufserdem neigen im Unterkiefer die Lamellen viel mehr zum gegenseitigen Verschmelzen und zwar an der Aufsenseite, so dafs sich bei einem jungen Individuen, dessen letzte Lamelle in ms im Ober- wie Unterkiefer noch nicht angekaut ist, folgendes Bild ergiebt: Bei pi finden sich 5 Lamellen; die erste derselben, welche klein und nach vorn verjüngt ist, fliefst mit der zweiten an der Aufsenseite des Zahnes zusammen, die dritte i.>L isolirt, die vierte ist nach vorn winklig und verbindet sich mit der fünften an der Aufsenseite. Bei mi ist die erste Lamelle nach vorn winklig und isolirt, die zweite ebenfalls winklig fliefst mit der dritten aufsen zusammen. m2 ist dem vorher- gehenden Zahne ähnlich, nur fliefst die zweite Lamelle von ihrem "Winkel aus auch mit der ersten zusammen, und zwar an deren äufserer Hälfte. m3 ist etwas schmäler und sch\Yächer als m2, sonst aber ähnlich, doch ist die letzte Lamelle noch nicht angekaut und isolirt. Bei dem oben erwähnten alten Schädel ist das Bild di-r Zalm- kronen ein anderes geworden. Bei pi sind die erste und zweite Lamelle in einen einzigen Pfeiler vereinigt, der aber noch in der Mitte eine kleine Schmelzinsel aufweist, den Rest dei- früheren Furche zwischen den beiden jetzt verschmolzenen Lamellen. Die dritte Lamelle fliefst durch eine schmale Brücke in der Medianlinie des Zahnes mit der vierten zusammen. In mi — ms ist die erste Lamelle in der Medianlinie der Krone durch eine schmale Brücke mit der zweiten vereinigt, und zwar sind mi und m-2 einander ganz gleich, ms ist unmerklich verschieden. Alle drei Molaren haben nun an der Aufsenseite eine Furche, an der Innenseite deren zwei, unter denen die vordere der der Aufsenseite genau gegenübersteht, am wenigsten genau bei ms. Die oberen Backenzähne lial)cn 2 Paar ziemlich kleine Wurzeln, ein vorderes und ein hinteres Paar. Richtiger vielleicht würde man nur 2 Wurzeln annehmen, eine vordere und eine hintere Wurzel, deren jede in einen äufseren und einen inneren Ast getheilt ist. Im Unterkiefer ist bei pi jede der beiden Wurzeln ungetheilt, doch zeigt die hintere an ihrer Spitze die Andeutnng einer Theilung. Zwischen beiden Wurzeln etwa in der Mitte des Zahnes befindet sich eine rudimentäre und jedenfalls nicht 51 constante Wurzel. Bei den folgenden 3 Zähnen ist die kleinere vordere Wurzel getheilt, die hintere viel länger, breit und ungetheilt. Der Schädel hat viel Ähnlichkeit mit dem der Isothrix antricola Lund (Blik paa Brasiliens Dyreverden etc. Kjöbenhavn 1838. Tab. XXII), nur ist er kleiner, schmäler und in allen Stücken zierlicher und feiner. Der gröfste Schädel hat eine Bas.lg. von 39,8 Mm. Die Schneidezähne sind gelb, aber an den trocknen Schädeln fast weifst). Gesammelt wurden 1 Skelet, 12 mehr oder weniger vollständige Schädel und 5 alte Exemplare und 1 Foetus in Spiritus. Kopf und Rumpf messen an einem Exemplare in Spiritus 180 Mm., der Schwanz 210 Mm., der Tai'sus 35 Mm. Der Daumen der Hand trägt einen Kuppennagel. Sehr merk- würdig ist eine Drüse, die das Thier auf der Mitte der Brust zwischen den Vorderbeinen hat. Dieser Drüse entspricht ein ziemlich grofser kahler Fleck auf der Brust. Sie sondert ein zähes weifsliches Secret ab, dessen Bedeutung für die Ökonomie des Thieres noch unbekannt ist, wenn man nicht annehmen will, dafs dasselbe dem kurzbeinigen Thiere das Klettern erleichtert. Die Drüse befindet sich an einer Stelle der Brust, die viel- leicht bei dem Klettern mit dem Stamm in Berührung kommt, so dafs das Secret geeignet sein kann, die Adhäsion des Thieres an denselben zu vergröfsern. Gröfse, Habitus und Farbe erinnern an Mus decumanus. Die Ohren sind klein, überragen die Grundwolle nur wenig, und es bedarf eines gewissen Zwanges, um sie bis an den hinteren Augenwinkel reichen zu lassen. Der ganze Schwanz ist mit feinen braunen Härchen, die an der Unterseite etwas heller sind, so dicht bewachsen, dafs die Schuppen zum Theil verdeckt werden. Nach der Spitze zu ist die Behaarung noch dichter. Auf der ganzen Oberseite des Thieres ist die Grundwolle mäuse- grau mit gelber Spitze, unter dieser eine schwärzliche Stelle. Die Gran- nen sind nach der Basis zu grau, ihre Spitze, so weit sie aus dem Pelze ') Solche Veränderungen ereignen sich nicht selten, ohne dafs man bis jetzt eine Ursache davon hätte entdecken können. Es ist daher immer bedenklich , nach ausge- stopften Exemplaren einer Art weifse Zähne zuzuschreiben, wenn diese bei nahe verwandten Arten gelb sein sollen. 7* 52 hervorragt, ist schwarz. Nach vorn zu suid die Grannen länger und feiner, vorzüghch am Kopie. Hier überragen sie das Wollhaar um meh- rere Millimeter. Nach hinten werden sie kürzer, und am Ende des Rückens, wo sie viel dicker sind als das ebenfalls dickere "Wollhaar, überragen sie dieses kaum oder gar nicht. Alle Grannen haben an ihrer Vorderseite eine ziemlich tiefe Rinne, doch nehmen sie nicht die Be- schaffenheit wirklicher Stacheln an, da sie verhältnifsmäfsig fein sind. Sie verleihen blofs dem Pelz eine gewisse Rauhigkeit, die aber so wenig auffallend ist, dafs ich die Thiere schon seit geraumer Zeit gefangen hatte, ehe mir bei einer Besichtigung mit der Lupe die Anwesenheit der Furche an den Grannen bekannt geworden war. Die Schnurrborsten sind lang, schwarzbraun, die längsten derselben reichen bis auf das Schulterblatt. Über dem Auge befinden sich zwei lange schwarzbraune Borstenhaare und hinter ihm deren etwa sieben. Vor dem Eingange in das Ohr ist ein Saum von langen grauen Borsten, die Aufsenfläche der Ohrmuschel ist nackt, ihre Innenseite, jedoch nur in der peripherischen Hälfte, ist mit langen, sehr feinen, dunkelgrauen Grannen besetzt, die zum Theil auch noch auf der Aufsenfläche der Ohrmuschel, aber nur dicht am Rande stehen. Die Farbe der Oberseite gleicht der eines bräunlichen Mus decu- manus. Die Unterseite und die Innenseite ist schmutzig gelblich weifs, die Kehle fast weifs. Das Thier klettert vorzüglich, lebt aber auch unter der Erde. Unter 4 Individuen, die ich gleichzeitig und an derselben Stelle erhielt, wurden zwei von einem Baume herabgeschossen, zwei andere unter dem- sell)cn aus der Erde gegraben. In einem Individuum befand sich in der Nähe des Scrotum eine grofse Oestruslarve, die Herr Dr. Gerstäcker i) beschrieben hat. Die Gattung Phyllomys ist von Lund^) für diejenigen Stachel- ratten aufgestellt worden, deren Zähne des Oberkiefers aus 4 einzelnen ') Sitziingsbericlile der (iesellscli. naturf. Freunde. Berlin 18G7 p. ;i2. ■-') 1. c. p. 243, Tab. XXI. fig. 12 u. 13. Tab. XXV. 9 u. 10. (Fig. 9 soll zur Gattung Lonchophorus gehören, stellt aber wohl nur den Phyllomys dar mit einer etwas gröfsercii Abkauung der Zähne). 53 Querplatten bestehen. Natürlich gilt dies nur für eine gewisse Lebens- dauer, denn schliefslich müssen sie sich doch, da die Zähne Wurzeln be- sitzen, durch vorschreitende Abkauung mehr oder weniger mit einander vereinigen. Allein dies kann wegen der Höhe der Lamellen nur so spät geschehen, dafs es als Ausnahme zu betrachten ist. Lund hat zugleich eine lebende Art als Phyllomys brasiliensis unterschieden, die er anfangs für fossil gehalten hatte, allein die Abbildung, die er 1. c. Tab. XXI fig. 13 von ihren Backenzähnen giebt, ist nicht genau genug , um dieselbe von der von mir gefundenen Art zu unterscheiden. Dagegen zeigen der erste und zweite Backenzahn des Unterkiefers, 1. c. Tab. XXV fig. 9 u. 10, wesent- liche Differenzen. In ihnen sind nämlich die beiden ersten Querlamellen des ersten Backenzahns mit einander verschmolzen, während die dritte noch isolirt ist. Bei Ph. dasythrix dagegen würde bei einem solchen Grade der Abkauung die dritte Querlamelle schon mit den anderen in Verbindung getreten sein. Dasselbe gilt von 1. c. fig. 10, wo der zweite Zahn auf dem Querschnitt sogar noch ganz getrennte Lamellen besitzt. Der sicherste Charakter der neuen Art liegt aber in der Feinheit ihrer Stachelhaare. Über den Zahnwechsel der Muriformen ist noch Nichts bekannt. Bei einem Foetus des Fh. dasythrix war der erste Backenzahn schon ent- wickelt, hatte aber noch nicht das Zahnfleisch durchbohrt. Der erste Zahn gleicht, abgesehen von dem intacten Zustande, ganz dem der spä- teren Lebenszeit, ist also gewifs kein Milchzahn. Bei der folgenden Gat- tung Dactylomys verhält es sich wahrscheinlich ähnlich. Bei einem viel- leicht reifen Foetus fand sich kein rudimentärer Milchzahn, dagegen waren Ober- und Unterkiefer sehr stark entwickelt und enthielten schon den ersten und zweiten Backenzahn. Doch hatten diese die Kiefer noch nicht durchbrochen. Bei beiden war die Krone vollständig entwickelt, und sie verhielten sich genau wie die Zähne erwachsener Individuen. Obgleich die mir vorliegenden Schädel des D. amblyonyx mehreren Altersstufen angehören, so habe ich doch keinen Zahnwechsel bemerken können. Es ist daher die Vermuthung nicht ohne Berechtigung, dafs die Muriformen keinen Zahnwechsel besitzen. Es ergiebt sich daraus die Frage nach der Homologie ihrer Zähne. Berücksichtigen wir den Zahnwechsel des allerdings wenig verwandten :a HyUrochoerus, dessen di. wie ich nachgewiesen habe'), nur ein kleines Körnchen vorstellt und wahrscheinlich schon lange vor der Geburt ge- wechselt wii'd, so wird es nicht unwahrscheinlich, dafs der erste Backen- zahn der Muriformen als pi zu deuten ist, dessen di niemals zur Ent- wicklung gelangt, also fehlt. Dagegen würde blofs die Reihe des Er- scheinens der Backenzähne sprechen, denn bekanntlich ist bei fast allen Säugethieren mi der älteste Zahn aus der Reihe der bleibenden Backen- zähne, während bei den Muriformen der vorderste Backenzahn auch der früheste ist. Doch erscheint der zweite Zahn unmittelbar nachher, und wir haben auch keinen Grund, bei fehlendem Milchzahne die Möglich- keit eines früheren Erscheinens des betreftenden Prämolaren von der Hand zu weisen; man denke nur an p4 bei Canis. Unwillkürlich drängt sich hierbei auch die Frage auf nach der Homologie der Backenzähne der Murinen, und ob wir sie mit Recht als mi, m2 und m3 bezeichnen. Wir werden gestehen müssen, dafs viele unserer Zahnhomologien nur conventionell sind. 31) Dactyhmys amhJyomjx A. Wagn. Dieses in den Europäischen Museen so ^seltene Tliier tindet sich iu Rio Grande do Sul ziemlich häufig, ist aber schwer zu erhalten. Vor- zugsweise gern hält es sich da auf, wo sich an den Ufern der Flüsse alte hohe Bäume unter dichtem Unterholz von Bambus befinden, denn die jungen Triebe dieser Pflanze scheinen seine Lieblingsspeise zu sein. Doch findet es sich auch obschon seltner im Urwalde, aber nur so weit gröfsere Rohrarten sich erstrecken. Gesammelt wurden 2 Skelete, 2 Schädel, 2 Foetus und 3 ganze Thiere in Spiritus. Der gröfste Schädel (9) hat eine Bas.lg. von 51 Mm. Das dazugehörige Skelet zeigt 13 Rii)pen. Der Proc. spin. des StenWu'- bels ist grofs, an der Spitze krückenförmig, doch war ein accessorisches Knöchelchen, wie bei Mus, nicht zu bemerken. Der 18 te Wirbel ist der diaphragmatische, 6 rippenlose Lendenwirbel, 3 Sacralwirbel, 36 Schwanz- wirbel, möglicherweise sind aber noch einige derselben an der Spitze bei der Präparation verloren worden. Der vierte Finger ist stets der längste. ') Sitzungsberichte der Gesellschaft naturf. Freunde. Berlin 18GG p. 28. Merkwürdig sind die Bildungen der Zehen. An der Hand fehlt äufserlich der Daumen und ist nur durch einen rudimentären Nagel ver- treten. Der dritte und vierte Finger sind die längeren. Alle Finger sind bekanntlich mit breiten kuppenförmigen Nägeln versehen, so dafs sie auf- fallend an die Finger der Affen erinnern. Am Fufse ist der Daumen deutlich; an ihm wie an der vierten und fünften Zehe ist der Nagel gleich denen der Hand. An der zweiten Zehe dagegen ist der Kuppen- nagel seitlich zusammengedrückt, eigenthümlich gedreht und nach dem Daumen hin gewendet, so dafs der Endballen der zweiten Zehe etwas gegen die dritte Zehe gekehrt ist. An dieser ist der Nagel ebenfalls schmal, wie seitlich zusammengedrückt, aber kaum merklich nach der vierten Zehe hingewendet. Mit dieser sonderbaren Bildung hängt noch eine andere Eigenthümlichkeit der zweiten Zehe zusammen. An dem Gelenk zwischen erster und zweiter Phalanx besitzt sie nämlich einen starken Ballen, der aber nicht an der Plantarfläche, sondern mehr nach aufsen liegt und gegen die dritte Zehe gekehrt ist. An dieser ist jenem Ballen gegenüber zwar keine ähnliche Bildung, aber doch geht hier die kahle Plantarfläche an der inneren Seite der Zehe weiter nach deren Rücken als an ihrer Aufsenseite. Das Thier bedient sich nämlich an den Füfsen nicht des Daumens zum Klettern, sondern nimmt die glatten Rohrstengel zwischen die zweite und dritte Zehe (Zool. Gart. XIH p. 80). Schon am Foetus ist die eigenthümUche Bildung des Fufses deutlich zu er- kennen. Früher hatte ich^), durch eine gewisse Ähnlichkeit in der Schädel- bildung bewogen, den Dactylomys in die Nähe von Chaetomys gebracht. Die Verhältnisse seiner Zahnentwicklung entfernen ihn jedoch weit von den Hystricinen, welche alle einen sehr entwickelten Zahn di in späterem Lebensalter wechseln, und stellen ihn zu den Muriformen. 32) Myopotamus coyjms Geoffr. Dieses Thier, w^elches in der Banda Oriental und im Gebiete des Laplata so häufig gefunden wird, ist äufserst selten in Rio Grande do Sul. Ich erhielt ein einziges Exemplar aus dem Guahyba bei Porto Alegre, welches sich ganz zufällig in einer für Beutelthiere aufgestellten Falle i) Sitzungsbericht der Gesellsch. naturf. Freunde in Berlin 1867 p. 21. 5G gefangen hatte. Auch hatte ich vorher in dem Magen eines Kaimans (AHigator latirostris) zahh-eiche Haare gefunden, deren Deutung mir nicht mögUch geworden war, bis dann jenes Exemplar in meine Hände fiel. Niemand konnte mir auch einen Namen für dasselbe sagen, obgleich gewLfs ein solcher existirt, denn einige Fischer erzählten, dafs das Er- scheinen dieses seltenen Thieres als Vorbote eines hohen Wasserstandes gelte. Offenbar kommt das Thier erst bei Hochwasser aus seinen unzu- gänglichen Verstecken hervor und wird dann zuweilen bemerkt. Unter solchen Umständen ist es sehr auffallend, wenn man den Myo- potamus selbst in Central-Amerika gefunden haben will. Wie v. Frantzius i) nach einer Angabe von Baird mittheilt, soll ihn Salvin in Guatemala ge- funden haben. Richard Schomburgk hat ihn in Gulana nicht beobachtet. 33) Sphiggums villosus F. Cuv. Hystrix Insidiosa Kühl. Dieses in Rio Grande do Sul nicht seltene Thier findet sich sowohl im gebirgigen Urwalde, wie in den Wäldern an den Flüssen der Tiefebene. Das Haarkleid, welches die schwarz und gelb geringelten Stacheln be- deckt, ist grau und oft so lang, dafs das ruhig auf einem Baume sitzende Thier täuschend einem Klumpen grauen Bartmooses ähnlich ist, einer der wenigen Fälle von Mimicry bei Säugethieren (Zool. Gart. XIH. p. 82). Gesammelt wurden 4 alte Skelete, 2 c? und 2 2, ein junges Skelet, 35 Schädel, 2 ganze Thiere und 7 Foetus in Spiritus. Im Ganzen befin- den sich darunter 26 vollwüchsige Schädel, an denen auch die Sut. sphen. bas. verschwunden ist, 9 derselben sind männlich und ebenso viele weib- lich; von 8, darunter 3 zertrümmerte, ist das Geschlecht nicht sicher bekannt. Die Bas.lg. der männlichen Schädel beträgt: 05, C5, 041, C4|-, 64|, 64, 62^ und 61 Mm. (einer ist defect), der weiblichen 07, 64|, 64, 64, 64, 63, 63, 62 und 59 Mm. Ein durchgreifender Geschlechtsunter- schied in der Gröfse findet auch hier nicht statt. Bemerkenswert ist nur, dafs der gröfste unter allen gesannnelten Schädeln ein weiblicher ist. ') Die Süugethiere Costaricas. Troscliers Archiv f. Xat. 35. Jahrg. Bd. I p. 275. 57 Ganz aufserordentlich variii-t die Form und Gröfse der Nasenbeine. Der Zahnwechsel findet sehr spät statt, wenn die Thiere fast ausge- wachsen sind. Die Farbe der Stachehi variirt theils durch verschiedene Ausdeh- nung der beiden Grundfarben, theils durch Veränderung des Gelb, wel- ches zuweilen etwas röthlich wird. Auch das graue Haarkleid kann dann einen solchen Ton annehmen. Mir ist ein Fall bekannt, in dem das Stachelschwein so roth gefärbt war, dafs der Jäger einen männlichen Brüllaffen auf dem Baume zu entdecken glaubte und erst nach dem Schufs seinen Irrthum erkannte. Auch der reife Foetus ist mit langen, feinen, rothen Haaren bedeckt. 34) Dasyprocta Aguti L. Die Zahl der Aguti -Arten, die man bisher unterschieden hat, ist nicht gering, doch gründen sich die meisten derselben auf Farbendiffe- renzen. Solche sind aber sehr leicht möglich, da die Farbe aus Gelb und Schwarz zusammengesetzt ist. Es ist ganz selbstverständhch , dafs das Verhältnifs dieser beiden Farben zu einander nicht immer dasselbe sein wird, und dafs auch die Qualität des Gelb einer Abänderung unter- worfen sein kann. An den von mir gesammelten Thieren war jedes ein- zelne Haar schwarz und gelb geringelt, die Spitze war gelb. Nach dem Schwänze zu verlängerten sich die Haare des Rückens, und da herrschte auch die gelbe Farbe besonders vor. Am Bauche und an der Innenseite der Oberschenkel waren blofs gelbe Haare untermischt mit wenigen weifsen vorhanden. Ich habe diese Art als D. Aguti L. bezeichnet, weil ich nicht in der Lage bin, mich von der Selbstständigkeit der Dasyprocta Azarae Lichtst. zu überzeugen. Gesammelt wurden 2 Skelete, 1 cT und 1 2, 28 einzelne Schädel und 5 Foetus in Spiritus. Unter den Schädeln befinden sich 8 ganz voll- wüchsige, bei denen auch die Sut. sphen. bas. schon verschwunden ist, ebenso viele, die vielleicht auch als vollwüchsig zu betrachten sind, bei denen aber jene Naht noch sichtbar ist. Die Angaben über das Geschlecht sind nicht ganz zuverlässig. Ich führe daher blofs an, dafs bei dem gröfsten Schädel unter den 16 ge- Ahhdl. der phys. KL 1872. Nr. 1. 8 58 nannten die Bas.lg. 83, hei dem kleinsten 75 Mra. beträgt. Ob aber das männliche Geschlecht durchgehend« das gröfsere ist, lälst sich nicht mit Sicherheit constatiren. Der Zahnwechsel findet sehr spät statt, wenn der Schädel fast voll wüchsig ist; so hat ein solcher von 78 i Mm. Länge den Milchzahn noch nicht gewechselt. 35) Coelogenys Paca L. Gesammelt wurden 1 männliches Skelet und 27 Schädel, unter diesen 9 c^ und 5 2 vollwüchsige. Bekanntlich zeichnet sich der Schädel dieses Thieres durch eine bei den Säugethieren einzig dastehende Erwei- terung des Jochbogens aus. Dieselbe kann als Geschlechtscharakter be- nützt werden, denn sie ist im männlichen Geschlecht viel stärker als im weiblichen. ^ ^^'-^S'- 120, 119^, 117, 116, 116, 114, 1121 Mm. Höhe des Jochbogens 53, 52.}, 52, 52^, 52-1, 50, 54 Mm. ^ ß-'is-lg- 116, 111, 109, lOsiMm." Höhe des Jochbogens 44, 44|, 42, 38 Mm. Junge männliche Schädel haben die Höhe des Jochbogens wie die alten Weibchen, so z. B. beträgt sie bei einem männlichen im Zahnwechsel 47 Mm., während seine Bas.lg. schon 116 Mm. erreicht. Die eigenthüm- liche Skulptur des Jochbogens wie der Oberseite des Schädels findet sich nur bei alten Thieren, in der Jugend ist der Jochbogen ohne Skuli.tur, aber rauh wie jeder unvollendete Knochen. Bei einem jungen Männchen von 109 Mm. Bas.lg., welches die Milchzähne noch nicht gewechselt hat, ist der Jochbogen 42 Mm. hoch und ohne Skulptur, bei einem ebenso grofsen und, nach den Zähnen zu urtheilen, ebenso alten Weibchen ist dagegen der Jochbogen nur 341 Mm. hoch, zeigt aber schon am vorderen Ende und unteren Kande eine Spur der beginnenden Skulptur. Die Höhle im Jochbogen wird von einer Ausstülpung der Mund- schleimhaut ausgekleidet, und man hat darin die Bildung ehier Backen- tasche finden wollen, allein mit Unrecht, denn ich habe sie fast immer leer gefunden, selbst wenn das Thier kurz vorher gefressen hatte. Nur in einem einzigen Falle fand sich in der Höhlung der einen Seite ei me 59 kleine Quantität zei-kauter, gi'üner Pflanzentheile vor, allein das starke Thier hatte sich in einer Schlinge gefangen und war, wie man aus dem aufgewühlten Boden und den niedergetretenen Pflanzen sehen konnte, erst nach den heftigsten Befreiungsversuchen gestorben, so dafs wohl während des Todeskampfes aus dem vollen Munde etwas Speise in die Ausstülpung der Mundschleimhaut gelangen konnte. Es wäre auch gar nicht zu er- klären, auf welche Weise die gefüllte Backentasche wieder geleert werden sollte. Der Zahnwechsel findet wie bei der vorhergehenden Gattung sehr spät statt. Hierin liegt ein wesentlicher Unterschied gegenüber den Ca- vien und Hydrochoerus , bei denen der Milchzahn rudimentär ist und schon vor der Geburt gewechselt wird. Die scheinbare Verwandtschaft der Gattungen Coelogenys und Dasyprocta mit den Siibungulaten lieruht blofs auf der Ähnlichkeit in der Form des Nagels oder Hufes. 36) Cavia aperea Erxl. Fig. 7 u. 9. Das häufigste Nagethier Süd-Brasiliens, welches selbst bis in die Städte dringt, so weit die Wege mit Hecken bepflanzt sind. Gesammelt wurden 2 männliche Skelete, 20 einzelne Schädel und 4 Exemplare in Spiritus; 2 derselben aus Rio de Janeiro. Das Geschlecht ist nur in wenigen Fällen mit Sicherheit anzu- geben, ich begnüge mich daher mit der Angabe, dafs der gröfste Schädel (cT) eine Bas.lg. von 50,6 Mm. hat. Eine Messung des kleinsten hat kei- nen Werth, da sich nicht ermitteln läfst, welcher Schädel als vollwüchsig angesehen werden mufs. Der gröfste mir vorliegende Schädel der C. co- baya ist 51,g Mm. lang. Der Preä oder Sandhase ist für uns von besonderem Interesse, weil man in ihm die Stammform des zahmen Meerschweinchens sehen will. In der That ist die Ähnlichkeit grofs, allein schon Rengger hat nachgewiesen, dafs C. aperea im Bau des Schädels von C. cobaya ab- weicht. In der That bestätigt sich auch dieser Unterschied, der um so mehr in's Gewicht fällt, als man dabei nicht an Folgen der Domesti- cation denken kann. Es ist nämlich bei C. aperea das Gesicht viel länger als bei C. cobaya. Die Proc. front, der Oberkiefer überragen die Nasen- beine nach hinten oder sind ihnen gleich, stehen aber mit ihrem äufser- sten Ende immer von ihnen ab. 60 Folgende Mafse sind von zwei gleich langen Schädeln der C. aperea und C. cobaya (Bas.lg. 49,5 Mm.) genommen. Der Schädel der letzteren Art ist weiblich, das Geschlecht des Ersteren ist unbekannt, doch darf man bei den Unterschieden nicht an Geschlechtscharaktere denken, wie aus einer Vei-gleichung aller übrigen Schädel hervorgeht. C. aperea C. cob; 21,5 18,2 2,80 17,3 15,7 3,50 3,30 Variation 1) Länge der Nasenbeine an der medianen Naht gemessen 2) Vom hinteren Rande der Alveole des oberen Schneide- zahnes bis zum vorderen Rande der Alveole des ersten Backenzahnes 3) Breite der beiden oberen Schneidezähne in der Nähe der Schneide (wo sie dicht an einander liegen) 4) Breite der unteren Schneidezähne Dafs es sich bei diesen Differenzen nicht um indivifluc,.^ handelt, geht aus einer Vergleichung aller anderen Schädel hervoi-. die ganz dieselben Verhältnisse zeigen. Ein anderer, aber nicht beständiger Unterschied findet sich am letzten Backenzahne des Oberkiefers. Dieser besitzt eine nach hinten gerichtete Falte, welche bei C. aperea gewöhnhch länger als breit ist. Bei dem oben gemessenen Schädel dieser Art ist sie genau l,oo Mm. breit und etwa l,4o Mm. lang. Manchmal ist das Verhältnifs auch wie bei C. cobaya, wo die Spitze in der Regel breiter als lang ist. Auch der Milchbackenzahn der beiden Arten zeigt einige Unterschiede. Das Fell der C. aperea aus dem Süden ist grau, und zwar aus Gelb und Grau gemischt. Die Exemplare von der Serra schienen mir heller zu sein als die von Porto Alegre oder der Tiefebene. Die Sandhasen von Rio de Janeiro waren aber entschieden etwas bräunlich, doch konnte ich an ib-em Schädel keinen Unterschied von den südlichen wahrnehmen, so dafs wir es hier wohl nur mit einer klimatischen Erscheinung zu thun haben. 37) Curia cobaya Marcg. Fig. 8 u. 10. Das zahme Meerschweinchen findet sich als Hausthier nur selten in Rio Grande do Sul, gleicht aber ganz dem unsrigen, ist auch wahr- 61 scheinlich aus Europa eingeführt worden. Doch konnte ich darüber nichts Bestimmtes erfahren. Auch von Paarungsversuchen mit dem Preä ist mir Nichts bekannt geworden. 38) Hydrochoerus capyhara Erxl. Dieses gröfste aller lebenden Nagethiere, welches wie ein Reprä- sentant einer früheren Schöpfungsperiode in die Jetztwelt hineinragt, findet sich in Süd-Brasilien häufig, selbst in den bewohntesten Gegenden, weifs sich aber sehr den Nachstellungen durch den Menschen zu entziehen. Die Unzugänglichkeit der Flufsufer sichert ihm immer einen ungestörten Aufenthalt. Gesammelt wurden 2 vollwüchsige Skelete, 1 d" und 1 2, und 20 einzelne Schädel verschiedenen Alters, unter diesen 9 vollwüchsige, 3 d" und 6 2 . Die Bas.lg. der männlichen Schädel (einer ist defect) be- trägt 210, 206 und 205 Mm., der weiblichen 212, 210, 210, 203, 201, 198 und 198 Mm. Bei der Schwierigkeit, am Schädel der Nager über VoUwüchsigkeit zu entscheiden, bleibt es immer zweifelhaft, ob die klein- sten Schädel wirklich vollwüchsig oder vielleicht noch nicht ganz er- wachsen sind. Die Geschlechtsdiflferenzen am Nagerschädel sind noch unbekannt, zum Theil gewifs, weil sie bei der Kleinheit der meisten Nagethiei'e zu wenig in die Augen fallen. Der Hydrochoerus ist daher am besten ge- eignet, uns über diese Frage aufzuklären. Es bestätigt sich aber hier die Erfahrung, dafs bei Nagethieren die Gröfse keinen Geschlechts unter- schied bildet, ja dafs vielleicht das Maximum der Gröfse von den Weib- chen erreicht wird. Nach dem geringen mir vorliegenden Materiale scheint es, als wenn im Allgemeinen der männliche Schädel einen kürzeren und breiteren Gesichtstheil und namentlich kürzere und breitere Nasenbeine hätte, allein es giebt auch weibliche Schädel, welche dieselben Merkmale zeigen, so dafs sich für die Beurtheilung eines einzelnen Individuums jenes Gesetz nicht anwenden läfst. Man könnte vielleicht sagen, das männliche Geschlecht habe breitere Schneidezähne, was natürlich mit der stärkeren Entwicklung des Gesichtstheiles zusammenhängen würde. Es beträgt näm- lich die Breite eines oberen Schneidezahns bei den männlichen Schädeln (in derselben Reihenfolge wie oben) 13,7 — 12,9 — 12,2 Mm. und bei dem 62 sonst sehr kräftigen defecten Schädel 11. 2 Mm., bei den weihlichen Schä- deln II,;, — 12,1 — IL;, — 11,0 — ll.ö - 11,1 und 10,7 Mm. Man sieht also, dafs wohl der männliche Schädel im Durchschnitt breitere Schneide- zähne haben mag, das Maximum derselben jedoch bei dem weiblichen Schädel noch innerhalb der Grenzen für die männlichen Thiere fällt. 39) Lepus brasiliensis L. Diesen kleinen Hasen habe ich nur in Rio de Janeiro gefunden, wo ich ihn auch nicht im Freien beobachtet, sondern auf dem Markte erhalten habe. In Eio Grande do Sul habe ich ihn niemals gesehen, auch in den von mir bereisten Districten, nördlich von Jacuhy, niemals von ihm gehört, weder auf der Serra noch in der Tiefebene. Hier kamen überall nur die Preas (Cavia aperea) vor. Doch wurde mir in Santa Cruz, nördlich von der Stadt Rio Pardo von einem alten erfahrenen Jäger er- zählt, im Westen der Provinz, speciell in der Gegend um Santa Maria, finde sich ein merkwürdiges Thier, welches die Banhaden bewohne und Ähnlichkeit mit einem Guti (Dasyprocta Aguti) habe, sich aber von die- sem durch lange Ohren untei-scheide. Es führe seiner Ähnlichkeit wegen den Namen „Banhaden-Guti", grabe aber keine Höhlen, sondern verber"e sich wie der Prea in den Grasbüschen. Eine Dolichotis kann mit dieser Beschreibung wohl nicht o-emeint sein, und ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn ich diese auf Lepus brasiliensis beziehe. 40) Lepus cuniadus L. Das Kaninchen wird hier und da gezähmt gehalten, wenigstens fand ich es bei deutschen Colonisten. Von seinem Vorkommen in wildem Zustande habe ich nie etwas gehört, obgleich die Gelegenheit zu ver- wildern sehr günstis; wäre. 63 Carnivora.^) 41) Nasua socialis Pr. zu Wied. Dieses Thier ist so häufig in Süd -Brasilien, dafs ich davon ein reiches Material sammehi konnte und nicht weniger als 200 Schädel, zu einigen auch die Skelete, in meinen Besitz brachte. Aus den Vergleichun- gen dieser Schädel wie aus der vielfältigen Beobachtung des Coati im Freien hat sich nun das Resultat ergeben, dafs die alten Männchen dieser Thiere einsiedlerisch leben und als besondere Art, N. solitaria, betrachtet worden sind. Auch der brasilianische Jäger unterscheidet sie als Coati monde' von dem gewöhnlichen Coati de vara, kennt aber ihre Zusammen- gehörigkeit sehr wohl. Unter 'den oben erwähnten Schädeln gehört ein nicht unbedeutender Theil alten Einsiedlern an. Die Männchen vei-lassen in einem bestimmten Lebensalter, d. h. wenn die langen Eckzähne anfangen abge- schliffen zu werden, den Trupp, den sie bisher mit den alten und jungen Weibchen gebildet hatten, und kehren nur in der Paarungszeit zu ihm zurück. Man kann an einem männlichen Schädel mit ziemlicher Genauigkeit erken- nen, ob das Thier seinen Trupp schon verlassen hatte oder nicht. Ein günstiger Zufall wollte es, dafs gerade der gröfste Schädel unter allen, die ich gesammelt habe, von einem Thiere herrührt, welches aus einem gi'ofsen Trupp herausgeschossen worden war. Man hat die Gröfse als besonderen Charakter des Einsiedlers an- sehen wollen, weil man die jungen Männchen bei dem Trupp für aus- gewachsen ansah. Aber erst die Untersuchung der Schädel kann hier entscheiden, und sie zeigt, dafs diese alle noch nicht vollwüchsig sind. Man hat sich auch bemüht, Unterschiede in der Farbe zwischen den bei- den angeblichen Arten zu finden, allein es ist mir nie gelungen, hierin irgend einen Unterschied zu finden, obgleich ich alle Exemplare sorgfältig verglich und selbst mit dem Vorurtheil von zwei Arten den Boden Bra- siliens betrat. Man bemerkt auch niemals einsiedlerische Weibchen; wird aber einmal ein einzelnes Coati -Weibchen gefunden, so ist es vielleicht durch 1) Über die Lebensweise der liier aufgezählten Raubthiere vergl. Zoolog. Gart. 1869—1872. 64 eine Jagd vom ganzen Trupp versprengt worden, odei- der Jäger hat diesen nicht bemerkt, der ganz in der Nähe war. In diesen" Fällen unterscheidet es sich auch weder in Farbe noch Gröfse von den Coatis im Trupp. Aus den von 34 alten männlichen Schädeln eiitnommenen Mafsen ergiebt sich als Maximum der ßas.lg. 126 Mm., als Minimum 112 Mm. und für den normalen Schädel 118 Mm. Bei dem alten weiblichen Schädel betragen dieselben Mafse nach 49 Schädeln 114, 103 und 107 Mm. Es giebt kein zweites der Landraubthiere , bei dem die am Schädel ausge- drückten Geschlechts- und Altersunterschiede so grofs wäre.i wie bei Nasua. Hier entwickeln sich die bleibenden Eckzähne der Männchen erst dann, wenn alle Backenzähne bereits vorli^inden und zum Theü schon etwas abgekaut sind; dann berühren die Lin. semicirc. einander noch nicht, und der Schädel hat noch ganz weibliche Formen. Die Eckzähne bilden sich langsam aus, unterdefs entwickelt sich auch eine Crista sagit- talis. Vollendet wii-d sie jedoch erst, nachdem das Thier bereits Einsiedler geworden ist. Die ungeheuren unteren Eckzähne der Männchen reiben sich jedoch gegen die kleineren oberen nicht eher ab, als bis sie voU- ständig entwickelt sind, und zwar wird es «ladurch hervorgebracht, dafs der untere Eckzahn, der ohnedies einen Bogen bildet, an seinem Wurzel- ende innerhalb des Kiefers nach vorn rückt; dadurch rückt die Spitze der Krone nach hinten, und zwai- gegen den oberen Eckzahn, dem er bisher fast parallel gewesen war. Die Krone des unteren Eckzahnes ist nn nicht abgekauten Zustande flach, breit, an der Spitze stumpf abgerundet. Anfangs wird nur die hintere Kante abgerieben, dann hat der Zdin noch seine Länge, wird aber aufserordentlich spitz. Später schreitet die Ab- kauung immer weiter vor, und nun ninnnt die Länge der Krone von der Spitze her ab. Der Zahn wird kürzer, behält aber seine scharfe Spitze, wie der untere Eckzahn des Schweines. Ein weiteres Nachwachsen des Zahnes findet jedoch nicht statt, da seine Wurzeln schon geschlossen sind, wenn die Abreibung beginnt. Die kleinen Eckzähne des Weibchens reiben einander nicht in dieser Weise ab. Bei diesem entwickelt sich niemals eme Crista sagittalis, während -lie des alten Männchens ungewöhnlich grofs wd. Die gröfste Annäherung der Lin. semicirc, welche ich bei dem Weibchen beobachtet habe, betrug 7 Mm. und zwar in der Nähe der 65 Kronennaht bei einem alten Schädel mit 110 Mm. Bas. lg. Ungeachtet der grofsen Geschlechtsdifferenzen im bleibenden Gebifs sind solche im Milchgebifs doch nicht zu bemerken, man erkennt dann die männlichen Schädel nur an den Anschwellungen, die sich schon in früher Jugend an den Kiefern für die Eckzähne bilden und die namentlich am Unter- kiefer am deutlichsten sind. Die Zahl der bisher aufgestellten Nasua-Arten ist nicht unbedeu- tend. Mit einer Ausnahme habe ich über dieselben kein Urtheil. In Rio de Janeiro sah ich einige Male Exemplare in gezähmtem Zustande, die sich durch ihre röthliche Farbe auszeichneten und wahrscheinlich aus Bahia oder Pernambuco dahin gebracht waren. Vielleicht stellten sie die Nasua rufa Desm. vor. Mir schienen sie sich von der südlichen Nasua nur dadurch zu unterscheiden, dafs bei ihnen das Gelb des Pelzes einen röthlichen Ton angenommen hatte. Dies ist nicht unmöglich, denn Gelb und Roth gehen schon individuell in einander über, wie ich bei Mycetes und Sphiggurus erwähnt habe, warum nicht also auch klimatisch? So viel dürfte wohl aus meinen Mittheilungen über N. socialis hervorgehen, dafs bei Beschreibung anderer Arten Hinweise auf N. so- cialis, selbst Vergleich ungen der Schädel und Gebisse, wenn man nicht Geschlecht, Alter und individuelles Variiren berücksichtigt, ohne allen Werth sind. Anders verhält es sich mit N. leucorhynchus Tschudi. Ich verdanke Herrn Dr. v. Frantziusi) die Gelegenheit, 3 Schädel dieser Art, cf, 9 und juv. von Costarica untersuchen zu können, und habe mich überzeugt, dafs diese Art von N. socialis verschieden ist. Die beiden alten Schädel sind zwar am Foram. occip. mg. beschädigt, doch sieht man, dafs ihre Länge etwa der der kleinsten vollwüchsigen Schädel der N. socialis gleichkommt. Sie messen nämlich von den Alveolen der mittleren oberen Schneidezähne bis zum Proc. styloid. des Hinterhauptes 111 resp. 102 Mm. Die Breite an den Jochbogen beträgt 78 und 611 Mm. Bemerkenswerth ist, dafs beide 1) A. V. Frantzius, die Säugethiere Costaricas, in Troschel's Archiv für Naturg. XXXV. Jahrg. Bd. I. 1869 p. 293. Abhdl. der phys. Kl. 1872. Nr. 1. 9 66 Schädel, der inäiniliche wie der weibliche in gleichem Verhäitnifs zu den Schädehi beider Geschlechter der N. socialis stehen, so dafs man wohl annehmen darf, N. leucorhynchus ist in beiden Geschlechtern kleiner als N. socialis. Damit hängt auch zusammen die gröfsere Rundung des Schä- dels und die geringere Entwicklung seiner Leisten und Kanten, besonders der Crista sagitt. Da der Gesichtstheil des Schädels kürzer ist, so stehen auch die Backenzähne, besonders die Prämolaren, dichter. Dabei aber sind als wesentlichster Charakter die Mahlzähne gröfser als bei N. socialis. Am deutlichsten wird dieses aus folgender Tabelle, in welcher der weib- liche Schädel der N. socialis eine Bas.lg. von 103 Mm. hat, also ungefähr ebenso grofs ist wie der Schädel der N. leucorh. gleichen Geschlec^its. Durchmesser der Krone der unteren Backenzähne in der Iiichtung des Kiefers von p4 .. p3 . p2 - Pi - mi .. m2 - ni2 -pi <^ 2 Mm. 3,3 Mm. 3,0 4,6 4,5 5,3 5.3 7,3 7,3 8,3 8,7 8,3 8,0 23,8 24,c ! Mm. 2,6 4,5 5,4 7,1 7,1 7,1 21,3 ^y\ letzten Backen- bei X. socialis 1 aus der letzten Zeile sieht, sind die drt Zähne bei N. leucorhynchus nicht unwesentlich stärker l.. und zwar sind sie es nicht blofs im sagittalen, sondern auch im frontalen Durchmesser. Die \\Thältnisse der oberen Zähne sind entsprechend. \an der lloeven i) hat den Schädel emer Nasua abgebildet, der, wie aus der Abbildung, 1. c. Fig. 1, hervorgeht, einem jungen Männchen angehört. Die Eckzähne sind schon entwickelt, aber ihre Abnutzung hat noch nicht begonnen, dem entsprechend hat sich eine eigentliche Crista sagittalis noch nicht ausgebDdet. Ich glaube, dafs dieser Schädel nach sehier Form wie den Verhältnissen der Backenzähne, 1. c. Fig. 4 u. 6, zu schliefsen zur N. leucorhynchus gehört. Das Museum zu Leyden könnte ') -Vd.ioiatioiies de quibusdam mammaliuni generibus. Nova Acta Acad iiat cur Vol. XIX. P. I. p. 18,1. Tab. XX. fig. 1, 4 u. 6. 67 darüber vielleicht Auskunft ertheilen. Namentlich wäre es von Interesse, das Vaterland des Schädels zu ermitteln, da N. leucorh. wahrscheinlich die nördlichste Nasua-Art ist, und auch die von Weinland (Zool. Garten 1860 u. 1862) nach dem Leben abgebildete Nasua aus Mexico hierher zu rechnen ist. Über die Lebensweise des Rüsselbären vergl. Zool. Gart. 1869. 42) Procyon eancrivorus Desm. Von diesem nicht seltenen, aber sehr schwer zu erlangenden Thiere wurden 2 weibliche erwachsene und 2 jugendliche Skelete nebst 8 ein- zelnen Schädeln und 2 jungen Thieren in Spiritus gesammelt. Das Skelet eines grofsen männlichen Thieres, welches in toto 18 Pfd. pr. gewogen hatte, ging mir leider verloren. Bei diesem Thiere treten Geschlechts- und Alterscharaktere sehr unbedeutend auf, da der Schädel sehr rundlich ist, und starke Muskel- kämme an demselben sich nicht ausbilden. Ein angeblich männlicher Schädel hat eine ßas.lg. von 114 Mm., ein angeblich weiblicher eine solche von 118 Mm. Zwei von mir selbst gesammelte weibliche Schädel sind 113| und 106 Mm. lang und drei weibliche Schädel, an denen aber noch die Sut. sphen. basil. sichtbar ist, sind 112, 107-1- und 100 Mm. lang. An dem zuerst erwähnten angeblich männlichen und sehr alten Schädel beginnt eine schwache Crista sagittalis ziemlich dicht hinter den Proc. zyg. der Stirnbeine, löst sich aber in der hinteren Hälfte des Schä- dels noch einmal in eine lange schmale Fläche auf. Bei den übrigen Schädeln kommt es gar nicht zur Entwicklung dieser Crista. Von Procyon lotor stehen mir nur zwei alte männliche Schädel zu Gebote von 101,8 mid 100,o Mm. Bas.lg., und zwar von Thieren, die in der Gefangenschaft gelebt haben und wahrscheinlich auch in dieser geboren wurden. Sie sind also für eine Ermittelung der normalen Gröfse nicht mafsgebend. Die Unterschiede im Gebifs dieser beiden Arten sind bekannt. Ich bemerke nur noch, dafs ich Exemplare des Procyon eancri- vorus gesehen habe, die in Farbe und Habitus ganz dem P. lotor glichen, während andere einige Verschiedenheiten in der Färbung und Zeichnung zeigten. 43) Felis onza L. Diese gröfste Katze Amerikas findet sich nicht häufig in RioVirande do bul, und vvenn man auch nicht selten von ihr erzählen hört so kommt das vvohl mehr davon her, dafs ein einzelnes Individuum oder 1 aar oft m grofsem Umkreise von sieh reden macht. Gesammelt wurden nur 4 Schädel, 2 c^ und 2 5 Der eine m-inn hche und zwar der gröfste und älteste ist zu defect, um eine Mes^un. der Länge zu erlauben. Im National-Museum zu Buenos Aires konnte ich 3 Schädel vergleichen und im Berlin. Anat. Mus. deren zwei (N 3677 u. 4905). Diese 5 Schädel sind ohne Zweifel männlich nach Gröfse und Entwicklung der Cristen. Sie geben folgende Mafse für die Bas hr ^. 247, 215, 212, 200, 199, 198 Mm. und 9: 184, 182 Mm., wobei ^1 3 u. 4 aus Buenos Aires, 2 u. 6 aus Berlin sind. Von ganz besonderem Interesse ist der gröfste der gemessenen Schädel, der eine so kolossale Gröfse besitzt, dafs Herr Burmeister mir ausdrücklich versichern mufste derselbe gehöre einem Jaguar an, w.il ich ihn sonst für den abweichend gebauten Schädel eines Löwen gehalten hätte. Er ist an den Jochboc^en 215 Mm. breit. Um ein Mafs für die Vergleichung zu geben, führe kh an, dafs der kleinste von mir gemessene Schädel der Felis ti-ris (Berlin Anat. Mus. N. G896), ohne Zweifel weiblich und wahrscheinlich von Java' eine Bas.lg. von nur 218 Mm. hat. Ähnlich wird wohl auch das Ver- hultnifs vom Jaguar zum Löwen sein, so dafs sich der Gröfse nach zwi- schen den Katzen der alten und neuen Welt keine Lücke ergiebt. Das National-Museum zu Buenos Aires würde sich ein besonderes Verdienst um die Wissenschaft erwerben, wollte es Gipsabgüsse jenes Schädels autertigen und an die Europäischen Museen vertheilen. Sie wurden wissenschaftlich wenigstens ebenso werthvoll sein wie die Ab- güsse der Reste fossiler Thiere, und können nur ei.Hlringlicher warnen vor dem Mifsbrauch der Schädel für zoologische Untersuchungen bei un- zureichendem Material. 44) Felis conrolor L. Der Cuguar ist vielleicht häufiger als der Jaguar, allein er lebt mehr verborgen im Dickicht des Urwaldes und macht sich nicht durch Kaubereien so bemerkbar wie dieser. 69 Gesammelt wurden nur 1 Skelet und 2 Schädel, sämmtlich weib- liche. Aufserdem wurden 1 Schädel im National-Museum zu Buenos Aires und deren 7 im Berlin. Anat. Mus. verglichen. Ihre Bas.lg. beträgt: 192, 186, 177, 173, 161, 155, 154, 151, 146, 146 (Buenos Aires) und 135 Mm., worunter 1 — 7 aus dem Berlin. Anat. Mus. sind. Der Schädel von Buenos Aires ist ohne Bedenken als weiblich anzusehen, seine Crista sagitt. ist sehr schwach und höchstens 25 Mm. lang. Bei den Schädeln 1 — 7 im Berlin. Anat. Mus. findet sich keine Angabe des Geschlechts, doch unter- liegt es keinem Zweifel, dafs 1 — 5 männlich sind, die anderen beiden aber weiblich, um so mehr als der nächstfolgende Schädel von 151 Mm. Bas.lg., von mir gesammelt, weiblich ist, aber durchaus nicht auf ein sehr grofses Individuum hinweist. Alle Schädel sind als vollwüchsig an- zusehen. Wir erhalten somit aus der kleinen Zahl der gemessenen Exem- plare 192 und 161 Mm. als die Extreme der Bas.lg. für den männlichen, 155 und 135 Mm. für den weiblichen Schädel. Natürlich wird ein rei- cheres Material die Grenzen erweitern, allein schwerlich in grofsem Ver- hältnifs. Sehr lehrreich sind hier wieder das Maximum und Minimum der Länge. Jenes zeigt, dafs auch der männliche Cuguar den weiblichen Jaguar in der Länge des Schädels erreicht. Von den Schädeln des Berlin. Anat. Mus. mufs bemerkt werden, dafs die gröfseren unter ihnen nachweishch aus Chile stammen oder we- nigstens über Chile nach Europa gelangt sind, also vielleicht auch aus den westlichen Pampas bis Mendoza herrühren. Dies stimmt mit den Angaben der Reisenden überein, wonach der Cuguar in den Cordilleren aufserordentlich grofs und selbst den Menschen gefährlich werden soll. In Waldregionen von Rio Grande do Sul ist er viel schwächer und durchaus nicht gefürchtet, selbst die Hunde greifen ihn ohne Zaudern an und kämpfen mit ihm. Hier wird er nur zuweilen jungen Pferden und Maul- thieren gefährlich. Was den kleinsten der oben gemessenen Schädel betrifft, so ist zu erwähnen, dafs sein defecter Zustand ein directes Messen der Länge nicht gestattet hat, diese also aus anderen Dimensionen mit Vergleichung des nächst gröfseren Schädels hat berechnet werden müssen. An ihm beträgt die Entfernung vom vorderen Rande der Alveole des Eckzahnes bis zur Gelenkgrube für den Unterkiefer 97 Mm. 70 Die Schädel dieser beiden gröfsten Katzen Amerikas sind, abge- sehen von der verschiedenen Form, auch durch das GebiTs unterschieden, denn selbst dieser gröfste Cuguar hat viel kleinere und feinere Eckzähne als der absolut kloincro Jaguar. 45) Felis 2)ardaJis L. Theilt man die Katzen Amerikas nach der Grülse in zwei Gruppen, so gehört der Ozelot noch zu den grofsen Arten. Mit ihm beginnt die Reihe der gefleckten Katzenspecies der neuen Welt, in deren Systematik noch eine grofse Verwirrung herrscht. Von einer Benutzung osteologi- scher Merkmale selbst des Schädels ist bei Begründung der Arten niemals die Rede gewesen, es sei denn, dafs man die blofse Abbildung eines Schä- dels schon als dessen wissenschaftliche Verwerthung ansehen will. Dafs das bunt gefleckte Fell dieser Katzen -Arten vielfacher Variationen fähig ist, läfst sich wohl a priori voraussetzen, schlimmer noch ist, dafs uns jeder Mafsstab fehlt, die Grenzen dieser Variabilität zu bestimmen. Wenn ein Individuum mit einzelnen Flecken gezeichnet ist, bei einem anderen diese in Streifen zusammengeflossen sind, so sind wir ebenso wenif be- rechtigt, die Formen in eine zusammenzuziehen, wie dieselben nur als Extreme des Variirens anzusehen. Uns fehlt, wie gesagt, jeder Mafsstab zur Beurtheilung. flier vermag allein die Berücksichtigung des Skeletes und Schädels uns zu uriLiitiren. Da der Ozelot oder die Jaguatirique in Rio Grande do Sul nicht selten ist, so gelang es mir, 5 Skelete (3 c^ , 2 2 ) und 9 einzelne Schädel dieser Art, unter diesen 5 d und 2 9 vollwüchsige, die beiden übrigen junge, zu sammeln. Die Bas.lg. für die erwachsenen männlichen Schädel ist: 136, 129, 12(3. 126, 124, 124. 1231. 122 u. 121 Mm. Unter diesen Schädeln ist der zweite in der Reihe (129 Mm.) im Besitz des Herrn Dr. Gerstäcker und rührt von einem Thiere aus einer Menagerie her. Er zeichnet sich durch besonders grofse Muskelkämme aus. Die Bas.lg. für die weiblichen Thiere beträgt 119. 1U9. 107 imd 106 Mm. Aufserdem kuunte ich uuch drei Schädel (Berlin. Thiei-arznei- sclnde X. 4414 un die nur frech genug sind, dem Jaguar auf den Leib zu rücken, während dieser den kleinen Gegner verachtet und sein Augenmerk mehr auf die gröfseren Hunde richtet, die trotz ihres wüthenden Gebelles doch in re- spectvoller Ferne bleiben. Eine einzige wirkliche Rasse gicbt es aber in Brasilien, das ist die Rasse der „Rehhunde". Im dichten Urwalde leben drei Arten der kleinen Spiefshirsche, zu deren Jagd man eines leichten, flüchtigen und ausdauern- den Hundes bedarf, der mit dem feinsten Gerüche begabt sein mufs. Dem- gemäfs hat der Rehhund eine mittlere Gröfse, etwa wie ein Schäferhund, einen ziemlich langen spitzen Kopf, sehr grofse, spitze aufrechtstehende Ohren, eine tiefe Brust und hoch hinaufgezogenen Bauch. Die Muskulatur ist aufserordentlich kräftig und der ganze Habitus, wie man etwa einen glatthaarigen Bastard von Windhund imd Schüferhund sich vorstellen würde; ja manche Hunde haben ein Aussehen, dafs man ihnen f Blut des Windhundes zuschreiben könnte, und doch hat keine Kreuzung mit diesem stattgefunden, der sich wahrscheinlich nirgends in Brasilien vorfindet, ganz sicher aber in den Crwaldregionen fehlt. Vom Windhunde unterscheidet sich aber der Kehhund durch schien feinen Gerucii und ilic Gcwulmlieit 79 langsam und laut auf der Fährte zu jagen. Speciellere Notizen über den Haushund Brasiliens habe ich im zool. Gart. 1872, p. 1 — 7 u. 33 — 39 mitgetheilt. 52) Ca7iis jubatus Desm. Von diesem seltenen Thiere konnte ich nur ein etwas defectes Skelet sammeln, dessen Schädel wohl noch nicht als vollwüchsig zu be- trachten ist. Ich theile daher die Mafse zweier Schädel mit, die sich im Anat. Mus. zu Berlin befinden, und deren kürzerer durch Herrn v. Olfers gesammelt worden ist. Er ist 197 Mm. lang und 127 Mm. breit, der andere 198 Mm. lang und 117 Mm. breit. Der erstere Schädel hat eine ungemein hohe ci'ista sagitt. Nach Burmeister (Erläuterungen etc. p. 27) gleicht der Schädel des C. jubatus mehr dem eines grofsen kräftigen BuUenbeifsers, als dem des europäischen Wolfes. Hier kann nur ein Irrthum zu Grunde liegen, denn ich finde den Schädel des C. jubatus dem eines Windhundes aufserordentlich ähnlich , so dafs ein Unkundiger ihn unfehlbar dafür erklären würde. In der That ist der Guara nichts Anderes als ein von der Natur hervorgebrachter Windhund, und es ist von grofsem Interesse einen Vergleich zwischen ihm und dem gleich- namigen Producte menschlicher Züchtung anzustellen. Die Natur, welche nicht so einseitig züchten darf, wie der Mensch, da ihre Producte stets durch eigene Kraft existenzfähig bleiben müssen, hat die grofse Schnellig- keit des Guarä dui-ch Verlängerung der Beine und zwar des Metacarpus und Metatarsus erreicht, daher das Thier eine nach unsern Begriffen monströse Gestalt besitzt. Im National -Museum zu Buenos Aires sah ich ein ausgestopftes Exemplar, welches an Gröfse keinem europäischen Wolfe nachstand. Frei- lich läfst sich nicht beurtheilen, in wie weit bei dem Ausstopfen eine Dehnung des Felles Statt gefunden hat. 53) Ca7iis Azarae Fr. z. Wied. Gesammelt wurden 3 Skelete und 3 Schädel männlichen Geschlechts, 2 Skelete und 13 Schädel weiblichen Geschlechts, alle vollwüchsig, und aufserdem 7 junge Schädel mit den Milchzähnen in verschiedenen Stadien der Ausbildung und einige junge Individuen in Spiritus. Bei allen Indi- viduen wui'de der äufsere Habitus und die Farben verglichen. Dieses 80 nicht milicti-äclitlicho ^^ate^i<1l liat in mir die Ueberzcugiuig l)efestigt. dafs wir uns in Betreff der T'ntersclieidung der südamerikanischen Hunde- arten in einer trostlosen Verwirrung Ix'finden, denn es würde nicht schwer fallen, aus den oben aufgezählten Exemplaren wenigstens 3 oder 4 Arten zu machen, wollte man nur die Prinzipien anwenden, die sonst bei der Aufstellung neuer Arten Geltung haben. Die gewöhnliche Färbung ist folgende : die Ohren sind aufsen ein- farbig gelblich. Oberseite der Schnauze rüthlich gelb. Nase schwarz, neben dieser, jederseits eine helle weifsliche Stelle, die bis zu den schwarzen Schnurrborsten reicht. Unterseite des Unterkiefers bis hinter und um den Mundwinkel rauchgrau. Oberseite des Kopfes gelbgrau, über jedem Auge ein etwas weifslicher Fleck. Die Farbe des Rückens aus gelb und schwarz gemischt, da jedes Haar vor der schwarzen Spitze eine gelblich weifse Stelle hat. An jedem Grannenhaare des Rückens ist fast die ganze untere Hälfte weifs oder weifslich, darüber ]- des Haares schwarz, 1 weifs mit gelblichem Ende, 1 (die Spitze) schwarz. Die Unterseite des Körpers ist graulich weifs bis weifs, zwischen den Schultern auf der Brust ein röthlicher Fleck; die Aufsenseite der Vorderbeine vom Ellen- bogen bis zum Handgelenk gelblich, wie angebrannt; ein ähnlicher mehr bräunlicher Fleck auf der Mitte der Aufsenseite des Unterschenkels. Die Zehen besonders an der Sohle und Ilinterseite etwas bräunlich grau, an den Hinterfüfsen etwas dunkler. Der Schwanz ähnlich dem Rücken, an der Spitze schwarz, dicht hinter der Basis des Schwanzes ein dunkler Fleck, die Viole. Hier fehlt die Grundwolle, und die sonst hellen Haare sind an der Spitze schwarz. Unter der Haut, die hier ebenfalls dunkler ist, befindet sich eine Drüsenmasse, doch war ein Ausführungsgang nicht zu bemerken. Diese Färbung erleidet nun die mannichfachsten Veränderungen, je nachdem die eine oder die andere Farbe an den einzelnen Haaren vorherrscht. Im National-Museum zu Buenos Aires steht ein ausgestopftes Exemplar an dem das Schwarze der Haarspitze so vorherrscht, dafs das ganze Thier fast schwarz aussieht. Zuweilen ist das ganze Thier gi-au und nur der Kopf gelblich, mitunter kamen auch Thiere vor, die bei uns auf einer Jagd erlegt unbedenklich für Canis vulpes würden gehalten werden. Constant scheinen zu sein die schwarze Spitze des Schwanzes, 81 der dunkle Fleck der Viole und der brandbraune Fleck auf der Aufsen- seite des Unterschenkels. Die 6 erwachsenen männlichen Schädel haben eine Bas.lg. von 125, 126J, 127, 129, 135 und 139 ?j Mm. Dieser letztere sehr grofse Schädel ist an den Jochbogen 79 Mm. breit. Die 15 weiblichen Schädel variiren in der Bas.lg. zwischen 118|^ und 131 Mm. Die normale Länge beträgt 127 Mm. Um einen Mafsstab für das Verhältnifs der Gröfse zu geben, be- merke ich, dafs der gröfste Schädel des Canis vulpes unter etwa 80 Schä- deln, die ich in Deutschland gesammelt habe, eine Bas.lg. von 142-1^ Mm. hat, also immerhin merklich gröfser ist, als der eines grofsen C. Azarae. Ein kräftiger und jedenfalls männlicher Schädel des canis magellanicus (Berlin. Anat. Mus. N. 15220) ist an der Basis nur 140|^ Mm. lang, er- reicht also nicht das Maximum bei Canis vulpes. Man hat bei Unterscheidung der Hundearten Südamerikas sehr grofsen Werth auf die Verhältnisse des Gebisses gelegt. Ich gebe daher in Folgendem die Mafse für die Zähne zweier weiblichen Schädel, von denen der voranstehende, «, eine Bas.lg. von 127 Mm., und das schwächste Gebifs, der zweite, b, eine Bas.lg. von nur 122^ Mm. und das stärkste Gebifs unter allen von mir gesammelten Schädeln des C. Azarae hat. Die klein- sten Zähne sind nicht gemessen i). Im Oberkiefer: Im Unterkiefer: a h a b p3 lang Mm. 7,20 Mm. 6,85 p2 lang Mm. 7,80 Mm. 7,90 breit 2,30 3,15 breit 2,60 3,30 p2 lang 7,70 8,50 pi lang 8,75 9,05 breit 2,45 3,50 breit 3,75 4,60 pi lang 12,70 12,85 milang 14,15 14,95 breit 4,90 5,75 breit 5,55 6,35 mi lang 9,40 10,60 m2 lang 7,40 8,30 breit 11,50 12,05 breit 5,35 6,60 m2 lang 6,70 7,10 breit 8,15 9,05 1) Hier wie in allen andern Fällen ist bei den Backenzähnen mit „Länge" der sagittale Durchmesser der Zahnkrone, mit „Breite" der frontale Durchmesser derselben bezeichnet. Abhdl. der phjs. Kl. 1872. Nr. 1. 11 82 Solche Differenzen, wie sie hierbei zu Tage treten, finden sich bei C. vulpes nicht. Von diesem unterscheidet sich der C. Azarae auch durch die kleineren Eckzähne, die etwas an die des Schakals erinnern, aber die Schlankheit der Eckzähne des Canis vulpes besitzen. Ein weibliches Exemplar, dessen Schädel 129 Mm. Bas.lg. besitzt, zeigte folgende Mafse: Länge des Darmkanals vom Magen bis After 2410 Mm. vom Coecum bis After 430 Mm. Länge der durchschnittenen Wirbelsäule vom Atlas bis 1. Schwanzwirbel 510 Mm. Ganze Länge des Thieres von der Nase bis zur Schwanzspitze (ohne Haar) 960 Mm. 54) Galictis harbara Wagn. Diese Art ist eine von den wenigen Species, welche selten verkannt worden sind. Die Farbe variirt vom hellen Chocoladenbraun bis Schwarz- braun, der Kopf ist meist, aber nicht immer, viel heller als der Körper, zuweilen hellgrau. Der Fleck an der Kehle gelb oder weifs. Gesammelt wurden von mir 8 männliche und 15 weibliche Schädel, zu je 2 derselben noch die Skelete, aufserdem zwei junge noch blinde Thiere in Spiritus. Damit konnte ich noch 3 Schädel , 2 c? und 1 2 , vergleichen, welche mir gehören und wahrscheinlich aus Venezuela sind. Sie rühren nämlich aus der Sammlung des verstorbenen Naturalienhändlers EdmüUer her, welcher stets Verbindungen mit Venezuela hatte. Ferner besitzt das Anatom. Mus. zu Berlin noch 4 Schädel, deren 3 von Herrn v. Olfers gesammelt worden sind, also wahrscheinlich aus der Gegend von Rio de Janeiro stammen. Unter diesen männlichen Schädeln befinden sicli nur 4, welche als vollkommen ausgewachsen und entwickelt zu betrachten sind. Ihre Bas.lg. beträgt 10G,i, 107,7, 111, i Mm. (der 4. ist defect). Der letzte, ein ur- altes, kolossales Exemplar ist an den Jochbogen 79, i Mm. breit. Unter den weiblichen Schädeln befinden sich 13 alte und entwickelte. Der gröfste derselben ist 104,3 Mm. lang und 71,5 Mm. breit, der kleinste, ein sehr altes Exemplar, nur 95,6 Mm. lang. Die männlichen Schädel haben stets eine bedeutende Crista sagittalis. Sie ist bei den 3 obigen Schädeln (in derselben Reihenfolge) 58, 66| u. 68 Mm. lang. Die weiblichen Schädel haben nur eine kurze Crista, die längste beträgt etwa 45 Mm. bei einem Schädel mit 97,0 Mm. Bas.lg. Oft fehlt sie ganz, indem die Lin. semicirc. einander nicht 83 berühren. Bei einem Schädel mit 100,2 ßas.ig. bleiben sie sogar 20 Mm. von einander entfernt, der gröfste von mir betrachtete Abstand. Die normale Bas.lg. des weiblichen Schädels beträgt 98 Mm. Ein ganz besonderes Interesse hat diese Art dadurch, dafs sie ein merkwürdiges Schwanken in der Zahl der Backenzähne zeigt. Unter den 28 verglichenen Schädeln (einem Schädel fehlte der Unterkiefer, ein an- derer hatte noch das Milchgebifs) befinden sich nämlich nur 12, welche jederseits die regelmäfsige Zahl der Backenzähne, d. h. oben 4 unten b, haben, also ~\. Folgende Tabelle drückt das Verhältnifs übersichtlicher aus: Zahl der Schädel. Zahl der Backenzähne. links, rechts. 12 H4 6 '~-\ 3 H4 2 |-^ 1 h^. 1 1^ 1 I-H 1 H4 1 f-H In allen Fällen liegt die Ursache des Variirens in den kleinen Prä- molaren zunächst hinter dem Eckzahn. p3 fehlt zuweilen oben oder unten, zuweilen rechts oder links oder selbst auf beiden Seiten. Sind nun auch unter diesen Fällen solche, in denen der Zahn vor Alter ausgefallen und selbst noch der Rest einer Alveole zu sehen ist, so kommt dagegen der Mangel des Zahnes auch bei solchen Schädeln vor, die noch ganz jugend- lich und mit völlig intactem Gebifs versehen sind. Namentlich der Schädel mit der Formel \^ ist noch so wenig entwickelt, dafs selbst die Kronen der Eckzähne noch nicht ganz aus den Kiefern hei'vorgebrochen sind. Auch eine Vermehrung der Zähne findet sich einmal durch einen Zahn p4 in jedem Oberkiefer. Die Gattung Foetorius unterscheidet sich bekanntlich von Mustela dui'ch den Mangel des vordersten Prämolarzahnes, und zwar ist dieser Unterschied wenigstens bei den europäischen Arten jener beiden Gattungen 11'" 84 ein sehr beständiger, so dafs das Verscliwinden des Zahnes p4 bei Foeto- rius in eine viel frühere Zeit gesetzt werden mufs. In der GaUctis har- bara aber sehen wir nun eine Species, welche wahrscheinlich im Begriff ist, in unserer Zeit ihre Zahnformel zu ändern und sich aus einer Species mit der Formel ^ ' ""' " ' für die Backenzähne zunächst in eine p3, p2, pi, mi, ma solche mit J_ ' 1 '' r > ^.a verwandeln. Natürlich kann eine solche Uni- pa, pi, mi, m2 Wandlung erst dann eintreten, wenn der betreffende Zahn durch Kleinheit bedeutungslos geworden ist, und auch dann fehlt er anfangs nur in dem Kiefer der einen Seite, bis der Mangel sich nach und nach regelmäfsig auf beide Hälften der Kinnladen ei-strecken wird. 5G) Galictis viltata Bell. Diese schöne Musteline bewohnt besonders die südlichen Campos. Im Urwalde findet sie sich selten, entgeht wohl auch hier gewöhnlich den Nachstellungen. Gesammelt wurden von mir 5 Skelete, 4 cf und 1 2, aufserdem 3 einzelne Schädel, die jedoch noch nicht als vollwüchsig zu betrachten sind. Unter den männlichen Schädeln besitzen 3 erwachsene eine Bas. lg. von 70,2 73, g 73,6 Mm. Ein Schädel im Anat. Mus. zu Berlin (N. 17007), ohne Zweifel J", ist 82,o lang. Der alte weibliche Schädel mifst 6G,i Mm. Ein anderer Schädel desselben Geschlechts, der wahr- scheinlich aus Centralamerika oder dem nördlichen Südamerika stammt, ist 79,5 Mm. lang. Seine Länge ist mithin eine so bedeutende, dafs ich ihn unbedingt für männlich halten würde, hätte ich mich nicht durch eigene Untersuchung der Eingeweide des Thieres von dessen Geschlecht überzeugt. Es scheint somit, als erreiche dieses Raubthier in den tro- pischen Gegenden eine bedeutendere Gröfse. Wie man schon aus diesem geringen Material sieht, ditleriren die Geschlechter in der Gröfse, und auch die individuellen Abweichungen innerhalb desselben Geschlechtes sind sehr wesentlich. Das Skelet hat 20 Rückenwirbel, d. h. 15 rippentragende und 5 rippenlose Lendenwirbel. Der diaphragmatische Wirbel ist nicht sehr deutlich, vielleicht ist der 18. Wirbel als solcher anzusehen, allein auch der folgende ist ihm sehr ähnlich, und eigentlich fällt die Grenze von 85 vorn und hinten in der Wirbelsäule zwischen den 18ten und 19ten Wirbel. Schwanzwirbel sind 20 — 21, doch ist der einundzwanzigste sehr undeutlich. Über die Lebensweise des „Furäo" vergl. Zool. Garten 1869. In der Leibeshöhle eines Exemplares fand ich einen grofsen Strongylus gigas. Merkwürdig ist noch eine dicke Drüsenlage, welche den Schwanz des Thieres und zwar an der basalen Hälfte auf der Oberseite, nach der Spitze zu aber ringsum umgiebt. Aus der Familie der Stinkthiere sind mir in Süd-Bi-asilien zwei Species begegnet, für deren Bestimmung man blofs auf die höchst variable Zeichnung des Pelzes angewiesen ist, da die osteologischen Charaktere dieser Gattung noch niemals hinreichend untersucht sind. 56) Thiosmiis chilensis Licht. Gesammelt wurden aus dem männlichen Geschlecht 2 Skelete und ein defecter Schädel, aus dem weiblichen 1 Skelet, 2 vollständige Schädel und ein defecter. Alle Exemplare waren alt, zum TheU sehr alt. Die Grundfarbe ist mehr oder weniger glänzend schwarz. Die vorherrschende Zeichnung ist folgende: auf der Stirn entspringen zwei weifse Streifen, die an ihrem Ursprünge vereinigt sind, dann aber von einander getrennt etwa bis zur Mitte des Schwanzes verlaufen. Von da ab sind die weifsen und schwarzen Haare des Schwanzes gemischt. Bei einem Exemplare waren die weifsen Streifen schmal und verschwanden schon in der Gegend der letzten Rippen. Der Streifen der linken Seite war auch längs des Halses unterbrochen. Wahrscheinlich ist eine solche Abänderung nicht Folge des Alters sondern nur individuell. Die Breite der weifsen Streifen variirt ziemlich bedeutend, doch haben sie wohl niemals mehr als Daumenbreite. Die beiden männlichen Schädel haben eine Bas.lg. von 71,i und 68,2 Mm. und sind an den Jochbogen 51,4 und 51,2 Mm. breit. Die Bas.lg. der weiblichen Schädel beträgt 66,5 — 66,o und 64,4 Mm. Ihre Bx-eite 45,7 — 46,7 imd 45,7 Mm. Dieses Stinkthier findet sich nur im nördhchen Theile von Rio Grande do Sul, also auf dem Hochlande der sogenannten Serra. Es bewohnt dort die Waldränder der Campos, geht aber nicht in den Wald hinein. 86 57) Thio»mns siiffocans Lichtst. Gesammelt wurden vom männlichen Geschlecht 1 Skelet und ein einzelner Schädel, vom weiblichen ein ganzes Thier in Spiritus, 2 Skelete, 4 einzelne vollständige und ein defecter Schädel. Alle Exemplare sind alt oder sehr alt. Die Bas.lg. bei jenen beträgt 67,8 und 63,5 Mm., ihre Breite an den Jochbogen 49,3 und 47,GMm. ; bei den weiblichen Schädeln ist die Länge G2,3 — G2,2 (45,8) — 01,2 — 60,8 (45,8) — 60,4 — 59,: (42, i) und 59,2 (43,4) Mm. Die Zahl in der Klammer giebt die Breite an den Jochbogen an. Die Grundfarbe ist nicht so glänzend schwarz wie bei der vori- gen Art, sondern oft mehr schwarzbraun, nach unten selbst mit einer Beimischung von grau. Das gröfste Exemplar (Schädel 67,8 Mm. lang) war von der Nasenspitze bis zur Schwanzspitze (ohne deren Haar) 560 Mm. lang. Die nackte Nase, die Haut der wenig behaarten Füfse und die Krallen waren weifs. Das Vordertheil des Körpers, besonders auf dem Kopf und Genick schmutzigbraun, nach hinten schwarzbraun. Der weifse Streifen quer auf der Stirn und an den Seiten des Rückens sehr schmal, endet schon an der Basis des Schwanzes, der die Farbe des Rückens hat. Der ganze Bauch wenig behaart, fast nackt. Bei einem anderen Exemplare waren die weifsen Streifen viel deutlicher (doch werden sie niemals so breit wie bei der vorhergehenden Art), auch auf dem Schwänze zeigten sich einzelne weifse Haare, seine Spitze aber war ganz weifs. Zuweilen sind die weifsen Streifen ganz schmal und enden schon in der Sacralgegend. Bei einem Exemplar fehlten die Streifen sogar ganz, nur befanden sich auf dem Scheitel einige kleine undeutliche Flecke. Die Zahl der Schwanzwirbcl beträgt 18 oder 19, die der Rippen lO + G, der 2 Iste Wirbel ist der diaphragmatische; rippenlose Lenden- wirbel finden sich 5 und Kreuzbeinwirbel 3. Dieses Stinkthier findet sich nur in der Tiefebene von Rio Grande do Sul, also südlich von der Serra und von dieser durch den terrassen- förmigen Urwald getrennt. Es geht ebenfalls nicht in diesen, sondern bewohnt nur die AValdränder an den Campos. Im Westen scheint es häufiger zu sein als im Osten, denn fast alle Exemplare erhielt ich bei der Colonie St. Cruz, nördlich von der Stadt Rio Pardo, und etwa 87 25 Meilen östlich davon, bei S. Leopolde, wurde nur ein einziges Thier gefangen, welches selbst alten Bewohnern der Gegend, Leuten, die schon seit 30 Jahren hier wohnten, unbekannt war. Man möchte glauben, dafs dieses Thier gegenwärtig von Westen her einwandere, da es angeblich auch in Paraguay vorkommt. Unerklärlich bleibt mir, warum es nicht auch auf der Serra sich findet, da der obere Uruguay jedenfalls leichter zu überschreiten ist. Wie sich Mephitis patagonica Lichtst. und M. castaneus d'Orb. zu dieser Art verhalten, bleibt noch zu ei'forschen. Die Stinkthiere gehören zu den wenigen Raubthieren, bei denen die Unterkiefer mit einander verwachsen, d. h. die Symphyse derselben verknöchert. Die Schädel des Thiosmus chilensis und Th. suffocans sind an der Form der Nasenöffnung, der Einschnürung des Schädels hinter den Augen, der Zahl der Foram. infraorbitalia u. s. w. leicht zu unter- scheiden. Das Berlin. Zool. Mus. besitzt noch 3 Schädel ohne Angabe des Geschlechts: und zwar 1) von Th. suffocans Lichtst. (Bas.lg. 56 Mm.), ist wahrscheinlich weiblich; 2) von Th. leuconotus Lichtst. (Bas.lg. 73 Mm.); er gleicht sehr dem soeben erwähnten Schädel und scheint sich nur durch die Gröfse von ihm zu unterscheiden, der obere Rand des Zwischenkiefers ragt weit hervor, und 3) von Th. mesoleucus Lichtst. (Bas.lg. 56 Mm.), der sich von dem des Th. suffocans sehr bestimmt durch die Kleinheit des vordersten Prämolarzahns im Unterkiefer unterscheidet. Hr. Baird hat I. c. Plt. 39 Fig. 3 einen (ohne Zweifel männlichen) Schädel dieser Art abgebildet, der aber (in der Abbildung gemessen) eine Bas.lg. von 654- Mm. zeigt und dessen vorderster Prämolarzahn des Unterkiefers sich nicht durch besondej-e Kleinheit auszeichnet. Als Abnormität besitzt er noch in jedem Oberkiefer den in der Gattung Thiosmus sonst fehlenden Prämolarzahn p3. Über die Lebensweise vergl. Zool. Garten 1869. 58) Lutra platensis Waterh. Von diesem in den europäischen Museen so seltenen Thiere habe ich 3 männliche und 3 weibliche Skelete und zwei einzelne Schädel, 1 c/' und 1 2 , gesammelt. Alle Exemplare waren vollständig ausgewachsen, selbst sehr alt. Die münnlichen Schädel haben eine ßas.lg. von 103, g — 102,o — 102,0 und 97,3 Mm., die weiblichen von 94,8 — 92,o — 90,5 und 88,o Mm. Die Breite an den Jochbogen beträgt an den ersteren (in derselben Reihen- folge) 80,1 — 78,7 — 76,1 und 73,o Mm., an den letzteren 67,2 — 66,7 — 68,3 und 67,1 Mm. Die Farbe dieses Otters ist sehr ähnlich der unserer Lutra vulgaris. d. h. oberhalb chocoladenbraun, unten heller fast grau, bei manchen Exem- plaren mehr gelblich, namentlich am Halse und der Kehle, wo dann diese Farbe gegen die der Oberseite deutlich abgesetzt ist, auch bemerkt man in diesem Falle einen helleren, aber nicht sehr deutlichen Fleck über jedem Auge. Dafs hierin keine specifische Differenz liegt, geht schon daraus hervor, dafs bei einem Pärchen, welches ich erhielt, das Männchen die erstere, das Weibchen die letztere Färbung hatte. Dieses Männchen war von der nackten Nasenspitze bis zur Schwanzspitze (die Länge des Haares war hier fast Null) 1200 Mm., das Weibchen 980 Mm., dessen Darmkanal 3320 Mm. lang. Der Schädel der Lutra platensis unterscheidet sich von dem des europäischen Otters durch das sehr kurze Gesicht, die gröfsere Breite des Hirntheiles, die langen Proc. zygom. des Stirnbeins und durch die viel bedeutendere Stärke der aufserordentlich dicken Backenzähne, gleicht aber in allen diesen Merkmalen sehr der Lutra canadensis. Wenn man die Form des Schädels dieser Art betrachtet, den Herr Baird (Gener. Report upon the Zoology of the sev. Pacif. Railr. Rout. Washington 1870. Part. L Mammals. Plt. 38) abgebildet hat, so möchte man den südamerikanischen Otter für vollständig identisch mit dem nordameri- kanischen erklären, der übrigens auch in Central -Amerika vorkommt (v. Frantzius 1. c. p. 289). Nur scheinen mii* bei diesem nach jener Abbil- dung die Backenzähne etwas kleiner zu sein'). Es fragt sich aber, in ') Die Lutra canadensis ist durch den Schädel hinreichend von L. vulgaris ver- scliieden. Bedenkt man aber, dafs alle Raubthiere des Nordens der alten Welt auch in der neuen entweder in vollständiger Identität oder mit nur geringen Abänderungen in der Farbe vorkommen, so wird man unwillkürlich zu der Frage gedrängt, ob sich nicht unser Fisciiotter auch in Nord -Amerika finde. Berücksichtigt man die Übereinstimmung in der Farbe und den Umstand, dafs auch die Zoologen Nord-Amerikas keineswegs einig sind über die Zahl ihrer Ottern, so wird es allerdings nicht unmöglich, dafs man unter 89 wie weit hier der Zeichner das natürUche Verhältnifs richtig wiederge- geben hat, oder ob vielleicht von Norden nach Süden hin in Folge ver- änderter Nahrungsweise eine allmähliche Umänderung des Gebisses ein- tritt, zu der wir noch die Zwischenglieder in Central -Amerika hätten. Bekanntlich hat man einen kleinen Otter auf der Westseite Süd- Amerikas als Luti'a chilensis Benn. unterschieden. Zwei Schädel dieser Art (Berlin. Anat. Mus. 12264 und 20434), deren ersterer von Philippi aus Chiloe geschickt wurde, gleichen sehr dem Schädel der L. platensis, unterscheiden sich aber von ihm durch geringere Gröfse, noch kürzeres Gesicht, breiteren Hirntheil und verhältnifsmäfsig noch dickere Backen- zähne. Sie treiben die Merkmale für Lutra platensis bis zum Extrem, zeigen aber dadurch die nahe Verwandtschaft mit dieser Art. Nun hat aber I. E. Gray (Charlesworth's Mag. Nat. Hist. 1, 1837 p. 580) eine Lutra californica von der Westküste Nord -Amerikas unter- schieden, von deren Schädel Baird 1. c. p. 188 sagt: „A compai-ison of the skull of the California otter with that of eastern specimens exhibits very close affinities, both being distinguished from the European L. vul- garis by common characteristics of great development of postorbital process of frontal bone, broad interorbital space, very broad and short muzzle, etc." Man wird durch diese Angaben lebhaft an Lutra chilensis erinnert und an die Möglichkeit, dafs auch an der Westküste der neuen Welt ein Otter von Norden bis Süden sich verbreiten könne. Um eine Vergleichung der Lutra platensis zu erleichtern, bemerke ich, dafs unter 8 Schädeln der Lutra vulgaris, die ich in Schlesien sam- melte, der gröfste derselben, ein erwachsenes Männchen, eine Bas.lg. von 112 Mm. und eine Breite an den Jochbogen von 75^ Mm. hat, also im Allgemeinen viel schmäler ist als der Schädel der L. platensis. Der kräf- tigste unter meinen Fischotterschädeln, ein altes Männchen, dessen Unter- Lutra canad. zwei Arten vereinigt, deren eine mit L. vulgaris identisch wäre. Eine Auf- klärung darüber dürfte für die Lehre von der Verbreitung der Arten von besonderem In- teresse sein. Die Lutra destructor Barnston aus Canada scheint nach der Abbildung des Schädels (The Canadian Naturalist and Geologist. Vol. VIIL 1863 p. 147—158) 1. c. p. 154 viel Ähnlichkeit mit Lutra vulgaris zu haben, doch ist der abgebildete Schädel zu jung, um einen entscheidenden Vergleich zu gestatten. Abhdl. der phys. Kl 1872. Nr. 1. 12 90 kiefer so fest eingelenkt ist wie bei einem Dachs, ist bei einer Breite an den Jüchbogen von 75 Mm. nur 105 Mm. lang. Ich habe aul'serdem noch eine nicht unbedeutende Zahl von Schädeln der L. vulgaris verglichen, aber keinen grofseren als jenen und keinen breiteren als diesen gefunden. Zum Beweise, dafs L. platensis sich durch dicke Backenzähne auszeichne, gebe ich folgende Mafse vom unteren Reifszahn, mi, des gröfsten Weib- chens dieser Art: sagittaler Durchmesser der Krone 13,4 Mm., frontaler Din-chmesser 7,ö Mm., bei einer ungefähr ebenso grofsen weiblichen L. vul- garis (Bas. lg. 97 Mm.) 12,o und G,i Min. 59) Lutra hrasiliensis F. Ouv. Von diesem gröfsten aller Ottern, der keineswegs selten ist. habe ich nur ein einziges Exemplar, ein erwachsenes Weibchen, erhalten, wel- ches sich zufällig in einer Falle fing. Die übrigen Exemplare, welche geschossen wiii-den. gingen stets unter und somit verloren. Die Ariranha weicht in Habitus und Lebensweise sehr von den übrigen Ottern ab und erinnert durch manche Züge an die Phoken. Das glatte kurze Haar, die senkrechte Stellung im Wasser beim Umsehen, der zwischen den Augen so schmale Schädel sind Fligenthümlichkeiten der Seehunde. Der Schädel hat eine Bas. lg. von 139 Mm. und ist an den .Jüch- bogen l»S.i, Mm. hi\'it. Die ganze Länge des Thieres von der Nasen.spitze bis zur Schwanzspitze betrug l(j45 Mm. Doch wurden noch bei weitem gröfsere Exemplare gesehen. Der Darmkanal vom Magen bis After war 36(50 Mm. lang. Der helle Fleck an der Kehle variirt sehr in Farln- und Ausdehnung. Herr Gray hat (Catal. of Carnivorous, Pachy) Ich habe für die von mir gesammelte Cavie den oben erwähnten Namen gewählt, ob- gleich sie in Farbe und Zeichnung der von Brandt (Mem. de I'Aead. imper. d sc de M.deterst VI. Ser. Tom. III. p. 436, Tab. XVI.) beschriebenen Cavia leucopyga gleicht, da diese wohl nur als eine klimatische Farbenvarietät zu betrachten ist. . , ,■ i.- f <=*»*« ^) In dieser Figur, wie aUen folgenden Abbildungen der Backenzähne sind die Kiefer stets so gehalten, dafs die Kronen der Zähne genau von oben gesehen werden. Ahhdl. der phjs. Kl. 1872. Nr. 1. 130 Fig. U. a und h, des H. squamipes Brts. Nat. Grofse bei a, 7,0 bei b, 7,6 Mm. Die Zähne sind schon ziemlich stark angekaut, obgleich der Schädel noch nicht ganz seine definitive Form erlangt hat. Fig. 15. a und b, des H. ratticeps. Nat. Gröfse bei a, 5,7 bei i, 5,9 Mm. Der Schä- del ist noch nicht volhvüchsig, da die part. cond. de.s Hinterhauptes noch nicht mit der pars bas. desselben vollständig verwachsen sind. Fig. IG. a und b, H. dorsalis. Nat. Gröfse 4,4 und 4,7 Mm. Der Schädel scheint schon vnllwiichsig zu sein, und die Backenzähne sind schon deutlich abgekaut. Fig. 17. a und /,, des H. arenicola(?) Waterh. Nat. Gröfse 4,0 und 4,3 Mm. Die Zähne sind schon stark abgekaut. Fig. 18. a und b, des II. flavescens Waterh. Nat. Gröfse .3,6 und 3,8 Mm. Der Schä- del ist noch nicht volhvüchsig, und die Zähne sind nur wenig abgekaut. Fig. 19. « und /*, des H. nasutus Waterh. Nat. Gröfse 4,1 und 4,4 Mm. Der Schädel ist alt, und die Zähne sind stark abgekaut. Fig. 20. a und 6, des H. tumidus Waterh. Nat. Gröfse 6,0 und 6,5 Mm. Der Schädel ist noch nicht volhvüchsig, und die Zähne sind nur schwach angekaut, m3 ist kaum angekaut. Fig. 21. a und b, des H. subterraneus. Nat. Gröfse 3,7 und 4,1 Mm. Der Schädel ist noch nicht volhvüchsig, und die Zähne sind nur mäfsig angekaut. Fig. 22. a und b, des H. Dar winii(?) Waterh. Nat. Gröfse 4,7 und 4,3 Mm. Der Schä- del ist volhvüchsig, die Zähne sind ziemlich stark abgekaut. In den folgenden Figuren bezeichnet a den zweiten Zahn des Oberkie- fers und 6, den des Unterkiefers stärker vergröfsert. Die Seite ist dieselbe wie in Fig. 13—22. Die Vergröfserung ergiebt sich aus dem Vergleich mit diesen Figuren. Es gehört: Fig. 23. zu H. vulpinus. Der Zahn ist etwas jünger als der in Fig. 13. dargestellte, da m3 nocli nicht angekaut ist. Fig. 24. zu H. squamipes. Der Zahn scheint etwas weniger abgekaut zu sein als der in Fig. 14. dargestellte. Fig. 25. zu H. ratticeps. Derselbe Schädel wie in Fig. 15. Fig. 26. zu H. dorsalis. Derselbe Schädel wie in Fig. 16. Fig. 27. zu H. arenicola(?). Derselbe Schädel wie in Fig. 17. Fig. 28. zu H. flavescens, aus einem jungen Schädel. Der'zahn ist noch nicht aiigekaut. und m3 noch nicht aus dem Kiefer hervorgebrochen. Fig. 29. zu H. nasutus. Derselbe Schädel wie in Fig. 19. Fig. 30. zu H. tumidus. Derselbe Schädel wie Fig. 20. Fig. 31. zu H. subterraneus, ausein.m sehr jungen Schädel. Der Zahn ist noch nicht oder kaum angekaut und m3 noch nicht aus dem Kiefer hervorgebrochen. ZiiHm.HeiisersAblL Ukf d Saii^etliSti(i-Brasilieiis.P]ayß,Rl,1872 Tat, c^jAUi. W 'Xf m v'/- ^ r^C^^Ai^v' Z;.^«^ » \ 4i -1.!^ \ % ^ JDL.Fraiiz Waqnei adJJat.lith. IiriidcvCBc)JmimBeil:r ZaHrnlieRsersAHUberd.Sau^^eth.Sud-Brasiliens Phy3Kl,l872 Tafn .ID.LFranE Wagnern dWatlith Druck V C Böhm ir. 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